WeRead Powered by ReaderPub
Gedichte cover

Gedichte

Chapter 34: Wintermorgen.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Wintermorgen.

O sterbensmüder Friede,
O düstres Morgengraun!
Wie ein Gefild des Todes
Ist diese Welt zu schau’n.
Die kahlen Bäume schwanken,
Vom Morgenwind umkreist,
Als irrte durch die Kronen
Ein wahnverstörter Geist.
Darüber drohen Wolken
In stummer, dunkler Wut
Gleich Wogen einer jählings
Im Sturm erstarrten Flut.
Am düstren Morgenhimmel
Hängt noch der fahle Mond,
Ein kalter, bleicher Herrscher,
Der über Schatten thront.
Das wird ein trübes Leuchten,
Das dieser Tag uns bringt,
Weil solchen Dust der Erde
Die Sonne nicht durchdringt!
Dort steigt sie auf am Himmel
In lichtdurchsprühtem Dampf;
Sie wird das All durchwandeln
In ruhelosem Kampf.
So will ich denn erharren
Aufgang und Untergang —
Auch mich umwogt das Dunkel;
Mein Kampf wird schwer und lang.
Und will von ihr es lernen,
Wie man im Kampf besteht
Und wie ein Held am Abend
Verblutend untergeht.