Ein fremder Advokat, durch die Kriegszeiten vertrieben aus L., sprach mich beim Morgenkaffee in meinem Graben-Hotel an: „Pardon, kennen Sie unseren Dichter Sienkiewicz?! Der hat eine Skizze geschrieben: ‚Das Urteil des Zeus‘. Die hätte ich Ihnen, Herr Peter, gegönnt, daß sie Ihnen eingefallen wäre! Apollo wettet mit Merkur, er könne die ‚schönste Frau der Welt‘ verführen. Merkur zeigt ihm eine ganz junge Schlossermeistergattin, die gerade zum Brunnen geht, Schürzen auswaschen. Apollo naht sich ihr in verschiedenen Gestalten, als Athlet, als Künstler, als Elegant, als Bankdirektor. Vergeblich! Da fragt Apollo Zeus und vermutet, Merkur habe eine Hinterlist angewendet bei der Wette. Sonst wäre es ganz unmöglich. ‚Ganz richtig,‘ erwiderte Zeus, ‚Merkur hat dir nämlich zwar gesagt, sie sei die schönste Frau der Welt, hat es dir aber verschwiegen, daß sie auch die dümmste sei‘!“
About This Book
Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.