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Fechsung

Chapter 38: DIE AUFFASSUNG
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

DIE AUFFASSUNG

Ich schrieb in die Zeitung über die süße Tänzerin Hedi Weingartner, sie repräsentiere in allem und jedem die herzige Wienerin. Der Schluß lautete: „Und dennoch, bei aller Lustigkeit, innerlich dennoch tief traurig! Worüber?! Fraget Franz Schubert und Hugo Wolf!“

Mein junger Zimmerkellner sagte zu mir: „Jessas, das war wieder schön, was Sie über die Wienerin g’schrieben haben. Und die G’schicht mit dem Herrn Wolf und dem andern Herrn!“

„Wie ist das?!“ fragte ich.

„No, die zwei Herren, die das arme Madl stehn g’lassen haben!“

„Nein, das sind zwei längst verstorbene berühmte Wiener Liederkomponisten, die äußerlich lustig und in ihren Liedern dennoch tief traurig gewesen sind!“

„Aha... so ist das aufzufassen! Herr von Altenberg, aufrichtig gesprochen, meine Auffassung g’fallt mir besser!“