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Fechsung

Chapter 98: WELTENBUMMLER 1914
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About This Book

Eine Sammlung kurzer Eindrücke, Aphorismen und Essays, die persönliche Beobachtungen über Stadtleben, Liebe, Kunst, Theater, Gesundheit und Alltag verbindet. Die Stücke wechseln zwischen lakonischen Bonmots, fragmentarischen Erinnerungen und kurzen Briefen und reflektieren über zwischenmenschliche Beziehungen, ästhetische Erfahrung, Körperpflege und Diätetik sowie Kriegserlebnisse und philosophische Gedanken. Häufig treten ironische Pointierung und sensible Beobachtung nebeneinander, wobei Alltagsszenen, Porträts bekannter Orte und polemische Bemerkungen ein dichtes Kaleidoskop entstehen lassen. Die Form ist impressionistisch und episodisch, ohne durchgehende Handlung; Stimmung und Stimme des Autors schaffen den inneren Zusammenhalt der Texte.

WELTENBUMMLER 1914

Der Kriegsgott und der Tod schlenderten selbander einige Wochen vorher, als elegante Kavaliere verkleidet, so durch die verschiedenen Lokale und belauschten die Gespräche. Da vernahmen sie, daß es noch sehr die Frage sei, ob der „Tango“ sich werde durchsetzen können und ob er überhaupt salonfähig sei!? Ferner, ob Reiherfedern heuer modern bleiben würden!? Ja, der amerikanische Geschmack setze sich, Gott sei Dank, immer mehr durch, aber bei aller Einfachheit sei der Stoff selbst eben um das wieder teurer! An dem Stammtisch des Dichters vernahmen die beiden Herren eine schreckliche Eifersuchtsszene, weil einer der Gäste der goldblonden Tschechin selbstgepflückte Bergblumen mitgebracht hatte. Der Dichter schrie erbost: „Principiis obsta! Gleich am Anfang kann man noch erretten! Später ist zu spät!“ Alle schrien: „Bravo, Peter, hast es dem Kerl gut gegeben!“ Weil nämlich alle wegen der süßen Tschechin eifersüchtig waren. Woanders hörten sie, daß man sich eigentlich nur mehr in Zimmern mit modernem Marmor und Mahagoni so recht gemütlich und heimisch fühlen könne. Da schlichen die beiden Kavaliere traurig von dannen —.

Da kamen sie an einer Armenhütte vorbei. Da sagte der Mann zu seinem jungen Weibe: „Schlimmer kann’s doch nimmer werden! Ein Gewitter sollt niedergehn, das reinfegt!“

Da ließen die beiden Kavaliere ihre Masken fallen und standen in blinkendem Stahl und weißem Knochenbein da — — —.