WeRead Powered by ReaderPub
Fechsung cover

Fechsung

Chapter 124: KONDOLENZEN
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

KONDOLENZEN

Der, von dem du es sowieso genau weißt, fühlst, daß er Mitgefühl mit deinem Verluste habe, der braucht es dir nicht erst mitzuteilen! Und dem anderen glaubst du es ja hoffentlich doch nicht! Schiwe-sitzen ist eine schreckliche, infame, feige Verlogenheit! Das heißt nämlich, in äußerem Leid bei einem ostentativ hocken, der einen unersetzlichen Verlust erlitten hat! Soll man ihm sagen: „Wir alle müssen einmal dahingehen!“? Oder: „Du hast die Pflicht zu leben und es zu überwinden?!“ Lauter dumme Gemeinheiten. Die einzigen angenehmen Schiwesitzer sind die Erbschleicher. Da weiß man doch wenigstens genau, worüber sie — — — sich freuen! Eine Dame in Trauer sagte zu mir: „Ein Freund unseres Hauses ist mir heute auf der Straße scheu ausgewichen! Ich weiß, er wollte es nicht, daß ich sein bleiches verstörtes Antlitz sehe!“