Schleswig-Holstein.
Aus meiner Kindheit Träumen blüht ein Land
Der sanften Hügel, drinnen Helden schlafen,
Der goldnen Felder, die ins Blau des Himmels
Hinüberflimmern wie ein früher Traum,
Der stillen Ströme, die, dem Meer verwandt,
Mit ernstem Schweigen breite Schiffe tragen,
Ein Land der weiten, saftgetränkten Triften,
Wo schwere Rinder durch den Nebel brüllen,
Ein Land, wo See’n und Wälder sich umarmen
In selig-stummem Anschau’n ihrer Prächte,
Ein Land, wo zwischen Dorn und wilden Rosen
Die Vögel sich mit Singen bau’n ihr Glück.
Aus meiner Kindheit Tagen glänzt ein Land
Der sanften Frau’n, die ohne Falschheit lächeln,
Die bei der Arbeit singen, weil ihr Herz
Des Himmels hellem Auge offen liegt,
Der Frauen, die sich leicht im Tanze schmiegen
Und starke, wangenrote Kinder nähren,
Die Gudrun gleich in graue Fernen harren,
Im Blick der Treue unbewegte Glut,
Bis der Ersehnte kehrt aus Kampf und Not.
Aus meiner Kindheit Tagen strahlt ein Land
Der ernsten Männer hinter Pflug und Amboß.
Sie reden wenig und sie lachen selten
Und singen kaum; allein sie träumen viel.
Sie blicken zweifelnd auf, wenn von Verrat sie
Und Falschheit hören, und sie fassen’s kaum.
Denn ohne Arglist suchen sie das Glück
In eigner Kraft und nicht in fremdem Weh.
Ihr Gang ist aufrecht; ihre Brust ist breit,
Sanft strahlt das Auge unter freier Stirn.
Nicht laut ist ihre Kraft, nicht rauh und wild;
Doch wer sie je verkannte, hat’s gebüßt.
Von Schwert und Axt und Morgenstern erklingt
Des Lands Geschichte und von Männern, die
Wie Mauern standen. Nimmer reichte weiter
Des Manns Geduld als seines Herzens Stolz.
Ihr kennt dies Land, ihr schaut ihm in die Augen,
Wenn ihr ins Antlitz eurer Kinder blickt:
In seine jungen, hoffnungshellen Augen.
Dies Land, dies flutumbrauste, sei ein Leuchtturm,
Dem jeder deutsche Schiffer froh vertraut. —
Halt aus in Nacht und Not, mein Land, mein Licht!