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Frau Rietschel das Kind

Chapter 14: DREIZEHNTES KAPITEL
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About This Book

The narrative follows a young assessor who relocates to a provincial town and becomes enamored of a confectioner’s daughter, prompting him to take a room opposite her shop. As his courtship unfolds, the story examines daily routines, social rituals, and the protagonist’s calculations about career advancement, reputation, and desire. Close observation of neighbors, family protectiveness, and rival suitors reveals the constraints of bourgeois provincial life and the limits of social mobility. Through intimate scenes and civic encounters, the work sketches how longing, prudence, and communal expectations shape personal choices and small-town relationships.

DREIZEHNTES KAPITEL

Liese Prutz war endlich geborgen. Nun erwachte das alte Bürgertum in ihr. Sie kehrte sachte zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Aber sie war still und langsam geworden. Das Jugendfeuer erlosch. Ihr letztes Lebensgesetz wurde die Pflicht.

Sie täuschte sich nicht darüber, daß ihr ein karges Leben bevorstand. Sie wurde die Pflegerin eines Absterbenden, und der Hauptmann war arm. Dieser alte Haudegen war nie ein Geldjäger gewesen.

Durchhungern hieß es, denn auf Hilfe aus der Heimat hoffte Liese nicht mehr. Trotzdem bot ihr der Mann, den sie gefunden, noch große Überraschungen. Sie spürte, daß er aus dem Lande der Abenteuer kam. Von seinem guten Diener hatte Hauptmann von Rotkraut ihr oft erzählt. Der seltsame Name — er hieß Simba — war Liese schon aufgefallen, aber sie war dermaßen von ihrer Lebenswandlung erfüllt, daß sie nie danach gefragt hatte. Als sie nun den Hauptmann zum erstenmal besuchte — er wohnte recht dürftig in der Auguststraße — öffnete Simba ihr die Tür. Liese fiel fast die Treppen wieder hinunter, denn ein baumlanger Neger stand vor ihr. Grinsend verbeugte er sich vor der schönen, blonden Dame, deren Bedeutung er kannte. In tiefster Ergebung geleitete er sie zu seinem Herrn.

Der Hauptmann lag auf dem Sofa. Liese drückte ihn, als er aufstehen wollte, zurück und sah zum erstenmal ein Lächeln in seinen dunklen Zügen. — »Hat Simba dich erschreckt?« fragte er. »Verzeih, daß ich dich nicht auf ihn vorbereitet habe. Ich bin zu sehr an ihn gewöhnt. Du wirst dich auch gewöhnen und eine treue Seele an ihm haben. Er hat mir zweimal das Leben gerettet. Zuerst vor seinen eigenen Landsleuten und dann — ja, das ist was für dich — vor einem großen Krokodil.«

Liese schüttelte sich. Dann sah sie aber sehr freundlich auf den Schwarzen: »Ich finde ihn gar nicht so häßlich. Die kolossale Figur und die blaue Mütze auf dem schwarzen Wollkopf! Werden wir uns aber einen Diener leisten können Hermann?«

»Von Simba trenne ich mich nicht. Diese Neger sind so genügsam — über ihren Dienst vergessen sie oft Essen und Trinken.«

Aber nun hatten sie über wichtige Dinge zu sprechen. Etwas sehr Ernstes harrte der Erledigung. Liese war mit Bassenried fertig, die Scheidungsklage war eingeleitet, doch von jeder Pflicht aus ihrer ersten Ehe sagte sie sich nicht los. Elsbeth, Bassenrieds Tochter, hatte Eindruck auf sie gemacht — nun fürchtete sie das Elend des unschönen, hochmütigen Mädchens.

»Nichts hat sie, und häßlich ist sie — dafür kann sie doch nichts. Aber ich glaube auch nicht, daß sie viel gelernt hat. Vom Bücherlesen, Bergsteigen und Tennisspielen kann man heutzutage nicht leben. Sie muß in einen Beruf. Darum will ich für sie hergeben, was ich von ihrem Vater übrig habe die Kleider und die Perlenkette. Das bringt ungefähr 60000 Mark. Wir könnten das Geld ja auch gut brauchen, aber ich schicke es lieber der Elsbeth. Ist es dir recht?«

Ohne Besinnen nickte der Hauptmann: »Ich sehe dich lieber ohne jedes Bassenriedsche Erbe.« —

Liese führte ihren Vorsatz aus. Zwei Wochen später stand Elsbeth vor ihr. Sie sah verwildert aus. Liese führte sie in das einzige möblierte Zimmer der großen Wohnung, das ihr noch geblieben war.

