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Fechsung

Chapter 64: DORA 1
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

DORA 1

In tiefe Freundschaft, Rücksicht, Fürsorge, war
ich eingebettet, eingelullt; nein, eingekerkert!
Um als Undankbarer nicht zu gelten mußt ich kuschen!
Ein Hund der Dankbarkeit!
Nun drang mir in meine Kerkermauern ein heller
Ruf: „Ich heiße Dora! Und ich verdanke Ihren Büchern alles!“
Ich lauschte diesem adeligen Ruf,
der noch so frei klang von dem Druck persönlichen Empfindens!
Sie gab noch nichts, sie wollte noch nichts geben,
und hatte schon empfangen und genossen!
Sie war noch unenttäuscht! Sie hatte die Glatze
noch nicht gesehn und die verhärmten Züge — — —.
Sie wußte noch nicht, daß man wegen fünfzig Mark,
die der Simplizissimus einem als Monatsgage kürzlich entzogen hatte,
in sich zusammenstürzen könne und zerfallen,
greisenhaft-zaghaft werden könne über Nacht!
Sie konnte noch den Rahm abschöpfen einer Menschenseele,
und die wässerig-fade Milch wegschütten!
Eine Lebenskünstlerin!
Sie konnte noch aus Fernen schreiben:
„Ich heiße Dora und verdanke Ihren Büchern alles!“
Es klang ein heller fremder lichter Ruf
in meine Kerkermauern der Alltäglichkeit!