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Fechsung

Chapter 162: SPLITTER
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

SPLITTER

Wenn eine Frau keine sexuell-ästhetische Anziehungskraft mehr hat, muß man von Glück sagen, wenn sie keine Verbrecherin wird, aus Ranküne gegen das angeblich unverdiente Schicksal. Es wäre denn, daß sie gute, zarte, nahrhafte Suppen kochen und Leinenlöcher nett ausflicken kann! Das versöhnt sie wieder ein bißchen mit dem harten Schicksal! „Zu irgend etwas bin ich ja doch noch zu gebrauchen!“

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„Mein Herr, was haben Sie Ihrer wunderbaren zarten Frau zu bieten?! Ihren Größenwahn, an den sie glauben muß, weil Sie ihr zu fressen geben!? Ich habe ihr zu bieten mein zärtlichstes Gedenken bei Tag und Nacht. Bei mir muß sie an nichts glauben, und sie glaubt und sie weiß dennoch! Sie weiß, daß ich bei der Berührung ihrer geliebten Finger vergehen, ja zerfließen würde vor Seligkeit, und daß Sie die Inanspruchnahme ihres ganzen Organismus nur als eine selbstverständliche erfüllte Verpflichtung spüren! Sie können also nicht mit mir konkurrieren, außer ich käme in eine ebenso fatal-tragische Situation! Da sei aber Gott vor! Es ist süßer, vom ‚Haupttreffer‘ zu träumen als ihn zu machen!“

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Ich hasse natürlich häßliche, breite, aber wohlgepflegte manikürte Hände! Diesen elenden feigen Versuch, das Schicksal mit drei Kronen zu versöhnen, ja besiegen zu wollen! Infolgedessen empfinde ich eine fast mystische Rührung für ideal-aristokratisch-zarte Hände, die schmutzig sind, ungepflegt und sogar schmutzige Nägel haben! Es erinnert mich an Meister Bruckner, der zwar göttliche Sinfonien erträumt hat, aber mit den Fingern in die Kalbsgulaschschüssel öffentlich griff! Gottbegnadete haben es eben nicht nötig, die Bourgeoisie nicht zu kränken!

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Auch einen Hund bezieht man meistens in seine sonstigen Gemeinsamkeiten noch ein, der fürs Fressen den ganzen Tag liebwedelt und treu ist! Interessanter wäre natürlich eine hellgrau-weiße, anmutige, schmiegsame große treulose Katze; aber, siehe, man will „angewedelt“ werden, man will es genießen, daß jemand sichtlich freudig bewegt ist, wenn man nach Hause kommt, und sichtlich verzweifelt, wenn man weggeht! „Gott, mein Hund hat sich so gekränkt, daß ich ihn heute zu Hause gelassen habe! Desto größer die Freude, wenn er mich wiedersehen wird!“ Prosit! Wenn er nur nicht hingewischerlt hat vor lauter Sehnsucht!

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„Peter, wie g’fallt Ihnen mein neuer g’scheckerter Pelz?! Und gar net teuer, vierhundert Kronen!“

„Er gefällt mir sehr gut. Aber weshalb hängt er an Ihnen?! Am lebendigen Tiere ist er herrlich. Oder irgendwo als Teppich. Soll er etwas verstecken helfen, was nicht schön ist?! Das wollen wir nicht hoffen. Und sonst gegen Kälte tuts ein edel-weicher Flanell auch! Ah, Sie wollen vielleicht beweisen, daß Sie bei Herrn v. G. Anwert haben, der ihn gekauft hat?! Das glauben wir ja sowieso, da müßt er ja keine Augen im Kopf haben. Außerdem aber — die eitle Blödheit der Männer ist kein Beweis für die Schönheit der Frauen!“