The Project Gutenberg eBook of Galgenlieder nebst dem 'Gingganz'
Title: Galgenlieder nebst dem 'Gingganz'
Author: Christian Morgenstern
Illustrator: Karl Walser
Release date: August 26, 2010 [eBook #33541]
Language: German
Credits: Produced by Jana Srna and Norbert H. Langkau
Anmerkungen zur Transkription:
Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Änderungen sind im Text gekennzeichnet, der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.
Im Gedicht Das große Lalulā wurde m mit Makron durch ṁ ersetzt.
Das Inhaltsverzeichnis befindet sich am Ende des Textes.
CHRISTIAN MORGENSTERN
GALGENLIEDER
NEBST DEM ›GINGGANZ‹
ZWEIUNDZWANZIGSTE AUFLAGE
VERLAG VON BRUNO CASSIRER
BERLIN 1917
DECKELZEICHNUNG
VON KARL WALSER
Dem Kinde im Manne.
›Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen.‹ Nietzsche.
Alle Rechte vorbehalten.
Versuch einer Einleitung.
Wir leben in einer bewegten Zeit. Ein Tag folgt dem andern, und neues Leben sproßt aus den Ruinen. Auf moralischem, medizinischem, poetischem, patriotischem Gebiete, in Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft, allüberall dieselbe Erscheinung, dieselbe Tendenz. Symptom reiht sich an Symptom. Und solch ein Symptom war auch die Idee, welche eines schönen Tages des hinverflossenen Jahrhundertendes acht junge Männer, festentschlossen, dem feindlichen Moment, wo immer, im Sinne der Zeit und auch wieder nicht im Sinne der Zeit – diese Zeit, wie jede, als eine Zeit nicht nur der Bewegung schlechthin, sondern einer sowohl ab- wie aufsteigenden Bewegung, mit zeitweilig dem Ideale unentwegten Fortschritts nur zu abgekehrter Vorwiegung des ersteren Moments in ihr gesehen – die Singspielhalle, sozusagen, ihres Humors entgegenzustellen, zusammenschmiedete.
Ein sonderbarer Kult vereinte sie. Zuvörderst wird das Licht verdreht, ein schwarzes Tuch dann aus dem Korb und übern Tisch gezogen, mit Schauderzeichen reich phosphoresziert, und bleich ein einzig Wachs inmitten der Idee des Galgenbergs entnommner freudig-schrecklicher Symbole. Dazu heißt der Erste Schuhu: der hängt zuhöchst und gibt den Klang zum Hauch des Rabenaas, der das Mysterium verwest; der Dritte heißt Verreckerle: der reicht das Henkersmahl; der Vierte Veitstanz, zubenannt der Glöckner: der zieht den Armesünderstrang; der Fünfte Gurgeljochem: der schert den Lebensfaden durch; der Sechste Spinna, das Gespenst: der schlägt zwölf; der Siebente Stummer Hannes, zubenannt der Büchner; der singt Fisches Nachtgesang, und der Achte Faherügghh, mit dem Beinamen der Unselm: der kann das Simmaleins und spricht das große Lalulā. Und es wird das Knochenklavier geschaffen und der Gelächtertrab und die Elementarsymphonie und der Huckepackdalbert und der Eulenviertanz und der Galgenschlenkerer und Sophie die Henkersmaid als Symbild von der Weisheit unverweslichem Begriff.
Ein modulationsfähiger Keim.
Und in der Tat, wenn irgendwo, wenn irgendwann, mußte gerade damals und gerade bei denjenigen Kräften der Volksseele, in denen das Herz der vom Geist der neuen Zeit am wunderlichsten beeindruckten Unvoreingenommenheit des Natürlichen am zukunftswetterschwangervollsten pochte, ein besonders abwelthafter Rückschlag wider das Gesetz in der Vernunft von Seiten mehr excös gerichteter Seelen erfolgen und damit ein Beweisschatten mehr geworfen werden, daß keine Zeit, so dunkel sie auch sich und in sich selber sei, indem sie »ihr Herze offenbart«, mit all den Widersprüchen, Knäueln, Gräueln, Grund- und Kraftsuppen ihres Wesens, als Schwan zuletzt mit Rosenfingern über den Horizont ihres eigenen Chaos – und sei es auch nur als ein Wesenstel ihrer selbst und sei es auch nur mit der lächelndsten Thräne im Wappen – emporzusteigen sich zu entbrechen den Mut, was sage ich, die Verruchtheit hat.
