WeRead Powered by ReaderPub
Gedichte cover

Gedichte

Chapter 18: KRANKENHAUS
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A sequence of introspective lyric poems examines inner confinement and spiritual malaise through recurring motifs of glass, greenhouse, moonlight, lilies, and stifling warmth. Vivid imagery evokes paralytic longing, fevered temptation, fragile prayer, and scenes of illness and nocturnal vision, while alternating between devotional supplication and surreal natural metaphor. The poems map a psyche oscillating between melancholic stasis and faint luminous yearning, favoring atmospheric symbolism and concentrated sensory language over plot to explore remorse, desire, and the fragile boundary between dreaming and waking.

Krankenhaus am Ufer des Kanals!
Krankenhaus im Juli!
Und dennoch macht man Feuer an im Saal,
Und grosse Dampfer pfeifen schrill auf dem Kanal!
(O tretet nicht ans Fenster!)
Auswandrer gehn durch einen Prunkpalast!
Ich sehe eine Yacht im Sturm!
Ich seh auf allen Schiffen Herden!
(Tut lieber nicht die Fenster auf,
So ist man fast geschützt vor allem Draussen!)
Man meint, ein Treibhaus liegt im Schnee,
Man meint, dass eine Wöchnerin
Den ersten Kirchgang tut bei stürmischem Wetter.
Man sieht auf eine wollne Decke Blumen ausgestreut.
Ein Brand brach aus an einem Sonntag
Und einen Wald betret' ich voll Verwundeter!
O, endlich kommt der Mond!
Ein Wasserstrahl steigt mitten auf im Saal!
Ein Schwarm von kleinen Mädchen öffnet die Tür!
Ich seh' auf einer grünen Insel Schafe weiden
Und schöne Blumen blühn auf einem Gletscher!
Lilien in einer Marmorhalle!
Ein Fest, das man im Urwald feiert!
Und eine morgenländische Flora blüht in einer Eisgrotte!
Horch, die Schleusen tun sich auf!
Die grossen Dampfer schlagen Wellen im Kanal!
O die barmherzige Schwester schürt das Feuer!
Das schöne grüne Schilf am Ufer brennt!
Ein Schiff voller Verwundeter kämpft mit der Flut im Mondenschein!
Die Königstöchter alle sind in einem Boot im Sturm!
Und die Prinzessinnen sterben in einem Schierlingsfeld!
O lasst die Fenster zu!
Hoch, horch, noch pfeifen fern die grossen Dampfer!
Im Garten wird jemand vergiftet!
Und bei den Feinden feiert man ein Fest!
Es rennen Hirsche durch eine belagerte Stadt!
Eine Tierbude mitten in Lilien!
Eine Tropenflora im Schoss eines Kohlenschachtes!
Eine Schafherde zieht über eine eiserne Brücke!
Und die Lämmer der Herde betreten traurig den Saal!
Jetzt zündet die Schwester die Lampen an;
Sie bringt den Kranken das Essen.
Sie schliesst die Fenster auf den Kanal
Und alle Türen vor dem Mondenschein.