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Gedichte

Chapter 5: Sündflut.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Sündflut.

Erk Mannis schaut über Holmös Strand:
Verronnen die Flut, aber tot ist das Land.
Ein Schlick und ein Schlamm und ein
Trümmergraus;
Nur eines blieb ganz: das Gotteshaus.
Erk Mannis ruft! — Kein lebender Ton!
Die See gluckst leise mit glimmerndem Hohn.
Da stürmt er die Stufen hinauf zum Turm;
Sein ahnendes Grausen läutet Sturm;
Die Glocke schreit wie ein jammerndes Kind:
Gebt Antwort, gebt Antwort, wo Menschen sind! —
Nur Nebelschweigen und Todesruh.
Dein Volk ist tot. Nur du lebst, du.
Da packt ihn das Grauen; mit tappendem Schritt
Steigt er hinab; in die Kirch’ er tritt
Und sinkt in die Bank, und vors Gesicht
Ballt er die Fäuste und stöhnt und spricht:
„Ich dank’ dir mein Leben nicht, o Gott!
Dein Segen ist Fluch, deine Rettung Spott.
Wo hast du mein Weib? Wo hast du mein Kind?
Mein ganzes Volk zerstoben im Wind!
Du hast mich vergessen, ich helfe dir nach —“
Ans Messer im Gürtel greift er jach —
Da hört er ein Schwirren — er blickt hinauf:
Vom Taufstein hob sich ein Schwälbchen auf.
Beschwingtes Leben im finstern Raum!
Durchs Fenster entflog es wie ein Traum!
Er raffte sich auf; er schaute sich um —
Da sah er ein Weib, das blickte stumm
Der Schwalbe nach und blickte lang —
Bis Auge still in Auge sank.

Sie schritten schweigend hinaus vor die Tür,
Da schwirrten die Schwalben für und für.
Sie fanden ein Grabmal aus bröckelndem Stein,
Da flitzten die Flinken aus und ein.
In eines Kranzes moderndem Rest,
Da hegten die Segler ein heimlich Nest;
Da fanden die beiden zirpende Brut,
Geborgen und froh in des Todes Hut. —
Übers Meer, in die Ferne schauten sie weit.
Den Ruf des Lebens hörten sie beid’.
Heut lebt auf Holmö rank und recht
Ein todesmutig, ein froh Geschlecht.