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Gedichte

Chapter 90: Sklavenmoral.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Sklavenmoral.

Mein Junge, du wirst zu treu und zu gut —
Fast möcht ich dich wecken!
Ich seh’s mit schwellendem Stolz und ich seh’s
Mit wachsendem Schrecken.
Dein Auge feuchtet ein keuscher Glanz
Wie Tau einer Blüte;
Es atmet durch deinen weichen Mund
Die träumende Güte.
Dir zuckt’s um die Lippen bei fremdem Schmerz,
Und du willst ihn lindern —
Ein wunderbares, befremdliches Ding
Bei der Menschen Kindern.
Pass’ auf, sie werden dich früh genug
Vor den Karren spannen;
Und hast du die Last zu Berge geschleppt,
Man hetzt dich von dannen.
Weh dir, wenn ein Gott in den Geist dir gelegt
Gewalt des Propheten —
Sie werden überbrüllen dein Wort
Und im Kot dich zertreten.
Du wirst sie mit blankem, sausendem Schwert
Zum Siege führen —
Dann aber wirst du dich krümmen im Staub
Vor ihren Türen.
Ich seh’s um deine zarte Stirn
Wie Dornen und Blut —
Und ich reiße dich wild ans hämmernde Herz
In aufjubelnder Glut.