»Was machen Sie denn in Berlin? Warum sind Sie nicht in Lausanne geblieben?«

Elsbeth saß ihr gegenüber. Ihre großen Züge zuckten, in den hysterischen Augen war ein flackernder Glanz: »Weil ich Ihren Brief bekommen habe. Ich bin nach Berlin gekommen, um Ihnen zu sagen, daß ich die Annahme des Geldes verweigere.«

»Machen Sie jetzt keinen Blödsinn! Wir wollen beide vernünftig sein! Was ich Ihnen geschickt habe, stammt von Ihrem Vater!«

»Nein, es stammt von Ihnen!«

»Elsbeth, reden Sie nicht weiter. Ich habe keine Lust mehr, mich von Ihnen ärgern zu lassen. Von euch Bassenrieds hab' ich genug. Aber Sie waren mir immer sympathisch, trotz Ihres unerhörten Benehmens. Darum wollte ich nicht, daß Sie plötzlich ohne Pfennig dastehen. Sind denn die elenden Perlen und die blödsinnigen Kleider nicht noch was nutze, wenn Sie sich damit 'ne Existenz gründen können? Ich brauche sie nicht mehr, ich bin versorgt. Sie aber sollen endlich eine Sicherheit haben.«

Elsbeth schwieg eine Weile und schüttelte langsam den strohblonden Kopf. Dann flüsterte sie: »Von Ihnen nehme ich nichts. Außerdem sollen Sie sehen, daß ein Mädchen, wie ich, was gelernt hat. Ich werde mich durchsetzen, aus eigener Kraft. Ich werde den Namen Bassenried rein waschen. Sie haben ihn nie mit Recht getragen.«

Jetzt sprang Liese auf. »Hol' Sie der Deibel! Ich verzichte auf Ihren Namen und auf alles! Machen Sie, was Sie Lust haben! Jedenfalls, wenn Sie das Geld nicht nehmen — ich nehme es auch nicht! Dann kann's auf der Straße liegen!«

Elsbeth maß Liese mit geringschätzigem Blick: »Nein — ich schütze es vor weiterem Mißbrauch. Ich werde es wohltätigen Stiftungen überweisen.«

»Das hätten Sie ja gleich tun können! Wozu kommen Sie dann noch zu mir?«

Elsbeths Augen irrten umher: »Weil ich — weil ich in der großen Wohnung hier — es muß doch noch ein Andenken an meine Mutter geben ... Ist denn alles fort? Hat man Ihnen nichts als die Sachen in diesem Zimmer gelassen?«

»Nichts ... Ich esse bei der Generalin. Die läßt mich hier noch wohnen, bis ... Aber da fällt mir was ein — der Gerichtsvollzieher hat ja was liegen lassen, ein Bildchen in 'nem echten Goldrahmen — ich war nachher ganz froh, daß ich ihm nicht damit nachgelaufen bin — nicht wegen des Rahmens, sondern weil ich mir dachte, es könnte vielleicht was für Sie sein.«

»Für mich? ... Haben Sie daran gedacht? ... Was ist es denn?«

»Ihr Vater sagte mir mal, es sei Ihre Mutter als Braut. Da sehen Sie.«

Liese holte das Bildchen aus einer Schublade. Elsbeth griff danach, betrachtete es und verstummte. Erstaunt sah Liese, daß jede Härte aus ihren Zügen schwand.

