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Gedichte

Chapter 19: NACHTGEBET
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About This Book

A sequence of introspective lyric poems examines inner confinement and spiritual malaise through recurring motifs of glass, greenhouse, moonlight, lilies, and stifling warmth. Vivid imagery evokes paralytic longing, fevered temptation, fragile prayer, and scenes of illness and nocturnal vision, while alternating between devotional supplication and surreal natural metaphor. The poems map a psyche oscillating between melancholic stasis and faint luminous yearning, favoring atmospheric symbolism and concentrated sensory language over plot to explore remorse, desire, and the fragile boundary between dreaming and waking.

Mein nächtliches Gebet ist müd'
In Sehnsuchtsträumerei'n erschlafft.
Ich fühl's, wie jähe Leidenschaft
Und schlimme Wollust mich durchglüht!
Ich seh' des Mondes helles Flirren
Im nächt'gen Kummer meiner Träume;
Ich sehe über giftige Räume
Die Fleischeslust verloren irren.
Ich fühle, wie nach grünen Fernen
Die Gier in meiner Brust erwacht,
Und in der wolkendunklen Nacht
Lechz' ich verdürstend nach den Sternen.
Ich fühle, wie mein Geist sich füllt
Mit bösen, schwarzen Zärtlichkeiten,
Und über sumpfbedeckten Weiten
Verfinstert sich des Mondes Bild.
Dein Groll, o Herr, macht mich zunichte!
O hab Erbarmen, Herr, und beue
Dem Kranken, Schweissgebadeten aufs neue
Das Grün, das er erblickt im Mondenlicht!
Und all den Schierling, Herr, es eilt, es eilt,
Der ringsum wuchert, heiss' ihn niedermähen!
Durch meiner Hoffnung Dunkel muss ich sehen,
Wie grün der Mond auf Schlangenleibern weilt!
Und all die schlimmen Träume dringen
In meinen Blick mit ihren Sündenqualen;
Ich höre blaue Wasserstrahlen
Empor zum kalten Monde springen!