WeRead Powered by ReaderPub
Gedichte cover

Gedichte

Chapter 45: IX
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A sequence of introspective lyric poems examines inner confinement and spiritual malaise through recurring motifs of glass, greenhouse, moonlight, lilies, and stifling warmth. Vivid imagery evokes paralytic longing, fevered temptation, fragile prayer, and scenes of illness and nocturnal vision, while alternating between devotional supplication and surreal natural metaphor. The poems map a psyche oscillating between melancholic stasis and faint luminous yearning, favoring atmospheric symbolism and concentrated sensory language over plot to explore remorse, desire, and the fragile boundary between dreaming and waking.

IX

Sie kam zum Schloss gegangen
— Die Sonne erhob sich kaum —
kam zum Schloss gegangen,
Die Ritter blickten mit Bangen
Und es schwiegen die Fraun.
Sie blieb vor der Pforte stehen
— Die Sonne erhob sich kaum —
blieb vor der Pforte stehen;
Man hörte die Königin gehen
Und der König fragte sie:
Wohin gehst du? Wohin gehst du?
— Gib acht in dem Dämmerschein —
Wohin gehst du? Wohin gehst du?
Harrt drunten jemand dein?
Sie sagte nicht Ja noch Nein.
Sie stieg zu der Fremden hernieder
— Gib acht in dem Dämmerschein —
Sie stieg zu der Fremden hernieder,
Die schloss sie in ihre Arme ein.
Die beiden sagten nicht ein Wort
Und gingen eilends fort.
Der König, der hat an der Schwelle geweint
— Gebt acht, wenn der Dämmer scheint —
Der König, der hat an der Schwelle geweint.
Man hörte der Königin Schritte verhallen,
Man hörte welke Blätter fallen.