WeRead Powered by ReaderPub
Gedichte cover

Gedichte

Chapter 147: An den frischen Gräbern.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

An den frischen Gräbern.

Die alten Gräber ruhen
Verborgen unterm Laub;
Vieljährige Tannen düstern
Über dem alten Staub.
Kaum weht um diese Stätten
Wohl noch ein Klageton,
Wo das Vergessen schweigend
Sitzt auf ewigem Thron.
Im kalten Winterwehen
Hebt dorthin sich mein Fuß,
Wo noch um die Kreuze flattert
Ein junger Blumengruß.
Die frische Gräberstätte!
Ein weites, kahles Feld!
Ein irrender Strahl der Sonne
Den gelben Sand erhellt.
Hier haucht die Luft noch Jammer,
Hier schleicht noch verlassene Not,
Und alles ist blutendes Wehe
Und alles ist herber Tod.
Ein reiches Blumenprangen
Verschüttet schier den Pfad;
Da liegen volle Rosen,
Die schon ein Fuß zertrat.
Wie hatt’ ich ganz vergessen
Das Sterben, das Vergehn
Und Lachen nur und Leben
In liebenden Augen gesehn —
In schmeichelnden Sommerlüften,
Wenn golden die Sonne loht,
In heulenden Winterstürmen:
Wie üppig blühst du, Tod!