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Gedichte

Chapter 48: Tändelei.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Tändelei.

Bitte bitte! soll ich sagen,
Um ein Küßchen zu erlangen?
Meinen Stolz willst du versuchen,
Allerlistigste der Schlangen!
Schnippisch trotzt das rote Mündchen,
Das so oft zum Kuß bereit war.
Meinst: mein Recht, dich abzuküssen,
Wär’ durchaus nicht unbestreitbar.
Nur durch fromme Unterwerfung
Würd’ ich wert so hohen Lohnes —
So versicherst du „entsklavten“,
Frauenrechtsbewußten Tones.
Und du glaubst, ich würde bitten?
Meine heilige Manneswürde,
Denkst du, würde ruhig tragen
Solcher feigen Knechtschaft Bürde?
Mann bin ich und dein Gebieter,
Und der Macht geziemt kein Bitten;
Doch ein Recht zum Raube hat sie;
Noch ist ihr’s nicht abgestritten!
Und — schon hab ich meine Beute! —
Nun? Dein Trotzen, sag, wo blieb’s denn? —
Und sie haucht: „Ach, die geraubten
Küsse geb’ ich dir am liebsten!“