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Gedichte

Chapter 23: Vorfrühling.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Vorfrühling.

Welch goldnes Leuchten fließt so ungeahnt
Wie lichter Zauber um die starren Bäume?
Was zittert wie geheimer Feierton
Mit leisem Klingen durch des Himmels Räume?
Die Flut des Lichtes rinnt mit froher Hast
Vom Felsenhaupt bis in des Abgrunds Klüfte,
Und horch! — schon ruft ein Fink mit leisem Schlag
Zaghaften Jubel in die stillen Lüfte.
Es hat der Lenz in stummer Ungeduld
Der Erde schon gestanden seine Liebe,
Die Lider ihr mit lindem Strahl geküßt,
Daß sie nicht mehr im Schlaf befangen bliebe.
Er hat der tief Entschlafnen zugeraunt
Der Sehnsucht erste, seligbange Frage
Und ihr versprochen, was die Liebe schenkt:
Verklärte Nächte, sonnenschöne Tage! —
Und sieh! Von ihrem Antlitz hebt sie leis
Den duftgewobnen, zarten Nebelschleier
Und schaut mit Augen, die der Traum noch bannt,
Wie zweifelnd auf den leuchtenden Befreier.
Noch faßt sie nicht die ganze süße Lust,
Noch hängt an ihrer Wimper schweres Trauern;
Doch mehr und mehr erkennt sie schon den Freund,
Und leis erbebt ihr Leib in Wonneschauern. —