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Fechsung

Chapter 160: SAPPHO
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

SAPPHO

(Erika von Wagner gewidmet)

Soll die „Sappho“ von einer reifen Künstlerin gespielt werden oder von einer jungen?!

Von einer jungen Reifen! Von einer reifen Jungen!

Sappho soll von dem Herrn Phaon und dem Fräulein Melitta nicht sekiert, gedemütigt, gemartert und stehen gelassen werden, weil sie eine alte Schachtel ist mit seelischen und noch anderen Ansprüchen, sondern nur deshalb, weil sie eine Dichterin ist, also ein höherer Organismus, der von den kriechenden Lebenstierchen deshalb allein eben stets und überall mißverstanden, gemieden, gedemütigt und verraten wird!

Sappho muß wegen ihrer hoheitsvollen Art zu denken, zu fühlen, zu stehen, zu gehen, zu sprechen, zu schweigen, einen peinlichen drückenden Respekt einflößen, den die Armseligen eben nicht lange aushalten! Man verrate sie um ihrer ewigen inneren Jugend, nicht um ihres äußeren Alterns willen!

Sie werde gespielt von einer Jungen, Reifen! Sollen wir vielleicht das Gefühl haben, daß eine alte zudringliche Gedichtemacherin und Harfenklimperin zwei frische fesche Menschenkinder belästigt und stört in ihrem berechtigten Lebensglücke?! Nein, wir müssen durch des Dichters Grillparzer Gnade und des adeligen Jugendprangens der Darstellerin auf seiten Sapphos stehen! Gegen das, ha ha, Liebespaar, Phaon und Melitta! Verräter sind sie, weil sie armselig sind!