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Fechsung

Chapter 157: ALMA
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

ALMA

(Gustav Mahler gewidmet)

Sie saß in tiefer Trauerkleidung im Goldenen Prunksaale, in dem die „Kindertotenlieder“ ihres verstorbenen Gatten, an das verstorbene elfjährige Töchterchen, aufgeführt wurden. Die Sängerin sang schlicht, die Instrumente murmelten und klagten. Irgend jemand schlich behutsam herein und setzte sich. Irgend jemand schlich behutsam hinaus. Man markierte Ergriffenheit. Die Dame in Trauerkleidung saß da und verbarg ihr Leid vor den Menschen — — —. Man markierte „Totenweihe“. Wenn jemand sich räusperte, sagte man: Pst! Sie dachte vielleicht an die Ufer des Wörthersees, wo ihr Kind und ihr Gatte im Sonnenlichte sich gebräunt hatten — — —.

Neben ihr saß einer, der wollte ihr so sehr gerne die Last abnehmen — — —. Er war aber ganz hilflos. Er dachte nur: „Wie hilflos sind wir Hilfbereiten!“ Dann bot er ihr Kuglerbonbons an, „Crême de Mokka“ — — —. „Ich kann das Stanniolpapier nicht herunternehmen wegen meiner Handschuhe,“ sagte sie leise. Da wurde er ganz rot, ihr den Dienst leisten zu dürfen — — —. Er tat es so ängstlich behutsam, daß sie lächeln mußte. Ja, sie lächelte. Das dritte Kindertotenlied weinte: „Tà dă tà, tà dă tà, tà dă tà dă tà dă tà — — —.“