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Fechsung

Chapter 88: PHILOSOPHIE
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

PHILOSOPHIE

Die Geliebte, in gesunden und in kranken Tagen, nämlich in unseren!

In gesunden Tagen fällt es uns mehr oder weniger leicht, ihr es ununterbrochen zu beweisen, daß sie die Sonne unseres Seins, unser Labsal, unsere einzige Stütze, unsere Errettung sei! Aber in kranken Tagen spießt es sich, obzwar sie malheureuserweise gerade in diesen als Rettungsengel, Betreuerin, Helferin, ideale Stütze eine Rolle spielen möchte! Gerade jetzt soll ihr, muß ihr der arme Kranke, der nur absolute Ruhe, Schlaf, Darmfunktion, Konzentration auf das eigene geschwächte Ich brauchte, beweisen, daß sie ihm unentbehrlich sei, und muß sich oft stundenlang vom brechen und sch. zurückhalten; aus Angst sie zu enttäuschen!

Was nützt es, daß sie bleich und selbstlos erklärt, sie wolle für ihn die niedrigsten Dienste verrichten?! Von ihr es anzunehmen stört ihn, hindert ihn, demütigt ihn, macht ihn unglückseliger, als er es so schon ist!

Sie sitzt stundenlang an seinem Bette, betreut seinen Schlaf, macht dabei hundert unwillkürliche und willkürliche Geräusche, die ihn aufschrecken, jedenfalls die Tiefe des Schlummers, die absolute Sorgenlosigkeit, das gänzliche regenerierende Versinken beträchtlich verhindern! Ein Kavalier mit Magen- und Darmkatarrh ist eine Unmöglichkeit! Und kein Kavalier sein, ist aber eine ebensolche Unmöglichkeit! Uns es aber erleichtern scheint eine noch größere Unmöglichkeit zu sein für „liebende Frauen“!!!