Sonntagskind.
Wir haben ein heiliges Kind.
Am Sonntag, im feinsten Gewande,
Das Haar ihm genestelt mit schimmerndem Bande,
Entschlüpft es geheim und geschwind.
Und schleicht sich ins schönste Gemach,
Da kennt es die Blumen und Bilder!
Und leise — wie ferne — erhebt sich ein milder
Gesang wie von Lerchen vor Tag
Und löst sich von Lippen und Brust
Nun stärker und süßer und freier —!
Dem strahlenden, schöneren Tage zur Feier
Erbebt es in klingender Lust.
Und einst, so beschlichen wir’s beid’:
Da schaut es so groß in die Helle —
Und plötzlich nun dreht sich’s im Tanze so schnelle —
Und streichelt dann zärtlich sein Kleid.
Und wieder zum Fenster gekehrt,
Beginnt sie mit neuen Gesängen,
Fügt träumende Worte zu ahnenden Klängen,
Die sie wohl keiner gelehrt.
Du klingendes Seelchen, nur zu
Und trinke dir Schönheit vom Leben!
Wir hören’s beglückt, daß ein Kind uns gegeben
Voll dankender Sehnsucht wie du!