Nach einer langen Pause sagte Elsbeth: »Das war noch da? ... Das hatte ich mir oft gewünscht ... Als Kind schon hatte ich das Bild so gern ... Ich dachte, Vater hätte es längst nicht mehr ...«

»Dann stimmt es also? Es macht Ihnen Freude?«

Bassenrieds Tochter sah ein Lächeln in Lieses gealterten Zügen. —

»Ich danke Ihnen«, stieß sie hervor. Plötzlich fühlte Liese ihre Hand in der großen Männerhand des Mädchens. —

»Aber warum sagten Sie, daß Sie das Geld nicht mehr brauchten? Daß Sie jetzt versorgt seien?«

»Weil ich — weil ich endlich einen Mann gefunden habe, einen Retter in der Not. Ich heirate wieder.«

»Wen?«

»Einen Freund Ihres Vaters, Hauptmann von Rotkraut. Er hat sich famos gegen mich benommen. Kennen Sie ihn?«

Elsbeth nickte langsam: »Den heiraten Sie?«

»Ich will nur noch 'ne Aufgabe haben. Pflegen will ich ihn.«

Da legte das große Mädchen plötzlich den Arm um Liese und küßte sie auf Mund und Augen. Dann lief sie zur Tür: »Verzeihen Sie! Ich tue, was Sie wollen! Ich behalte das Geld, und wenn ich eine Existenz habe, gebe ich es an Stiftungen! Ist es Ihnen so recht? Ich möchte nichts mehr tun, was Ihnen nicht recht ist!« —

Lange noch dachte Liese an diesen sonderbaren Besuch. Dann wurde es allmählich wieder heller um sie her. Der Scheidungsprozeß verlief günstig. Lieses zweiter Heirat stand nichts mehr im Wege. An einem schönen Wintertage konnte sie mit ihrem Invaliden vor den Standesbeamten treten. Mit einem bescheidenen Frühstück, an dem nur die beiden Zeugen, einstige Kameraden des Hauptmanns, teilnahmen, endete die Feier.

Liese verließ nun die treue Exzellenz. Sie siedelte zu ihrem Mann in die Auguststraße über. Da war es eng und häßlich, man sah aus jedem Fenster auf eine rote Brandmauer, aber Liese war so hoch gestimmt, daß ihr alles schön erschien. An dem Morgen, da sie die Anzeigen ihrer Vermählung absenden wollten, kam ein feiner Brief mit breitem Trauerrande zu ihr, ihr Herz zuckte, denn sie erkannte die Handschrift. Innen fand sie eine gedruckte Anzeige:

›Am 20. Februar verschied in Dresden nach langen, mit edler Geduld ertragenen Leiden meine teure Frau Helene, geborene Kroner. Ich werde dieses Vorbild weiblicher Tugenden niemals vergessen. Allen Freunden zur Kenntnis und mit der Bitte, von Beileidsbezeugungen absehen zu wollen.

Viktor Schwarz, Rechtsanwalt und Notar.‹


Der Hauptmann bekam diesen Brief nicht zu sehen. Liese zerpflückte ihn und flüsterte mit bitterem Munde: »Nun ist er also wieder frei ... Man sollte ihm eigentlich gratulieren.« —

Hermann von Rotkraut war ein Grübler. Immer witterte er Gefahr und suchte ihr zu begegnen. Immer ging er mit sich selbst zu Rat. So ließ er sich von den Tagen des ersten Glückes nicht den Blick trüben. Er spürte, daß seine Berliner Junggesellenwirtschaft für eine junge Frau nichts war. Die Wohnung war häßlich, und Simbas afrikanische Gewohnheiten widersprachen Lieses märkischer Sauberkeit. Noch war keine Klage laut geworden, doch der zartfühlende Mann wollte Lieses Verstimmung zuvorkommen. Eines Mittags sagte er: »Kind, wir verlassen Berlin.«

Liese wurde rot vor Freude: »Es ist merkwürdig, wie du immer vorausweißt, was ich denke!« Sie streichelte ihn. »Die Wohnung ist mir ja lieb, weil wir unsere erste Zeit hier hatten, aber auf die Dauer ... Wir brauchen Licht und Luft, Hermann. Für uns ist es besser, draußen irgendwo auf dem Lande, wenn's auch ganz bescheiden ist. Dann kommen wir mit unsern paar Kröten aus.«

»Schade, daß wir nicht in deine Heimat ziehen können. Strelenwalde stelle ich mir reizend vor.«

