Menschenlos.
Das ist ein Augenblick der Seligkeit,
Wenn uns ein weltbeleuchtender Gedanke
Das Hirn durchzuckt und so die Seele faßt,
Daß sie durchbrochen wähnt des Denkens Schranke,
Wenn unser Geist den Brand entzündet glaubt,
Der in des Daseins Rätseltiefen leuchtet,
Und sich im Rausche des begeisterten
Entzückens unvermerkt die Wimper feuchtet.
Da wähnt der Blick, er sähe groß und klar
Den Geist des Alls durch Erd’ und Himmel wandeln;
Aufatmend spricht das Herz: „Ich bin getrost:
Fest ruht fortan mein Fühlen und mein Handeln.“
Gewißheit: — Schöner Wahn des Augenblicks!
Bald wieder wird der alte Zweifel nagen;
Der feste Boden weicht — dir schwindelt — weit
Ins öde Meer hinaus wirst du verschlagen.
Die kluge Antwort, die dein Hirn ersann
Auf Fragen, die die Menschenbrust zerfleischen,
Sie löste sich in tausend Rätsel auf,
Die doppelt gierig neue Antwort heischen.
Dem Schiffer gleich fährst du auf hohem Meer
In Nacht und Sturm durch lange, düstre Jahre,
Bis endlich deinem Fuß das Schicksal gönnt,
Daß er der Heimat festen Grund gewahre.
Doch kurz ist deine Rast! Von neuem bläht
Der Wind am hohen Mast die weißen Linnen:
Kaum hast du noch des Ufers Sand geküßt,
So jagt des Zweifels Qual dich neu von hinnen.
Zum Strande der Gewißheit lenkt dein Schiff
Nur, um ins Unbestimmte neu zu fliehen,
Bis einst auf hoher See in ihren Schoß
Das sturmzerschlagne Wrack die Wellen ziehen.