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Gedichte

Chapter 129: Lied eines Armen.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Lied eines Armen.

(Aus dem Volksstück „Hochparterre und Keller“.)

 
„Der wahre Bettler ist doch einzig und allein der wahre König.“
 
Lessing.
Mich drückt das Gold nicht auf der Stirn;
Mich drückt’s nicht in der Tasche;
Ich fürchte nicht, daß je der Neid
Nach meinen Freuden hasche;
Kein Schmeichler schleicht an mich heran,
Und keinem Pöbel frön’ ich.
Der wahre Bettler ist allein
Der wahre König.
Mit meinem Liebchen thron’ ich oft
Auf waldbekränztem Hügel;
Dann tragen Kleider wir von Licht
Und haben goldne Flügel.
Mit Blumen dann zur Königin
Das holde Mädchen krön’ ich;
Der wahre Bettler wird alsdann
Ein wahrer König.
Einst flattert auf mein stilles Grab,
So denk ich, eine Meise;
Hat auch nur, was der Tag beschert,
Ein Kleid und ihre Weise.
Den toten Bettler kennt sie wohl
Und zwitschert silbertönig:
„Hier ruht ein seltner Mann; hier ruht
Ein wahrer König.“