WeRead Powered by ReaderPub
Gedichte cover

Gedichte

Chapter 150: Das eine Ziel.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Das eine Ziel.

Ich war ein Kind und bat die Schickung:
„O mach’ mich groß und stark und frei!
Zerreiß, die mir die Seele schnüren,
Der Kindheit Bande reiß entzwei!“
Ich war ein Jüngling und ich flehte:
„O Schicksal, schmiede mich zum Mann,
Daß ich das Glück mit stärkrem Arme
Ergreifen und umschlingen kann!“
Ich war ein Mann und bat in Schmerzen:
„O gib der Weisheit Ruhe mir!
Laß mild des Abends Sonne scheinen
Und schweigen meiner Wünsche Gier!“
Da stand der Tod an meiner Pforte.
„Wer“, rief ich bleich, „wer rief denn dich?“
Er sprach: „Du rufst seit langen Tagen,
Seit Kindheitstagen rufst du mich.“