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Faust: Der Tragödie erster Teil cover

Faust: Der Tragödie erster Teil

Chapter 16: Straße (II)
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About This Book

The play traces an anguished scholar who, dissatisfied with limited human knowledge, makes a pact with a cynical supernatural agent who promises youth and worldly experience in exchange for servitude; their bargain leads the scholar into seduction of a young woman, social ruin, and moral catastrophe culminating in her imprisonment and the scholar's torment. Interwoven are metaphysical debates in a prologue between heaven and the tempter, episodic scenes of city taverns, a witches' revel, and a subterranean prison. Themes include the limits of reason, the hunger for experience, temptation, responsibility, and the possibility of redemption amid tragic consequences.

Straße (II)

Faust. Mephistopheles.

FAUST.
Wie ist’s? Will’s fördern? Will’s bald gehn?

MEPHISTOPHELES.
Ah bravo! Find ich Euch in Feuer?
In kurzer Zeit ist Gretchen Euer.
Heut abend sollt Ihr sie bei Nachbar’ Marthen sehn.
Das ist ein Weib wie auserlesen
Zum Kuppler- und Zigeunerwesen!

FAUST.
So recht!

MEPHISTOPHELES.
Doch wird auch was von uns begehrt.

FAUST.
Ein Dienst ist wohl des andern wert.

MEPHISTOPHELES.
Wir legen nur ein gültig Zeugnis nieder,
Daß ihres Ehherrn ausgereckte Glieder
In Padua an heil’ger Stätte ruhn.

FAUST.
Sehr klug! Wir werden erst die Reise machen müssen!

MEPHISTOPHELES.
Sancta Simplicitas! darum ist’s nicht zu tun;
Bezeugt nur, ohne viel zu wissen.

FAUST.
Wenn Er nichts Bessers hat, so ist der Plan zerrissen.

MEPHISTOPHELES.
O heil’ger Mann! Da wärt Ihr’s nun!
Ist es das erstemal in eurem Leben,
Daß Ihr falsch Zeugnis abgelegt?
Habt Ihr von Gott, der Welt und was sich drin bewegt,
Vom Menschen, was sich ihm in Kopf und Herzen regt,
Definitionen nicht mit großer Kraft gegeben?
Mit frecher Stirne, kühner Brust?
Und wollt Ihr recht ins Innre gehen,
Habt Ihr davon, Ihr müßt es grad gestehen,
So viel als von Herrn Schwerdtleins Tod gewußt!

FAUST.
Du bist und bleibst ein Lügner, ein Sophiste.

MEPHISTOPHELES.
Ja, wenn man’s nicht ein bißchen tiefer wüßte.
Denn morgen wirst, in allen Ehren,
Das arme Gretchen nicht betören
Und alle Seelenlieb ihr schwören?

FAUST.
Und zwar von Herzen.

MEPHISTOPHELES.
Gut und schön! Dann wird von ewiger Treu und Liebe,
von einzig überallmächt’gem Triebe—
Wird das auch so von Herzen gehn?

FAUST.
Laß das! Es wird!—Wenn ich empfinde,
Für das Gefühl, für das Gewühl
Nach Namen suche, keinen finde,
Dann durch die Welt mit allen Sinnen schweife,
Nach allen höchsten Worten greife,
Und diese Glut, von der ich brenne,
Unendlich, ewig, ewig nenne,
Ist das ein teuflisch Lügenspiel?

MEPHISTOPHELES.
Ich hab doch recht!

FAUST.
Hör! merk dir dies—
Ich bitte dich, und schone meine Lunge—
Wer recht behalten will und hat nur eine Zunge,
Behält’s gewiß.
Und komm, ich hab des Schwätzens Überdruß,
Denn du hast recht, vorzüglich weil ich muß.