Der alte Hahn.
Ein alter Hahn,
Der stets mit Fleiß das Seinige getan,
Lag schnappend, abgelebt und mager
Auf seinem Sterbelager,
Und schluchzend,
Glucksend
Umstand der Gattinnen, der Kind’ und Kindeskinder Heer
Den armen Mann.
„Ach, meine Lieben, ach,“ so keucht’ er schwer,
„Wie ich gelebt, ich kann
Vor Gott und Hühnern es nicht eben rühmen.
Ich folgte nur zu gern den ungestümen
Begierden meiner Brust;
Umkrallt hielt mich die schnöde Sinnenlust;
O glaubt es, glaubt es mir: sie ist vom Teufel!
Jetzt steht mir’s außer Zweifel.
O meine Lieben, seid —“ er haucht’s gewaltsam
Mit letzter Kraft — „Geliebte, seid enthaltsam!“
Erschöpft sank er zurück.
Das Korps der Hennen
Ließ nicht mit Sicherheit erkennen,
Was seine Meinung sei.
Man widersprach nicht, stimmte aber auch nicht bei
Und sah zu Boden keuschen Angesichts.
Auch Söhn’ und Enkel sagten lange nichts — — —
Bis dann der jüngste,
Nicht geringste
Der Gockel doch das Schweigen brach
Und sprach:
„Verehrter, heißgeliebter Urpapa!
Von deines Worts erhabener Gewalt
Erschüttert steh’n wir da;
Bewahren wollen wir es im Gedächtnis
Als heiligstes Vermächtnis.
Wir freilich sind nun wohl zu alt,
Um einen andern Weg noch einzuschlagen;
Doch wollen wir’s — das schwören wir dir zu —
Mit Ernst und Nachdruck unsern Kindern sagen!“
Darauf verschied der alte Hahn in Ruh’.