Versöhnung.
Kennst du die Tage schaurig-öd’,
Da Todesschauer dich umweht,
Wenn nach der grauen Wolken Zug
Dein seherhaftes Auge späht?
Die Bäume friert es bis ins Mark;
Erschauernd sträubt sich ihr Geäst;
Ein düstrer Geist hält jeden Hauch
Der Lust im Grund der Erde fest.
Da siehst du in dem Wolkenheer,
Das endlos zieht am Himmelszelt,
Die Last der Schmerzen, die sich schwer
Dahinwälzt über diese Welt.
Und in dem Winde, der sie treibt,
Der durch die Wälder heult und gellt,
Vernimmst du bebend einen Klang:
„Ich bin der Angstschrei dieser Welt!“
Dann lehnst du in der Dämmrung wohl
Am stillen Fenster, starrst hinaus
Mit irrem Blick ins Graun der Welt
Und in des eignen Lebens Graus.
Wenn’s dann im Dunkel dich umweht
Wie eines Mundes warmer Hauch
Und dich ein weicher Arm umfängt
Nach altem, süß-gewohntem Brauch
Und eine Stimme flüsternd spricht,
So schön, wie’s nur in Träumen klingt:
„Ich will verzeihen!“ und ein Kuß
Dich wie ein Gotteshauch durchdringt —:
Dann rüttelt dich ein jäher Schmerz,
Wie wenn dein zuckend Herz zerreißt,
Ein Wirbelsturm der Lust durchrast
Frohlockend, jauchzend deinen Geist.
Die Nacht brach an. Die Wolken flohn.
Die Pracht der Sterne kam zurück —
Du aber pressest immer noch
Ans Herz dein unbegreiflich Glück!