WeRead Powered by ReaderPub
Fechsung cover

Fechsung

Chapter 12: MIMIKERINNEN
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

MIMIKERINNEN

Mimik ist die Fähigkeit zu sprechen, ohne Worte dazu zu verwenden. Solche edle Mimikerinnen sind Elsa und Berta Wiesenthal. Sie sprechen zu uns unter Musikbegleitung sanfte, tiefe, kindliche, besondere Worte, ohne dabei zu reden. Eine Mama versteht das romantische Lallen ihres geliebten Wiegenkindchens, ein Jäger den Blick seines Hundes, ein Liebender das Schweigen seines Mädchens! Schon seinerzeit in der „Kunstschau“, in der Pantomime von Oskar Wilde „Der Geburtstag der Infantin“, überraschte Elsa Wiesenthal durch edle Würde, durch das Ausdrücken von allem, was der Dichter meinte, in Gebärde, im Blicken! Sie hat alles diesmal gehalten, was sie versprochen hatte, besonders in „Violettapolka“, „Türkischer Marsch“, „Faustwalzer“. Berta ist wie ein getreuer Knappe seiner edlen wunderschönen Herrin. Die Kostüme waren sehr gut. Im „Faustwalzer“ flogen eigentlich zwei herrliche weiße seidene Schmetterlinge! Wir haben bisher von Tänzerinnen folgende bemerkenswerte Typen gesehen: Cleo de Mérode, die ewige Jugend, Saharet, die Akrobatin, Ruth St. Denis, die Indierin, Carmen Aguileras, ganz Spanien, Maria Maraviglia, die Anmut, Grete Wiesenthal, der „modernste Typus“, Elsa und Berta, die Mimikerinnen, Esthère Vignon, das Genie!