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Gedichte

Chapter 34: HÄNDEDRÜCKE
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About This Book

A sequence of introspective lyric poems examines inner confinement and spiritual malaise through recurring motifs of glass, greenhouse, moonlight, lilies, and stifling warmth. Vivid imagery evokes paralytic longing, fevered temptation, fragile prayer, and scenes of illness and nocturnal vision, while alternating between devotional supplication and surreal natural metaphor. The poems map a psyche oscillating between melancholic stasis and faint luminous yearning, favoring atmospheric symbolism and concentrated sensory language over plot to explore remorse, desire, and the fragile boundary between dreaming and waking.

O Händedrücke!
Das Dunkel dehnt sich zwischen euren Fingern!
Trompetenschrillen im Wettersturm!
Und Orgelklang im Sonnenschein!
Alle Herden der Seele in lichtloser Nacht!
Und alles Salz des Meeres im Gras der Wiesen!
Und diese blauen Meteore rings am Himmelskreis!
(Habt Mitleid mit des Menschen Kraft!)
Doch diese sind noch trauriger und müder!
O, diese Händedrücke eurer armen, feuchten Hände!
Ich höre eure reinen Finger sich um meine Finger legen,
Und Lämmerherden ziehn im Mondenlicht an eines Flusses lauer Flut von dannen.
Ich weiss noch all die Hände, die ich je berührte.
Ich sehe wieder, was in dem Schutze dieser Hände war.
Und heute seh' ich, was ich selbst im Schutze dieser lauen Hände war.
Ein Bettler war ich oft, der Brot am Fuss von Thronen isst.
Ein Taucher war ich, der aus heisser Flut sich nicht mehr retten kann!
Ich war ein ganzes Volk, das nicht mehr aus dem Mauerkreis entkam.
Und diese Hände, wie ein Kloster ohne Garten!
Und die, die mich umschlossen, wie ein Glashaus
An Regentagen eine Krankenschar umschliesst!
Bis andre kamen, kühlere, das Tor zu öffnen
Und Wasser auf die Schwelle auszugiessen!
O, seltsame Händedrücke bekam ich,
Die mich nun immerdar umgeben!
Almosen waren es am Sommertag,
Und eine Ernte in tiefem Keller.
Und Seiltänzerlieder hallten rings um ein Gefängnis,
Und Wachsfiguren standen sommers in den Wäldern!
Oder der Mondstrahl mähte nieder die Oasen,
Und manchmal traf ich Jungfraun schweissgebadet im Schoss von Eisgrotten!
Habt Mitleid mit den seltsamen Händen!
Sie halten aller Könige Geheimnisse umspannt!
Habt Mitleid mit den allzu bleichen Händen!
Es ist, als kämen sie aus Mondeshöhlen.
Sie sind vernutzt vom Spinnen: der Wasserstrahlen Spindel spannen sie.
Habt Mitleid mit den allzu weissen, feuchten Händen!
Mir ist, als hätten Königstöchter sich am Mittag hingelegt den ganzen Sommer lang.
Haltet euch fern von allzu harten Händen!
Sie scheinen aus dem Felsen ausgemeisselt.
Doch habt Erbarmen mit den kalten Händen!
Ich seh' ein Herze bluten unter eis'gen Rippen!
Und habt Erbarmen mit den bösen Händen!
Die Brunnen haben sie vergiftet
Und junge Schwäne in ein Schierlingsnest getan.
Ich sah die bösen Engel mittags alle Pforten öffnen.
Nur Toren sind auf einem giftigen Fluss.
Nur schwarze Schafe sind auf sternenloser Trift,
Und Lämmer gehn, die Finsternis zu weiden.
Doch diese frischen, treuen Hände!
Sie bieten reife Früchte dar den Sterbenden!
Sie tragen frisches, kaltes Wasser in der hohlen Hand.
Milch giessen sie auf blutige Schlachtfelder!
Sie kommen, traun, aus wunderbaren, ewigen Urwäldern!