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Gedichte

Chapter 25: Präzeptor Frühling.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Präzeptor Frühling.

Einer kam dahergegangen,
Just von meiner Zunft,
Alle jauchzten voll Verlangen
Seiner Wiederkunft.
Neues Lachen, neues Singen
Hat er uns gelehrt
Und mit Kraft zu neuem Ringen
Unser Herz bewehrt.
Lustig in die Staatsperücke
Fuhr er jenem Herrn,
Der uns mit Tyrannentücke
Hielt vom Lichte fern,
Der uns kalte, düstre Narrheit
Greinend vorerzählt
Und uns mit Pedantenstarrheit
Ach, so tief gequält,
Zaust’ ihn, bis dem Freiheithasser
Schopf und Zopf entfiel,
Gab sie dem erweckten Wasser
Hin zu tollem Spiel,
Trieb ihn mit der eignen Rute
Pfeifend vor sich her,
Daß er sich von hinnen spute
Bis ans Schattenmeer!
Schob zurück vom Himmelsfenster
Dann den Wolkengraus,
Stoben Eulen und Gespenster
Wirr und wild hinaus.
Und sogleich durch alle Räume
Schwoll ein weicher Glanz,
Schwang um Hügel, Busch und Bäume
Sich ein Strahlentanz.
In die Schule uns genommen
Hat der lichte Mann.
„Laßt die Kindlein zu mir kommen!“
Rief’s in Flur und Tann.
Und wir alle wurden Kinder,
Wollten Kinder sein,
Süßer floß uns und gelinder
Junges Leben ein.
Und er küßt’ uns auf die Stirnen,
Zog uns bei der Hand,
Männer, Weiber, Buben, Dirnen,
In sein grünes Land,
Wo Natur in stillen Wäldern
Traum und Ahnung webt
Oder über lichten Feldern
Mit der Lerche schwebt.
Wies uns einer jungen Blume
Leisen Werdegang,
Morgenduft der Ackerkrume,
Der die Welt durchdrang,
Deutete der dunklen Föhren
Traum am Hügelhang,
Ließ uns einen Atem hören,
Der im Winde klang.
Also der Natur aufs neue
Eng ans Knie geschmiegt,
Sind Verzagen, Angst und Reue
Still in uns versiegt.
Tageslast und Abendfeier
War uns tief verschönt;
Leib und Seele wurden freier
Und in eins versöhnt.
Ach, da brauste neu im Herzen
Unermessne Kraft,
Süße Sturmeskraft des Märzen
Brach aus dunkler Haft.
Neue Lust zu neuem Werden,
Alles kam zurück,
Was uns blüht im Kranz der Erden:
Hoffnung, Friede, Glück. —

Soll uns eure Lehre frommen,
Wählt zum Meister ihn,
Der der Nacht ihr Reich genommen
Und uns Trost verliehn.
Seid Erwecker und Erneuer
Recht nach seinem Sinn,
Und auf eure Wege streu’ er
Licht und Blumen hin.