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Fechsung

Chapter 112: AN DIE KOKETTE
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

AN DIE KOKETTE

Soll ich verzeihen, daß es schon wieder regnet?!?
Und wenn es sein muß, immer wieder regnen wird?!?
Darfst du denn um etwas mich um Verzeihung
bitten, das außerhalb deines guten Willens ist?!?
Ich kann verzeihn, daß du unanmutig gehst,
nicht schwebst in freudigen Leichtigkeiten — — —;
obzwar’s mein Auge ärgert und es lieblos macht —;
schwerfällige Nymphen sind ein böser Gegensatz — — —.
Ich kann’s verzeihn, denn Übung könnte bei gutem
Willen es noch mählich ändern — — —.
Doch wie soll ich dir die „inneren Mächte“ verzeihn,
dein Schicksal, das du miterhalten hast in deinen Nerven?!?
Soll ich dir Vater, Mutter, Großeltern verzeihn und alle deine Ahnen?!?
Wenn du’s von mir verlangst, verzeihe ich!
So verzeihe ich der Kreuzotter, die den Todesbiß gibt wegen nichts.
Sie sticht — weshalb, niemand kann es ergründen!
Ja, ich verzeih und sterbe!
Aber ist es anständig, Verzeihung zu verlangen,
zu erwarten, für Sünden, die man dennoch nicht lassen kann?!?
So eine Frist sich zu verschaffen von verlogenem Frieden?!?
Darf die Kokette uns um Verzeihung bitten?!?
Sieh, Rosita, ich werde also dein gutmütiges Bemühn gerührt betrachten — — —;
ja, tief, tief gerührt!
So schau ich zu, wie eine edle Seele mit ihren Höllen kindisch kämpft — — —.
Verzeihung, tragischstes aller Worte!
Kann ich verzeihen, daß es wieder regnet?!?
Und wenn es sein muß, immer wieder regnen wird?!?
Geliebteste, laß uns ohne Verzeihung leben!
Die Sünden sind des Tages und der Stunde — — —
vielleicht lohnt sich das Ganze doch der Qual!