Es darf daher getrost, was auch von allen, deren Sinne, weil sie unter Sternen, die, wie der Dichter sagt: »versengen, statt leuchten«, geboren sind, vertrocknet sind, behauptet wird, enthauptet werden, daß hier einem sozumaßen und im Sinne der Zeit, dieselbe im Negativen als Hydra gesehen, hydratherapeutischen Moment ersten Ranges – immer angesichts dessen, daß, wie oben, keine mit Rosenfingern den springenden Punkt ihrer schlechthin unvoreingenommenen Hoffnung auf eine, sagen wir, schwansinnige oder wesentielle Erweiterung des natürlichen Stoffgebietes zusamt mit der Freiheit des Individuums vor dem Gesetz ihrer Volksseele zu verraten sich zu entbrechen den Mut, was sage ich, die Verruchtheit haben wird, einem Moment, wie ihm in Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft allüberall dieselbe Erscheinung, dieselbe Frequenz den Arm bieten, und welches bei allem, ja vielleicht gerade trotz allem, als ein mehr oder minder modulationsfähiger Ausdruck einer ganz bestimmten und im weitesten Verfolge excösen Weltauffasseraumwortkindundkunstanschauung kaum mehr zu unterschlagen versucht werden zu wollen vermag – gegenübergestanden und beigewohnt werden zu dürfen gelten lassen zu müssen sein möchte.
Hochachtungsvoll!
Jeremias Müller.
was sie auch zusammenknobeln!
Laß das Tüfteln, laß das Hobeln,
heilig halte die Ekstasen.
wir hängen hier am roten Zwirn!
Die Unke unkt, die Spinne spinnt,
und schiefe Scheitel kämmt der Wind.
Du bist verflucht! so sagt die Eule.
Der Sterne Licht am Mond zerbricht.
Doch dich zerbrach's noch immer nicht.
Hört ihr den Ruf der Silbergäule?
Es schreit der Kauz: pardauz! pardauz!
da taut's, da graut's, da braut's, da blaut's!
komm, küsse mir den Schädel!
Zwar ist mein Mund
ein schwarzer Schlund –
doch du bist gut und edel!
komm, streichle mir den Schädel!
Zwar ist mein Haupt
des Haars beraubt –
doch du bist gut und edel!
komm, schau mir in den Schädel!
Die Augen zwar,
sie fraß der Aar –
doch du bist gut und edel!
Keift ein Wurm?
Heulen
Eulen
hoch vom Turm?
dickes
Ende, welches ächzte,
gleich als ob
im Galopp
eine müdgehetzte Mähre
nach dem nächsten Brunnen lechzte
(der vielleicht noch ferne wäre).
hab acht!
hab acht!
Sie falten die kleinen Zehlein,
die Rehlein.
Seiokrontro – prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulaleṁi:
quasti basti bo ...
Lalu lalu lalu lalu la!
zasku zes rü rü?
Entepente, leiolente
klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lalu la!
silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu
Siri Suri Sei []!
Lalu lalu lalu lalu la!
Da schlägt es Mitternacht im Land.
Ganz leise heult der Schluchtenhund.
Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.
Desgleichen die Kartoffelmaus.
auf einem windgebrochnen Ast.
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.
Im fernen Dorfe schreit ein Kind.
ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:
sich nicht verlief in Teich und Sumpf.
Das End ist da! Das End ist da!‹
Und wieder schläft das ganze Land.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.
und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.
›Ich bin des Weltalls dunkler Raum.‹
Das Mondschaf.
Sein Leib ist weiß, die Sonn' ist rot.
Das Mondschaf.
Cultrumque magn' expectitat.
Lunovis.
In montes, unde cucurrit.
Lunovis.
Se culmen rer' ess' omnium.
Lunovis.
Sol ruber atque ips' albumst.
