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Fechsung

Chapter 97: DER „KOBERER“ (KUPPLER)
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

DER „KOBERER“ (KUPPLER)

„Du,“ sagte der Graf zur Mitzi G., „wer hat dir denn diesen Brief an mich aufgesetzt?!“

„Aufgesetzt?! Aufgesetzt?! Wie meinen Sie das?!“

„Aufgesetzt! Selbstverständlich hast du den nicht selbst verfaßt!“

„Weshalb nicht?! Bin ich denn gar so dumm?!“

„Nein, ja. Aber diesen Brief hast du einmal nicht verfaßt!“

„Wer sollte ihn denn verfaßt haben?!“

„Das weiß ich nicht. Das weißt nur du. Du, Mitzerl, ich gebe dir 100 Kronen, wenn du mir den Namen nennst!“

„100 Kronen?! Gib mir 150!“

„Also 150!“

„Der Peter!“

„Was für ein Peter?!“

„No, der Peter, der Peter Altenberg!“

Der Brief: „Habe Dich heute nacht im ‚Tabarin‘ wiedergesehen! Konnte Dich nicht ansprechen, durfte es ja doch nicht. Also, da sitzt vis-a-vis von mir der Mensch, der mich ein Jahr lang splitternackt unter der Bettdecke gehabt hat!? Und alles hat doch nichts genutzt!“

„Wie kommt er dazu, dir diesen Brief aufzusetzen?!“

„Ich hab zu ihm gesagt: ‚Schreiben S’ mir um Gottes willen so was, was ich schreiben müßt, wenn ich’s schreiben könnt!‘“

„Also ist der Brief ja doch nur wieder von dir?!“

„Das hab ich ja gleich gesagt!“

Da nahm sie denn der Graf wieder zu sich.