Glosse.
Im Fleiß kann dich die Biene meistern,
In der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein;
Dein Wissen teilest du mit vorgezognen Geistern;
Die Kunst, o Mensch, hast du allein.
In der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein;
Dein Wissen teilest du mit vorgezognen Geistern;
Die Kunst, o Mensch, hast du allein.
Schiller.
Du rühmst, o Mensch, der Arbeit dich, der harten.
Tritt in den sommerlichen Tag hinaus!
Ein emsig Völklein wirkt in deinem Garten
Von früh bis spät mit ewigem Ein und Aus.
Ein Schwarm von nimmermüden Segensgeistern!
Im Fleiß kann dich die Biene meistern.
Bestaunst du deiner Hände Werk so gerne,
Wenn zierlich dir’s und anmutvoll gelang?
Geh hin zum stillen Seidenwurm und lerne:
Ein Fädchen spinne du so zart, so lang!
Es kann, und spinnt dein Finger noch so fein,
In der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein.
Jedoch dein Geist: was hat er nicht ersonnen!
Strömt Weisheit nicht aus deiner Stimme Schall?
Allein — hat er das letzte Ziel gewonnen?
Und atmet nicht ein Gott im weiten All?
Kannst du das Weltenrätsel je bemeistern?
Dein Wissen teilest du mit vorgezognen Geistern.
So bei mir denkend, bin ich trüb gewandelt
Durch Nacht und Tag. Und brennende Begier
Nach jenem Geiste, der allwissend handelt,
Verzehrte meine durstige Seele schier.
Da rührte mich sein Hauch — ein Lied ward mein:
Die Kunst, o Mensch, hast du allein!