Traumhüter.
Unter meiner Obhut schlummert
Mir ein Töchterlein im Zimmer,
Kindesunschuld in den Zügen,
Auf den Wangen Rosenschimmer.
Und vom Buch, darin ich lese,
Laß ich oft die Blicke gleiten
Nach dem Kindlein, dessen Antlitz
Glüht in Traumesseligkeiten.
Blühend mag sich einst entfalten
Jene Knospe dort im Kissen,
Und es wird die Welt ihr schenken
Für den Kindertraum — das Wissen.
Und die frommen Mädchenaugen
Werden groß ins Leben schauen,
Und in Zweifel wird sich wenden
Manch ein seliges Vertrauen.
Wüßt’ ich einen ihr zur Seite,
Der mit sorglichem Bemühen
Von den jungen Augen wendet
Allzu dreisten Lichtes Sprühen!
Der den Tag des Welterkennens
Bannt, daß er in Gnaden säume
Und zu früh nicht blendend dringe
In das Reich der Kinderträume!