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Fechsung

Chapter 137: ÜBER DIE ANSTÄNDIGKEIT
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

ÜBER DIE ANSTÄNDIGKEIT

Das mit der Anständigkeit ist auch so eine Sache! Es haben nämlich beide Teile anständig zu sein, in gleicher Art und Weise. Sonst kommt einer der Teile zu kurz dabei. Und das ist unanständig. Weil es schwächt! Alles, was schwächt, ist unanständig, sowohl von seiten desjenigen, der schwächt, als auch ganz besonders von seiten desjenigen, der sich schwächen läßt! Denn das ist dumm, inferior, und daher ebenfalls unanständig! Ich habe nur anständig zu sein dem wirklich Anständigen gegenüber! Sonst ist Kriegszeit der Seele!

Man muß Buch führen über alle Anständigkeiten und alle Unanständigkeiten seiner Nebenmenschen, sowohl Völker, Staaten, als auch einzelne, sogar sogenannte Liebespaare, eine gerecht reinliche wahrhaftige Buchführung! Um nicht in seelischen oder anderen Bankrott zu geraten und Konkurs ansagen zu müssen seiner für den Kampf ums Dasein notwendigen Lebensenergien! Ich kannte einen Mann, der zwei Jahre lang „Buch“ führte über alle Gemeinheiten, vor allem unnötigen Grausamkeiten seiner süßen Geliebten. Eines Abends las er ihr ruhig und gemessen eine Stunde lang das ganze Register vor, und schmiß sie hinaus!

Sie sagte weinend: „Hätt’st mir dös früher g’sagt, hätt’st es nicht anwachsen lassen!“

„Ich?! Nein, du!“