Am Grabe eines Freundes.
I.
Auf deinen Sarg fällt manche Träne nieder,
Und weher Klageruf zerreißt die Luft.
Ich starre trocknen Auges in die Gruft;
Kein warmer Tropfen quillt durch meine Lider.
Ich steh betäubt, von Schmerz gelähmt die Glieder,
Und faß es nicht, daß unter Glanz und Duft
So holder Blumen gähnt die düstre Kluft ...
Ich kann nicht weinen. Doch ich kehre wieder.
Wenn ich die Menschheit jammernd höre sagen:
„Die Besten müssen früh von hinnen gehen!“
Dann wird zu dir mich die Erinnrung tragen;
An deiner Gruft werd ich im Geiste stehen,
Und von der Menschheit angsterfülltem Klagen
Wird auch ein Hauch um diese Stätte wehen.
II.
„Auch ich erhöbe gern auf leichten Schwingen
Den müden Geist zu dichterischem Flug,
Und schon seit langem streb’ ich ernst genug,
Dir, teurer Freund, ein leidlich Lied zu singen.“
So schriebst du einst nach qualerfülltem Ringen,
Als nächtens nach des Schlummers mildem Trug
Dein brennend Aug’ umsonst Verlangen trug,
Und heute hör’ ich’s noch im Herzen klingen.
Begnüge dich! Du trägst nach heißem Ringen
Ins Reich der Geister ungetrübt von hinnen
Die große Poesie der Herzensreinheit.
Auch ich erhöbe gern auf leichten Schwingen
Einst meinen Geist, wenn Raum und Zeit zerrinnen,
So frei und stolz zum Frieden der All-Einheit.