Trotz der Lüge.
Hast du dir in der Seele
Gelobt mit starkem Eid,
Zu kämpfen für die Wahrheit
In jedem Erdenstreit,
So darfst du nie dich zeigen
Entwaffnet und besiegt,
Wie schreckbar auch und drohend
Der Feind im Felde liegt.
Vielleicht, daß ein Gewalt’ger
Dich richtet und verdammt,
Weil deines Geistes Leuchte
Zu hell die Nacht durchflammt;
Doch schlimmer sind die Feinde,
Die meuchlings dich bedroh’n
Mit Trug und feiger Lüge,
Mit scheelem Neid und Hohn.
Du wirst sie kennen lernen,
Die angstvoll-herbe Qual,
Daß du um solche Feinde
Verzagst am Ideal,
Daß alles dir im Geiste
Zusammenbricht und fällt
Und dir entgegendüstert
In öder Nacht die Welt.
Dann aber darfst mit nichten
Du still von dannen gehn,
Es darf in deinen Augen
Nicht eine Träne stehn!
Sonst bricht in frechen Tönen
Der Feinde Jubel los;
Sie nähren ihre Freude
Mit deinen Schmerzen groß.
Nein, lachen sollst du, lachen
Der schnöden Meuchlerzunft!
Und ob sie schon nicht hörten
Die Stimme der Vernunft,
Ob sie des Mitleids Regung
Fühllos vernommen nie —
Dein trotzig, fröhlich Lachen
Betäubt, vernichtet sie.
Da prallen Pfeil und Lanze
Von deinem Panzer ab;
Du schreitest klaren Auges
Hin über Tod und Grab.
Die Feinde werden scheuen,
Führst du mit Lachen Krieg
Und mit geruhigem Glauben
An den gewissen Sieg.