»Ja, es ist jammerschade. Aber du weißt ja, woran es liegt.«

Liese senkte den Kopf. Der Hauptmann schwieg bestürzt. Aber er ahnte nicht, was in ihr vorging. Sie hatte ihm das Zerwürfnis mit dem Vater geschildert, wie seine schlichte Soldatennatur es verstehen konnte. Eine rückhaltlose Beichte war ihr bei ihm noch weniger als bei dem Baron möglich. Angstvoll wachte sie darüber, daß dieser redliche Geist seine schöne Meinung von ihr behielt. Er glaubte, daß ihr künstlerischer Freiheitsdrang die Härte des Vaters verschuldet hatte. Ihm erschien es möglich, daß ein Konditor in Strelenwalde seine Tochter verstieß, weil sie in Berlin Sängerin werden wollte. Auch ihm lag solcher Frauenweg fern, aber daß ein Mensch für seine Überzeugung kämpfte, mußte er in jedem Fall respektieren. —

Sie kamen auf das Thema der Übersiedlung nicht mehr zurück, aber es beschäftigte beide. Verträumt blickte sie auf ein mögliches Idyll. Da kam wieder ein Brief in die Auguststraße, wieder mit einem Trauerrand, diesmal aber schmal und bescheiden, und die Handschrift gab Liese eine ganz andere Spannung. Der Hauptmann saß heute dabei. Er sah, wie sie den Brief sinken ließ und ihr Taschentuch an die Augen führte.

»Was ist dir?« fragte er erschrocken. »Ein Verlust?«

Sie überwand sich zur Antwort: »Ja ... Mein armer Vater.« Dann reichte sie ihm den Brief. Er las:

›Strelenwalde, den 5. März.

Liebe Liese!

Heute ist es ein trauriger Anlaß, daß ich nach langer Zeit die Feder ergreife, um Dir zu schreiben. Ich fürchte ja fast, daß das Leben uns entfremden konnte, denn Du gabst mir keine Nachricht mehr, und nun ersah ich aus der Anzeige Deiner zweiten Vermählung, daß Du inzwischen Schweres erlebt haben mußt. Nun, ich kannte Deinen ersten Gatten nicht, und auch Dein zweiter Gatte ist mir fremd — ich kann Dir nur immer das Beste wünschen. Es heute in die Form von Glückwünschen zu kleiden, vereitelt aber das herbe Geschick. Ich muß Dich zugleich von dem Ableben Deines lieben Vaters unterrichten. Er starb am 20. Februar, kurz vor seinem siebzigsten Geburtstage. Sein Ende war sanft, Gott sei Dank. Adele Schörg buk eben Pfannkuchen, und vom Bett aus rief Dein Vater ihr noch zu: Nimm mehr Butter, sie sind für den Pastor! — Dann brach er ab und verstummte. Adele überhörte, weil das Fett so prasselte, seine letzten Seufzer. Ich kam nach einer halben Stunde und ordnete alles. Mit Adele hatte ich leider sofort einen Zusammenstoß. Sie wollte durchaus das Testament sehen, das ich im Geldschrank Deines Vaters vorfand. Sie wurde so frech, daß ich sie am liebsten geohrfeigt hätte, wenn es mir nicht unmöglich wäre, einen Menschen zu züchtigen. Aber sie betritt das Haus Deines Vaters nicht mehr. Ich fürchte überhaupt, sie hat dort eine schlimme Rolle gespielt.

Doch nun zu dem, was Dich angeht, liebe Liese. Du bist nun eine Waise. Aber Deine alte Tante bleibt Dir immer nahe. Du wirst mich in Strelenwalde brauchen können, denn Du bist nun doch die alleinige Erbin Deines Vaters geworden. Zu meiner Überraschung enthält das Testament nur die Bestimmung, daß Haus und Geschäft und der geringe Barbesitz auf Dich übergehen sollen. Ob diese Verfügung noch eine Sinnesänderung Deines Vaters bedeutet, vermag ich nicht zu sagen. Um Deine erste Heirat hat er sich nicht gekümmert, die zweite teilte ich ihm noch mit, indem ich ihm Deine Anzeige schickte. Ich weiß über die Wirkung nur, was Adele Schörg mir sagte. Dein Vater soll in seiner Sterbensmattigkeit noch gelächelt haben: ›Ein Hauptmann von den Afrikanern — na, das ist wenigstens was.‹ Er hat dann, wie ich feststellen konnte, bald darauf Herrn Justizrat Burwig, unsern Notar, zu sich gebeten. Das vorgefundene Testament ist erst in den letzten Tagen niedergeschrieben worden. Vorher war keines vorhanden.

