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Gedichte

Chapter 196: Comenius.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Comenius.

(1892.)

Ein Licht aus Finsternissen stieg empor:
Der Frühling kam mit seinem Morgenglanze.
Das Leben bricht, ein frischer Quell, hervor
Und spielt mit seiner Hoffnung Blumenkranze;
Was in beschränkte Sorgen sich verlor,
Taucht freudedürstend wieder in das Ganze,
Und alles jauchzt, vom Taumel fortgerissen:
„Willkommen, holdes Licht aus Finsternissen!“
Wie fügt sich’s gut, in solcher Werdezeit
Sich dankbar eines großen Manns zu freuen,
Der wie ein Sämann, stets zum Wurf bereit,
Durchs Leben ging, der Liebe Saat zu streuen,
Der durch die Nacht geleuchtet klar und weit
Mit Lichtgedanken, ungeahnten, neuen
Und früh der Menschenbildung Ackerfeld
Mit Sonnenschein und lindem Tau bestellt.
Aus Finsternissen stieg empor ein Licht,
Als jene Furie schnob durch Deutschlands Gauen,
Die, Wahn und Gier im grassen Angesicht,
Das Land beschattete mit blut’gem Grauen.
Recht, Ordnung, Sitte, Treu und Nächstenpflicht
Vom Riesenschwert der Barbarei zerhauen —
Und unersättlich schüren neues Hassen
Der Großen Laune und der Wahn der Massen.
Von Gott erwählt zu sein zum Kampf für ihn:
Der Wahn läßt Deutschlands Völker sich zermalmen;
Die Schwerter wüten, Völkerstämme fliehn;
Das Feld steht öd; die Frucht stirbt auf den Halmen;
Die Pest, den Hunger im Gefolge, ziehn
Die Horden durch das Land, die Dörfer qualmen —
Haß, Wut und Mord der Scharen Religion,
Ihr Götzenbild — die heil’ge Konfession!
Von diesem Haß auch er verfolgt, gehetzt,
Der edle Weise heimatlos, vertrieben,
Dem Elend und der Sorge ausgesetzt!
Sein Hab und Gut, was er erdacht, geschrieben,
Ein Raub der Kriegesfackel noch zuletzt —
Er aber hegte treu sein großes Lieben;
Und als man endlich Duldung fand und Frieden,
War seinem Glauben Duldung nicht beschieden.
Und blieb im Kampfe doch ein Friedensheld!
Rings blutete die Welt aus tausend Wunden,
Da hat sein Geist, von heiligem Strahl erhellt,
Ein tief versöhnend Ideal gefunden:
Nicht mehr nach Gütern, Rang und Stand zerspellt,
Nein, innig-fest nach Menschenrecht verbunden,
Soll sich versammeln vor der Weisheit Stuhle
Des ganzen Volkes allgemeine Schule!
Fürwahr ein Genius, der in weite Ferne
Der Zukunft seines Geistes Blitze sendet!
Noch heute locken uns dieselben Sterne,
Zu denen er den Seherblick gewendet;
Noch ladet uns die Frucht, in deren Kerne
Er Nahrung für Jahrhunderte gespendet,
Noch steht’s der Nachwelt staunenswürdig da,
Sein stolzes Werk: Magna Didactica!
„Er wußte nur die Geister zu vergnügen,
Drum ließen ihn die Körper ohne Brot.“
So auch mit unerbittlich harten Zügen
Trat ihm vor Augen oft die bleiche Not;
Er aber sah mit seligem Genügen
In eines Jenseits Duft und Morgenrot;
Ein Vaterland dem müden Pilgrim wies
Weltferner Schimmer: Lux in tenebris!
Auf seines Lebens wechselvoller Reise
Erhob ihn oft Prophetenvision.
Nicht war’s ein Mann nach unsrer Zeiten Weise,
Doch ein Genie und aller Zeiten Sohn.
Die Sonnen ziehn in eigenem Geleise —
Was Dogma, Glaube, Sekte, Konfession!
Was ihm die Nachwelt dankt mit höchstem Ruhm,
War kraft- und liebereiches Menschentum.
O helft, ihr reinen Geister, die in Treuen
Um unser Liebstes weit die Flügel breiten
Und die, wie schwer ihm Lug und Narrheit dräuen,
Den Geist des Werdenden zur Klarheit leiten!
O hilf uns du, des wir uns heute freuen,
Dem wir erhobnen Sinns ein Fest bereiten:
Wenn wir zur Kriegesfahrt die Segel hissen,
Strahl’ uns voran, ein Licht in Finsternissen!