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Fechsung

Chapter 39: ENGLAND
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

ENGLAND

Soll ich wieder einmal eine Hymne anstimmen zum Preis und Lob aller dieser herrlichen bettelarmen unwissenden und dennoch höchstkultivierten englischen Tänzerinnen aus den Tanztruppen?! Soll ich sagen, daß, trotzdem sie vielleicht nur die Töchter von Matrosen, Polizeiwachtleuten, Hausbesorgern sind, sie das bescheidenste, vornehmste, keuscheste, unkoketteste, un-männersüchtigste, un-geldgierigste Benehmen haben?! Im Gegensatz zur Französin und anderen uns näher liegenden Nationen?!? Es sind Dollies, Püppchen, zart und ergeben, dankbar, freundschaftlich, verständnisvoll, anmutig, originell und ihre eigene Welt durchlebend, sogar durchtrauernd! Erstaunt sind sie, daß die Männer größtenteils so frech und dumm, eitel und noch etwas anderes sind. Aber sie können sich Gott sei Dank nicht helfen, verändern nicht ihr süß-kindliches Sein! Soll ich die „Four magnets“ erwähnen, mit den Kindchen Bessie und Olive?! Die Rockinggirls mit der süßen Elsie, und mit Lilly, der Gebenedeiten?! Die Romaine-Truppe mit der edlen Lilly Romaine, die mir aus Rom geschrieben hat, seitdem sie in der Peterskirche war, könne sie nicht mehr so leicht und fröhlich abends tanzen?!? Die Ismay-Truppe mit Ida und Beatrice Ismay, die sagten: „O, der böse Publikum war heute sehr gegen uns, kein Applaus, wir wollen nicht supieren, kein Appetit, wenn man uns nicht lieb hat!“ Und die Sechzehnjährige mit braunen dicken Locken sagte zu mir: „O bitte, kann ich einen Moment stören?!“ „Gewiß!“ sagte ich. „O bitte, ist es richtig, daß Sie sind a most clever poet of Vienna?!“ „Ob clever, weiß ich nicht, aber poet, no ja!“ „O bitte, wir haben auch sehr große Dichter bei uns in England!“ „Gewiß, natürlich, es ist kein Zweifel!“ „Zum Beispiel Shakespeare.“ „Ja, ein bedeutender Mensch!“ „Er ist leider schon gestorben!“ „Ja, schade um ihn, gerade solche Leute müssen weggehen!?“ „Es muß eine angenehme Arbeit sein, zu dichten!“ „Ja, es ist nicht unangenehm!“ „Man darf arbeiten, wann man will, nicht wahr?! Wir sind auch Artisten. Wir müssen auch arbeiten, aber zu einer bestimmten Stunde, elf Uhr abends. Sie arbeiten wahrscheinlich in der Früh?!“ „Nein, in der Früh schlafe ich.“ „Ah, also mittags, wenn die Sonne hell und schön vorhanden ist?!“ „Nein, da schlafe ich auch noch.“ „Immerhin, ein Dichter ist frei, er ist ein Vogel.“ „Ja, das ist er!“ sagte ich. Ich wäre gern vor diesem Kinde hingekniet und hätte ihr gern ein Rumpsteak mit potatoes bezahlt — — —. Aber kann man Lieblichkeit bezahlen?! Nein!