Lunovis.
will will hu hu
dem niemand half
still still du du
half sich allein
am Rabenstein
will will still still
hu hu
will will hu hu
nimmt's nicht genau
still still du du
sie sagt nimm nimm
's ist nicht so schlimm
will will still still
hu hu
will will hu hu
vergangen war
still still du du
da lag im Rot
der Rabe tot
will will still still
du du
o selige Epoche!
Ein Hälmlein will zum Lichte nahn
aus einem Astwurmloche.
Und schaukelt bald drin her.
Mir ist beinah, ich wäre wer,
der ich doch nicht mehr bin ..
Flattertata, flattertata.
Flattertata, flattertata.
Windurudei, windurudei.
Windurudei, windurudei.
Hemmed.
und sprach: Ich heiße unbequem.
Als hieß' ich etwa Drei-Vier
statt Sieben – Gott verzeih mir!
von jenem Tag ab Dreiundzwanzig.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
u. s.
w.
trafen sich im Schatten einer Säule,
die im Geiste ihres Schöpfers stand.
Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze
reichten sich die zwei zum Tanze
Fuß und Hand.
hüpfte das Vierviertelschwein graziös,
und die Auftakteul' auf ihrem einen
wiegte rhythmisch ihr Gekrös.
Und der Schatten fiel,
und der Pflanze Spiel
klang verwirrend melodiös.
und die Säule schwand, wie sie gekommen war;
und so mußte denn auch unser Paar
wieder in sein Nichts zurücke reisen.
Einen letzten Strich
tat der Geigerich –
und dann war nichts weiter zu beweisen.
Es ist ein Knie, sonst nichts!
Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
Es ist ein Knie, sonst nichts.
erschossen um und um.
Das Knie allein blieb unverletzt –
als wär's ein Heiligtum.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Es ist kein Baum, es ist kein Zelt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm –
und er sank – und ward nimmer gesehen.
als hätt' er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel.
die ihm vorausgeflogen;
d. h. die Sache ist sehr schlimm,
sie hat ihn nämlich betrogen.
erwartet dich voll Schmerzen.
Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
dein BAM liebt dich von Herzen!‹
hat sich dem BUM ergeben;
der ist zwar auch ein guter Christ,
allein das ist es eben.
wohl über Wald und Lichtung.
Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
er fliegt in falscher Richtung.
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.
weshalb?
verriet es mir
im Stillen:
te Tier
tat's um des Reimes willen.
und wackel im Winde, im Winde.
und ich wackel im Winde, im Winde.
Und es nackelt und rackelt die Linde.
Wer weiß, was sonst wohl noch wackeln mag
im Winde, im Winde, im Winde.‹
ein Wurm gar seltner Art;
der hat mir mit Getuschel
sein Herze offenbart.
hei, wie das flog und schlug!
Ihr denket wohl, ich scherze?
Ach, denket nicht so klug.
ein Wurm gar seltner Art;
der hat mir mit Getuschel
sein Herze offenbart.
barbarisches Gefunkel –
im Gäßchen hoch im Norden wohnt's,
das Weiblein mit der Kunkel.
Es spinnt und spintisieret ...
Es trägt ein weißes Kamisol,
das seinen Körper zieret.
barbarisches Gefunkel –
im Gäßchen hoch im Norden wohnt's,
Das Weiblein mit der Kunkel.
noch Stern das Himmelshaus bewohnt,
läuft zwölfmal durch das Himmelshaus
die Mitternachtsmaus.
im Traume brüllt der Höllengaul ...
Doch ruhig läuft ihr Pensum aus
die Mitternachtsmaus.
ist nämlich solche Nacht verreist.
Wohl ihm! Es hütet ihm sein Haus
die Mitternachtsmaus.
dieweil sein Fell von Regen rinnt.
das hinflieht mit gebognem Leib.
querüberfeld ein Forstadjunkt.
die das Kalb selbst nicht gewohnt.
liegen heulend auf den Knien.
auf der schwefligen Hyäne.
Schweigen, das sie überschweigt.
die das Kalb selbst nicht gewohnt.
liegen heulend auf den Knien ...
von Knickebühl gen Entenbrecht.
begehrt der Stiefel: Zieh mich aus!
doch sagt mir, lieber Herre, –: wem?