Deinetwegen bin ich tief beruhigt. Ich kenne ja die Verhältnisse Deines zweiten Gatten nicht, aber ein ererbtes Vaterhaus ist immer ein Rückhalt. Du bist auch die Frau, die es erhalten kann. Dein Vater starb ohne Vermögen, aber auch ohne wesentliche Schulden, denn er lebte wie ein Einsiedler. Immerhin ist die Prutzsche Konditorei trotz aller Vernachlässigung ein gutes, solides Geschäft und kann von jungen Kräften wieder hochgebracht werden. Freilich, Dein Gatte ist Hauptmann. Du mußt nun sehen, wie Du das väterliche Erbe verwalten kannst. Jedenfalls bitte ich Dich, Deine begreifliche Scheu möglichst bald zu überwinden und wieder nach Strelenwalde zu kommen, um Dich persönlich über die Erbschaft zu erklären. Herr Justizrat Burwig erwartet Dich. Was nun noch zu tun ist, geht über meine Kräfte. Ich bin älter als Dein Vater, liebe Liese. Aber hoffentlich unterstützt Dich Dein Gatte. Ein tatkräftiger Mann ist unschätzbar in solchem Fall. Empfiehl mich ihm unbekannterweise.

In treuer Zuneigung Deine

Tante O. Sanftleben‹


Der Hauptmann sah lange stumm auf diesen Brief. Liese beobachtete ihm mit tränenden Augen. Dann richtete sich der Blick des alten Soldaten mit einem merkwürdigen Respekt auf sie.

»Was sollen wir tun?« fragte Liese.

»Du hast zu bestimmen«, erwiderte er feierlich.

»Nach Strelenwalde könnten wir ja nun.«

»Ja, Gott sei Dank. Es ist eine schöne Fügung.«

»Das Haus wird dir gefallen. Und der Garten — — lieber Gott, ich werde schon vor Sehnsucht krank. Es ist wahrhaftig genau das, was ich für uns gewünscht habe.«

»Aber die Konditorei?«

»Ja, was fangen wir mit der an?«

Der Hauptmann strich sich den Bart: »Bist du nicht lange dort tätig gewesen? Erzähltest du mir nicht —«?

»Gewiß. Ich könnte das Geschäft ganz alleine machen.«

»So tu es doch, Elisabeth.«

»Als deine Frau?«

»Du bleibst für mich, was du warst. Außerdem handelt es sich um das Lebenswerk deines Vaters. Ich ehre jede verdienstliche Tätigkeit. Du darfst nicht nur meine Pflegerin bleiben. Dazu bist du zu stark und jung. Einen Gehilfen mußt du dir natürlich nehmen, denn zum Kuchenbacken tauge ich nicht. Aber sonst: ich denke es mir prachtvoll. Friede und doch Nützlichkeit.«

Liese sah vor sich hin. Dann kam ein eigentümlicher Ausdruck in ihre Züge — ein Zucken und Leuchten —, es konnte Lachen, aber auch Weinen sein.

»Was ist dir denn?« fragte der Hauptmann erstaunt.

»Ach, ich muß nur dran denken — an die Gesichter in Strelenwalde! Wenn ich auf einmal als ›Frau Hauptmann‹ komme — und in Vaters Haus sitze und die Konditorei habe — und wenn jemand in den Laden kommt, steht ein baumlanger Neger da! Simba wird sich übrigens als Bedienung ausgezeichnet machen!«

Der Hauptmann blickte auf Tante Sanftlebens Brief und schüttelte langsam den Kopf: »Elisabeth ...«

Sie zuckte zusammen. »Ach, so! Mein Vater! Ja, das liegt daran, weil ich so lange fort bin! Ich habe draußen zuviel ausgehalten! Ja, mein guter, armer Vater!«

Weinend brach sie bei ihm nieder, und er streichelte ihren schönen, zuckenden Leib.