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Fechsung

Chapter 27: DAS LEBEN
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

DAS LEBEN

Einem zwölfjährigen Mädchen, das im Stabilimento angestellt war für eine Lire täglich und das außerdem bildhübsch war, kaufte ich im Lauf der Säson dreimal zwölf Abonnementkarten für das Meerbad. „Ja,“ sagte die Geschäftsdame, bei der sie angestellt war, „Sie verführen mir dieses Kind! Es soll arbeiten, nicht baden und sich amüsieren! Wenn Sie immer gebadet hätten, statt zu arbeiten, wären Sie auch nicht das geworden, was Sie heute sind!“

„Ich habe nie gebadet und noch weniger etwas gearbeitet!“ erwiderte ich. „Weshalb soll dieses arme Kind zusehen, wie alle diese wertlosen Frauen im Meere baden und sich vergnügen?!?“

„Ja, mein lieber Herr, sie haben eben das Geld dazu!“

Einige Wochen später traf ich das Kind. „Eine Freundin von mir hat, denken Sie, ein Tramwayabonnement! Sie rutscht hin und her!“

„Nun, du kannst auch eins haben!“

Eine Woche später: „Denken Sie, im vorigen Jahr erhielt ich eine Schachtel Aquarellfarben samt Pinseln und Zeichenalbum! Aber jetzt ist es schon ganz aufgebraucht!“

Ich kaufte ihr natürlich neue. Sie war ganz entzückt. Eine Woche später sagte sie: „O, jetzt kommt der Winter, da ist es kalt. Meine Mama, meine gute Mama braucht ein warmes Tuch zum Ausgehen. Auch unser Klavier ist verstimmt, soll repariert werden, und Anne-Maria hat einen Zahn zum Plombieren.“

„Kind,“ sagte ich, „ich bin erstaunt, daß du alle diese Dinge gerade mir erzählst!?“

„Ja, Sie alter Esel, wem soll ich sie denn erzählen als dem, der mich gern zu haben scheint und mich für bildhübsch hält?!? Soll ich es vielleicht dem erzählen, der mich für einen ekelhaften kleinen zudringlichen Fratzen hält? Der gibt doch gewiß nichts her!?“

„Du hast recht!“ sagte ich und bezahlte ihr noch den Klavierstimmer und den Zahn ihrer Schwester!