Fürwahr, beim heiligen Nepomuk,
Du weißt, daß ich ein andrer bin,
Der Knecht wirft beide Arm' empor,
Und weiter zieht das Paar fürbaß.
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
stand eines Abends plötzlich da –
und baute draus ein großes Haus.
mit Latten ohne was herum,
Drum zog ihn der Senat auch ein.
nach Afri – od – Ameriko.
die eine dick, die andre schlank.
Sie möchten gerne heiraten.
Doch wer soll ihnen beiraten?
sie auf zum blauen Firmament ..
Doch niemand kommt herabgerennt
und kopuliert die beiden.
in einem Lacktablett –
allein er säh' sich dennoch nich',
selbst wenn er Augen hätt'!
zu seinem Spiegelbild!
Wenn man ihn freilich seitwärts neigt,
zerfällt, was oben gilt.
im, sagen wir, – im All!
Und senkrecht! – wärest du dann nicht
ganz in demselben Fall?
mir selbst nicht völlig zum Gewinn!
und sei es auch Ein Auge bloß
sieht immerdar, statt in die Weite,
der Erde ewig dunklen Schoß.
vernommen, ward ihr schlimm zu Mute.
weil dein Gesäß mich just bedeckt!
Ich bin so licht wie ein Karfunkel,
sobald du dich hinweggefleckt.
hat sich nicht weiter drauf verteidigt.
und hass' euch wie die Schande!
Dient nur dem Celsio für und für,
Ihr Apostatenbande!‹
hat still sein Mus gegessen.
– ›Ach Gott, sie war doch schön, die Zeit,
die man nach mir gemessen!‹
an einer Kirche dämmrigem Altar.
Versteht mich recht: Noch dient sie Gott aufs beste.
Doch wie in Adam schon Herr Hæckel war,
(zum Beispiel bloß), so steckt in diesem Reste
Brokat voll Silberblümlein wunderbar
schon heut der krause Übergang verborgen
vom Geist von gestern auf den Wanst von morgen.
wäre besser ohne sie daran;
darum seh' er, wie er ohne diese
(meistens mindstens) leben kann.
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und die Hummel ruft zum Sturm.
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.
gab er ihm folgenden Beruf:
sich deutschen Lesern zu bequemen,
daß keiner groß zu denken hätt'.
ein völlig deutscher Gegenstand.
und erklärten, sie seien keine Westküsten,
weder Ostküsten noch Westküsten –
›daß sie nicht wüßten!‹
und für immer das Joch des Namens abschütteln,
womit eine Horde von Menschenbütteln
sich angemaßt habe, sie zu begaben.
aus diesen widerwärtigen Ketten?
Ihr Westküsten, fing eine an zu spotten,
gedenkt ihr den Menschen etwan auszurotten?
Wenn ich seine Magd nicht mehr heißen will? –
Dann blieben aber immer noch die Atlanten –
meinte eine von den asiatischen Tanten.
tat man eine Resolution aufstellen.
Fünfhundert Tintenfische wurden aufgetrieben,
und mit ihnen wurde folgendes geschrieben:
daß es uns nicht gibt, und zeichnen hochachtungsvoll:
Die vereinigten Westküsten der Erde. –
Und nun wollte man, daß dies verbreitet werde.
sie riefen die Möwen, doch die Möwen lachten;
sie riefen die Wolke, doch die Wolke vernahm nicht;
sie riefen ich weiß nicht was, doch ich weiß nicht was kam nicht.
Wärst du etwa kein Walfisch, du grober Tor?
Sehr richtig, sagte der Walfisch mit vollkommener Ruh:
Dein Denken, liebe Küste, dein Denken macht mich erst dazu.
ganz seltsam erschien ihnen plötzlich ihr Gewiegel.
Still schwammen sie heim, eine jede nach ihrem Land.
Und die Resolution, die blieb unversandt.
tranken Sekt.
Sie stießen aufs Futurum an
(was man wohl gelten lassen kann).
blinzten nur.
›Pfiffe zu mieten gesucht!
