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Fechsung

Chapter 93: GEDICHT
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

GEDICHT

Wie ich zu Tode quäle eine liebevolle Seele,
wenn ihre Hülle „Leib“ nicht meinem Ideal entspricht — — —!
Wie stell’ ich’s aber an, daß ich das „Edlere“ wähle?!?
Mein Wächter „Auge“ gestattet es mir nicht!
Er sagt: „Man täuschet dich; die beste Seele
Kann eben nur im besten Leib gedeihn!
Und nur weil Christus vollkommen schön gewesen,
konnt sich sein Herz der ganzen Menschheit weihn!
Voll innerer Sanftmut ist nur das schönste Wesen;
es dankt dem Schöpfer gleichsam ewig für seine Gnad’ auf Erden — — —,
in ihrem verborgensten Blick kannst du es lesen:
‚Ich bin von Ihm verpflichtet worden, gut zu werden!‘
Gott ähnlich werden ist jedem benommen,
der nicht die Glieder dazu mitbekommen!
Nur vom vollendet schönen Menschen fordre ich Hirn und Herz — — —
Er fliege, gottbegnadet, himmelwärts!
Er sei gerecht, allgütig und allweise — — —
Und er allein stört mir nicht meine Kreise,
daß der Mensch engelrein werden könne in absehbarer Zeit!
Von den anderen aber verlang ich nur,
daß sie sich betrachten als mißlungene Exemplare der Ideale erträumenden Natur!“