An den frischen Gräbern.
Die alten Gräber ruhen
Verborgen unterm Laub;
Vieljährige Tannen düstern
Über dem alten Staub.
Kaum weht um diese Stätten
Wohl noch ein Klageton,
Wo das Vergessen schweigend
Sitzt auf ewigem Thron.
Im kalten Winterwehen
Hebt dorthin sich mein Fuß,
Wo noch um die Kreuze flattert
Ein junger Blumengruß.
Die frische Gräberstätte!
Ein weites, kahles Feld!
Ein irrender Strahl der Sonne
Den gelben Sand erhellt.
Hier haucht die Luft noch Jammer,
Hier schleicht noch verlassene Not,
Und alles ist blutendes Wehe
Und alles ist herber Tod.
Ein reiches Blumenprangen
Verschüttet schier den Pfad;
Da liegen volle Rosen,
Die schon ein Fuß zertrat.
Wie hatt’ ich ganz vergessen
Das Sterben, das Vergehn
Und Lachen nur und Leben
In liebenden Augen gesehn —
In schmeichelnden Sommerlüften,
Wenn golden die Sonne loht,
In heulenden Winterstürmen:
Wie üppig blühst du, Tod!