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Gedichte

Chapter 17: Gerechtigkeit.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Gerechtigkeit.

Siehst du dort, o Janos, den Gehenkten nicht,
Wo die Schatten ziehen um das Hochgericht?“
„Seh’ ihn wohl. Fahr hin dort! Sehn wir, wer es sei!
Gibt’s ein Abenteuer, bin ich auch dabei!“
Sprachen so zwei Bauern, die zur Nachtzeit spät
Heimwärts fuhren von dem Markt zu Keczkemét.
Und zum Galgenhügel rollten sie geschwind,
Wo ein Frischgehenkter schaukelte im Wind.
Wie sie ihn betasten nun an Kopf und Arm —
Istem teremtete! — ist der Kerl noch warm.
Hören, wie sein Herz noch leis’ im Takte hüpft —
Ist nur ein Zigeuner, den man aufgeknüpft,
Nur ein Hund von „More“, nur ein Dieb — gleichviel!
Die Justiz zu narren, ist ein löblich Spiel.
Also wird durchschnitten schnell der böse Strang,
Weggeschnappt dem Teufel der erhoffte Fang.
Schleppen ihn zum Wagen, werfen ihn hinein;
Weiter geht’s im Trabe bei der Sterne Schein.
Hei, da winkt die Czarda! Holla Wirt, heraus!
’s gibt zu später Stund’ noch einen lust’gen Schmaus!
Und beim guten Glase — manchem guten Glas! —
Hundertmal erzählen müssen sie den Spaß. —
Doch im Wagen draußen war vom Hauch der Nacht
Längst zu neuem Leben einer schon erwacht.
„Ei, ein gutes Wäglein und der Rößlein zwei!
Dünkt mich, daß das Glück mir heute günstig sei.
Gab zurück mir’s Leben dummer Bauersmann,
Will ich schnell ihm zeigen, daß ich’s brauchen kann.“
In die weite Pusta jagt er keck hinaus. —
Mit dem Wirt die Bauern schwanken aus dem Haus.
Finden ihren Wagen, ihre Pferde nicht.
Da von edlem Zorne leuchtet ihr Gesicht.
„Wirt, aus deinem Stalle schnell der Rößlein zwei!
An den Haaren schleppen wir den Hund herbei.“
Und die guten Bauern hatten Bauernglück,
Brachten den Gehenkten alsobald zurück.
Ritten immer weiter bis zum Hochgericht,
Drauf mit erstem Strahle schien das Morgenlicht.
Henkten dort den Sünder ohne Schimpf und Spaß,
Bis er’s Atemholen aus dem Grund vergaß. —
Sind dann heimgefahren, haben viel gelacht,
Haben selbst gefunden, daß sie’s gut gemacht.
„Sag dir, teurer Janos: gilt’s Gerechtigkeit,
Bauer macht es besser als die Obrigkeit.“