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Gedichte

Chapter 94: Unsterblich.
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About This Book

Die Sammlung versammelt lyrische und erzählende Gedichte, geordnet in thematische Abschnitte: Balladen und Erzählgedichte, Naturlyrik, junge Liebe, Weib und Heim, Kindheit und Frohsinn, Betrachtungen über Leben, Leiden und Tod, Vaterlandslieder, Reflexionen über Kunst und Dichter, religiöse und philosophische Gesänge, Sprüche sowie satirische und belehrende Stücke. Die Verse reichen von dramatischen Seefahrerballaden und erzählenden Stücken bis zu intimen Liebesliedern, pastoralen Beobachtungen, elegischen Betrachtungen und scharfen Gesellschaftskritiken, verbinden formale Vielfalt mit wiederkehrenden Motiven wie Natur, Erinnerung, moralischem Fragen und nationalem Empfinden.

Unsterblich.

Unlängst, als die Größte von den Kleinen,
Meinen Hals umschlingend, vor mir stand,
Fand sie jene Spur an meiner Schläfe,
Wo der Tod hinstrich mit zager Hand.
Größer wurden ihre großen Augen.
„Vater — schau! Ein graues Härchen! Schau!“
Und nach einem langen Sinnen sprach sie:
„Warum werden wohl die Menschen grau?“
„Nach der Sonne Glück, des Regens Trauer,
Nach der Tage Glanz, der Nächte Tau
Werden gelb die schönen grünen Blätter,
Und der Menschen Haare werden grau.“
Lange sah sie gradaus mir ins Antlitz.
Plötzlich rief sie: „Väterchen, nicht wahr?
Bitte, bitte, wenn es ausgefallen,
Ach, dann gibst du’s mir, das liebe Haar!
Betteln will ich auch bei Mutter, daß sie
Jedes graue Haar mir geben muß.
Sammeln will ich sie in meinem Kästchen,
Und für jedes kriegt ihr einen Kuß.“ —
Tod, du siehst, ich sitze gut im Sattel,
Tod, mein guter Freund, ich spotte dein.
Jedes Haar, das du gezeichnet, trägt mir
Schönheit eines jungen Lebens ein.
Sieh, mein Herz hab’ ich mit festen Händen
Hier im Grund des Hauses eingepflanzt;
Seine Fülle wird noch Blüten treiben,
Wenn der Wind mit meinem Staube tanzt.