Als die Geliebte sang.
Und einmal ward es Abend wieder;
Wir schritten spät am Wald entlang;
Du sangest mir die leisen Lieder,
Die ehmals deine Mutter sang,
Die du in fernen, schönen Tagen
Der Liebereichen abgelauscht,
Als noch an wunderbunten Sagen
Des Kindes Sinn sich fromm berauscht.
Ich sehe dich, die großen Augen
Zur Mutter liebevoll gewandt,
Den Ton von ihren Lippen saugen,
Der zaubrisch deine Seele bannt.
Dann traf ein tödliches Verhängnis
Dein reines Glück — die Nacht war lang —
Du aber trugst durch die Bedrängnis
Im Herzen treu den milden Klang.
So schön hatt’ ich dich nie gefunden,
Seit ich in dir mein Glück umfing,
Als da an deiner Kindheit Stunden
In Träumen deine Seele hing,
Da du des Herzens tiefste Töne
Der Mutter andachtsvoll geweiht
Und dich zum Lohn mit Morgenschöne
Umströmte die vergangne Zeit.