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Fechsung

Chapter 4: ERLEBNIS
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

ERLEBNIS

Der Dichter an das wunderschöne Mädchen Eva Fâren im „Grand Gala“, Weihburggasse:

„Sie sagten den ganzen Abend zu mir: ‚Herr Professor‘. Ja, ich bin einer. Ich lehre die Menschen nämlich seit siebzehn Jahren in meinen Büchern immer dasselbe: Seele zu bekommen! Aber die meisten bekommen nie eine. Es gibt so viele unaufmerksame und untalentierte Schüler in meiner ‚Klasse der Menschheit‘. So wie in jedem Gymnasium. Nur wenige machen einem Freude, einige plappern mechanisch nach. Aber deshalb muß man dennoch es ununterbrochen versuchen, ihnen eine Seele, wenn auch sehr allmählich, beizubringen, selbst sogar, wenn sie eine solche unbequeme gar nicht besitzen wollen, und sogar es glauben, daß es sie in ihrer sonstigen ernsten Beschäftigung empfindlich störe! Ihnen freilich, allerzarteste Persönlichkeit, allerlieblichste Schönheit, braucht man nichts mehr beizubringen! Sie haben die Seele vom Schicksal mitbekommen, diesen Leitstern in den Wirrsalen eines schönen Frauenlebens! Alles, alles an Ihnen ist eigentlich nichts anderes wie „verkörperte Seele“; Seele, die ein Obdach gefunden hat in einer zarten Hülle! Alles an Ihnen ist zart, fein, nobel, unirdisch; jede Ihrer Handbewegungen, Ihrer gebrechlichen Finger, jeder Blick Ihrer Augen, der Timbre Ihrer ausländischen Stimme und die kindlich-edle Art Ihres Tanzens! Sie können, Sie wollen niemanden kränken; und wenn Sie es tun, tut es Ihnen sogleich unbedingt wieder schrecklich leid. Sollten Sie mir jedoch erwidern, daß ich mich leider irre, und daß Sie die Männer nur aussackeln und ausnützen wollen, so werde ich, ohne zu zögern, es Ihnen ins Gesicht sagen: ‚Ja, aber nur die, die kein anderes Schicksal verdienen!‘“