Hundertweis, zu jedem Preis!
Victor Emanuel Wasmann!‹
von einem alten Kohlenschiff.
Um acht Uhr waren's tausend schon.
Um neun Uhr eine halbe Million.
die Türe zu: Nun ist's genug!
Hört zu, ihr Pfiffe!
Ich habe einen Feind (hört! hört!),
der mir des nachts die Ruhe stört, –
auf den sollt ihr marschieren!
die schickt er nachts mir an mein Bett,
da hocken sie auf der Decke,
mit Flügeln weiß und Flügeln rot,
und krähn und flattern mich zu Tod. –
Doch alles hat sein Ende.
empfingen ihren Sold sodann.
(Ein Schusterjungenpfiff sogar
bot Wasmann sich als Bravo dar.)
Doch lange stand er brütend noch,
schrieb Zeichen, hob die Hand und schwur,
ein schwarzer Meister der Natur ...
ein Herr Axel Ring
kurzerhand
außer Land. –
und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.
er gehört zu jenen Käuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schönen packt.
was er eben erst entbreitet.
Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
weil er ungeschneuzt entschreitet.
Ich hab heut nacht ein Kind gestillt –
und einem Horn am Hinterschopf!
und ging zu essen, und dann –
halt's Maul!‹ so spricht die Frau, ›und geh
an deinen Dienst, Zä-zi-li-ē!‹
einher das Nasobēm,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobēm.
als größter Säuger der Gig-ant.
es nicht mehr gibt, – so groß war sie!
Zeit gab's genug – und Zahlen auch.
der Zwölef-ant das Reich empfing.
Sein Bein wird im Museum gelb.
den Elef-anten uns dafur.
der Mensch, voll Gier nach seinem Zahn,
hilf, daß der Mensch nicht ruiniere
die stets noch weiter führt und weiter!
läßt du ihn wachsen und gedeihn, –
als Nulel-ant wird stumm verschwinden.
(hystrix grotei Gray),
das hinterindische Stachelschwein
aus Siam, das tut weh.
bei Siam seine Spur,
dann tritt es manchmal, sagt man, aus
den Schranken der Natur.
daß, eh' du dich versiehst,
es seine Stacheln jung und alt
auf deinen Leib verschießt.
stehst du gespickt am Baum,
ein heiliger Sebastian,
und traust den Augen kaum.
erstand ich mir ein Nadelbuch.
doch äußerst kühnes Dromedar.
zween Säcke Gold in jeder Hand.
und klopfte an die Himmelstür.
daß ein Kamel weit eher geht
durch diese Türe groß und breit!‹
ermunterte das Tier sofort,
obzwar sich quetschend wie ein Lurch!
und sagte nichts als: Wehe mir!
sind so weit jetzt, daß sie Gemsen
sich als Sklaven halten (aus
Gründen ihres Körperbaus).
so bedienen sie sich einer
Gemse oder zweier Gemsen
zu Gebirgspartien, die Emsen.
abgesucht bis auf den Rest,
gehn sie endlich, zog der Weih
schon den Ameisbären bei,
und besteigen ihren Bock,
der sie, wie ein Stein, der springt,
heim zu ihrem Hügel bringt.
Die Köchin rupft die Hühner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? –
Ein Gaul steht vor der Türe.
Die Köchin kommt: Was gibt's denn?
Das Fräulein kommt im Morgenschuh.
Es kommt die ganze Familie.
›der Gaul vom Tischler Bartels.
Ich brachte Ihnen dazumaul
die Tür- und Fensterrahmen!‹
sie stehn, als ob sie träumten.
Das kleinste Kind tut einen Hops,
die andern stehn wie Bäume.
schnalzt blos mal mit der Zunge,
dann kehrt er still sich ab und geht
die Treppe wieder hinunter.
ob er nicht sprechen möchte.
Das war, spricht der Professor Stein,
ein unerhörtes Erlebnis!..
des abends noch wie Kohle war,
betrübte sich so höllenheiß,
weil seine Dame Flügel spielte,
trotzdem er heulte; daß (o Preis
dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
er beim Gekräh der Morgenhähne
aufstand als wie ein hoher Greis –
mit einer silberweißen Mähne.
geht ein Huhn
hin und her ...
Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh'r?
Wird dem Huhn
man nichts tun?
Hoffen wir es! Sagen wir es laut:
daß ihm unsre Sympathie gehört,
selbst an dieser Stätte, wo es – ›stört‹!
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
ich laß sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
und blies auf einem Stachel sein.
Schalmeiala, schalmeialü!
Da kam sein Feinslieb Agel
und tat ihm schnigel schnagel
zu seinen Melodein.
schnaguleia lü!
›Wie siehst Du aus so furchtbar fremd!?‹
Schalmeiala, schalmeialü –.
Feins Agel ging zum Nachbar, ach!
Den Igel aber hat der Bach
zum Weiher fortgeschwemmt.
waguleia wü
tü tü ..
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:
›des Weswolfs, Genitiv sodann,
›dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
›den Wenwolf, – damit hat's ein End'.‹
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!
gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch ›Wer‹ gäb's nur im Singular.
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.
es weint die Windhorn-Gans,
es bläst der schwarze Senne
zum Tanz.
nach seiner Uhuin.
Ein kleiner Sechs-Elf hurtelt
von Busch zu Busch dahin ..
und Raben rufen kolk,
und aus den Teichen sehen
die Fingur und ihr Volk ...
und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein ..
Der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.
der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein.
›Man führe ihn hinweg von diesem Stein!‹
Sein Hirn war ganz verstört und weich wie Wachs.
Ka-em-zwei-ein, Ka-em-Ka-em-zwei-ein ..
die Waldgeiß staunend vor ihr steht.
wie ein Magister hochgelahrt.
sie hört nur, daß es lieblich klingt.
Die Geiß geht sinnend durch den Wald.
und sagte: ›Du nur siehst mich
und weißt, was für ein Baum ich bin:
Ich schieße nicht, man schießt mich.
auch bin ich nicht verwurzelt.
Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
sobald ich hingepurzelt.‹
du bist doch klug und siehst uns; –
nun, auch für uns besteht der Satz:
wir schießen nicht, es schießt uns.
und Früchte nun erst recht nicht.
Geh heim in deinen Purzelwald,
und lästre dein Geschlecht nicht.
unterhalten sich im Wald.
das wird hier unten ausgetauscht.
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.
Das ist genug für einen Tag.
| Seite | |
|---|---|
| Bundeslied | 3 |
| Sophie | 4 |
| Nein! | 5 |
| Gebet | 6 |
| Lalulā | 7 |
| Zwölf-Elf | 8 |
| Mondschaf | 10 |
| Lunovis | 11 |
| Ralf | 12 |
| Fisches Nachtgesang | 13 |
| Frühlingslied | 14 |
| Hemmed | 15 |
| Problem | 16 |
| Trichter | 18 |
| Tanz | 19 |
| Knie | 20 |
| Seufzer | 21 |
| Bim, Bam, Bum | 22 |
| Wiesel | 24 |
| Schaukelstuhl | 25 |
| Wurm | 26 |
| Kunkel | 27 |
| Mitternachtsmaus | 28 |
| Himmel und Erde | 29 |
| Mondendinge | 30 |
| Gingganz | 32 |
| Lattenzaun | 33 |
| Flaschen | 34 |
| Blonder Korke | 35 |
| Würfel | 36 |
| Kronprätendenten | 37 |
| Weste | 38 |
| Philanthropisch | 40 |
| Mond | 41 |
| Westküsten | 42 |
| Unter Zeiten | 45 |
| Schwarzkünstler | 46 |
| Palmström | 48 |
| Traum der Magd | 49 |
| Nasobēm | 51 |
| Anto-logie | 52 |
| Hystrix | 54 |
| Probe | 56 |
| Ameisen | 58 |
| Gaul | 60 |
| Pudel | 62 |
| Huhn | 63 |
| Möwen | 64 |
| Igel und Agel | 65 |
| Werwolf | 66 |
| Fingur | 68 |
| Km 21 | 69 |
| Waldgeiß | 70 |
| Purzelbaum | 71 |
| Wurzeln | 72 |
Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig.