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Gedichte und Sprüche in Auswahl cover

Gedichte und Sprüche in Auswahl

Chapter 22: III
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About This Book

A selection of lyric poems and short sayings written in an older German dialect gathers brief stanzas that explore seasonal change, longing, and love, often using nature imagery—spring, flowers, birds, and linden trees—and dreamlike sequences to frame desire and memory. Several pieces articulate courtly-style praise of a beloved, reciprocal affection, and reflections on beauty, virtue, and consolation in suffering. The collection alternates lyrical monologues, short dialogues rendered indirectly, and concise moral remarks, moving between joyous celebration and melancholy restraint while keeping a compact, songlike rhythm.

Aller werdekeit ein füegerinne
daz sît ir zewâre, frouwe Mâze.
er sælic man, der iuwer lêre hât!
der endarf sich iuwer niender inne
weder ze hove schamen noch an der strâze.
durch daz sô suoche ich, frouwe, iuwern rât,
daz ir mich ebene werben lêret.
wirbe ich nidere, wirbe ich hôhe, ich bin versêret.
ich was vil nâch ze nidere tôt,
nû bin ich aber ze hôhe siech: Unmâze, ir lât mich âne nôt!
Nideriu minne heizet, diu so swachet
daz der lîp nâch kranker liebe ringet:
diu minne tuot unlobelîche wê.
hôhiu minne heizet, diu daz machet
daz der muot nâch werder liebe ûf swinget:
diu winket mir nû, daz ich mit ir gê.
nu'n weiz ich, wes diu Mâze beitet.
kumet herzeliebe, sô bin ich verleitet:
mîn ougen hânt ein wîp ersehen,
swie minneclich ir rede sî, mir mac wol schade von ir geschehen.

PREIS DER LIEBENSWÜRDIGKEIT UND TUGEND

Ein niuwer sumer, ein niuwe zît,
ein guot gedinge, ein lieber wân,
daz ich noch trôst ze freuden hân,
noch fröwet mich ein anderz baz
dan aller vogellîne sanc:
swâ man noch wîbes güete maz,
dâ wart im ie der habedanc.
daz meine ich an die frouwen mîn:
dâ muoz noch mêre trôstes sîn.
s'ist schœner danne ein schœne wîp:
die schœne machet lieber lîp.
Ich weiz wol, daz diu liebe mac
ein schœnewîp gemachen wol:
iedoch swelch wîp ie tugende pflac,
daz ist diu, der man wünschen sol.
diu liebe stêt der schœne bî
baz dan gesteine dem golde tuot:
nû jehet, waz danne bezzer sî,
hânt disiu beide rehten muot?
sie hœhent mannes werdekeit:
swer ouch die süezen arebeit
durch sie ze rehte kan getragen,
der mac von herzeliebe sagen.
Der blic gefröwet ein herze gar,
den minneclîche ein wîp an siht:
wie welt ir danne, daz der var,
dem ander liep von in geschiht?
der ist eht maneger freuden rîch,
sô jenes freude gar zergât.
waz ist den freuden ouch gelîch,
dâ liebez herze in triuwen stât,
in schœne, in kiusche, in reinen siten?
swelch sælic man daz hât erstriten,
ob er daz vor den fremden lobet,
sô wizzet, daz er niht entobet.
Waz sol ein man, der niht engert
gewerbes umbe ein reine wîp?
si lâze in iemer ungewert,
ez tiuret doch wol sînen lîp.
er tuo durch einer willen sô,
daz er den andern wol behage:
sô tuot in ouch diu eine frô,
ob im diu ander gar versage.
dar an gedenke ein sælic man:
dâ lît vil sælde und êren an.
swer guotes wîbes minne hât,
der schamt sich aller missetât.

DEUTSCHLAND ÜBER ALLES

Ir sult sprechen willekomen:
der iu mære bringet, daz bin ich.
allez daz ir habet vernomen,
daz ist gar ein wint: nû fraget mich.
ich wil aber miete:
wirt mîn lôn iht guot,
ich sag' iu vil lîhte daz iu sanfte tuot.
seht, waz man mir êren biete.
Ich wil tiuschen frouwen sagen
solhiu mære, daz sie deste baz
al der werlte suln behagen:
âne grôze miete tuon ich daz.
waz wold' ich ze lône?
sie sint mir ze hêr:
sô bin ich gefüege und bite sie nihtes mêr,
wan daz sie mich grüezen schône.
Ich hân lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
übel müeze mir geschehen,
künde ich ie mîn herze bringen dar,
daz im wol gevallen
wolte fremeder site.
nû waz hulfe mich, ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht gât vor in allen.
Von der Elbe unz an den Rîn
und her wider unz an der Unger lant
mugen wol die besten sîn,
die ich in der werlte hân erkant.
kan ich rehte schouwen
guot gelâz und lîp,
sam mir got, sô swüere ich wol daz hie diu wîp
bezzer sint dann' ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu wîp getân.
swer sie schiltet, der'st betrogen:
ich enkan sîn anders niht verstân.
tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist wünne vil.
lange müeze ich leben dar inne!

DER MINNE RECHT

Daz ich dich sô selten grüeze,
frouwe, deist ân' alle mînne missetât.
ich wil daz wol zürnen müeze
liep mit liebe, swa ez von friundes herzen gât.
trûren unde wesen frô,
sanfte zürnen, sêre süenen, deis der minne reht: diu herzeliebe wil alsô.

IM GELOBTEN LANDE

alrêst leb' ich mir werde,
sît mîn sündic ouge siht
lant daz hêre und ouch die erde,
dem man vil der êren giht.
mir'st geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
Schœniu lant rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist du'z ir aller êre.
waz ist wunders hie geschehen!
daz ein maget ein kint gebar
hêre übr aller engel schar,
was daz niht ein wunder gar?
Hie liez er sich reine toufen,
daz der mensche reine sî;
dô liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen wurden frî.
anders wæren wir verlorn,
wol dir, sper, kriuz' unde dorn:
Do er sich über uns wolde erbarmen,
hie leit er den grimmen tôt,
er vil rîche übr uns vil armen,
daz wir kœmen ûz der nôt.
daz in dô des niht verdrôz,
dast ein wunder alze grôz,
aller wunder übergenôz.
Hinnen fuor der sun zer helle
von dem grabe, da er inne lac.
des was ie der vater geselle
und der geist, den nieman mac
sleht und ebener danne ein zein,
als er Abrahâme erschein.
Do er den tievel dô geschande
daz nie keiser baz gestreit,
dô fuor er her wider ze lande.
huop sich der juden leit,
daz er hêrre ir huote brach
und man in sît lebendic sach,
den ir hant sluoc unde stach.
Dar nâch was er in dem lande
vierzic tage: dô fuor er dar,
dannen in sîn vater sande.
sînen geist, der uns bewar,
den sant' er hin wider ze hant.
heilic ist daz selbe lant,
sîn nam ist vor gote erkant.
In diz lant hât er gesprochen
dâ diu witwe wirt gerochen
und der weise klagen mac
und der arme den gewalt,
der dâ wirt mit ime gestalt.
wol im dort, der hie vergalt!
fristet dâ niemannes klage,
wan er wil ze stunt dâ rihten,
so ez ist an dem lesten tage:
und swer dheine schult hie lât
unverebenet, wie der stât
dort, da er pfant noch bürgen hât!
Ir enlât iuch niht verdriezen
daz ich noch gesprochen hân,
sô wil ich die rede besliezen
kurzlîch, und iuch wizzen lân:
swaz got mit der werelt ie
wunderlîches noch begie,
daz huop sich und endet hie.
Kristen, juden unde heiden
jehent, daz diz ir erbe sî:
got müez' ez ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
al diu werelt strîtet her:
wir sîn an der rehten ger,
reht ist daz er uns gewer.

EINST UND JETZT

Owê war sint verswunden   alliu mîniu jâr!
ist mir mîn leben getroumet   oder ist ez wâr?
daz ich ie wânde daz   iht wære, waz daz iht?
dar nâch hân ich geslâfen   unde enweiz es niht.
nû bin ich erwachet   und ist mir unbekant
daz mir hie vor was kündic   als mîn ander hant.
liut unde lant, dâ ich   von kinde bin erzogen,
die sint mir fremde worden,   reht' als ez sî gelogen.
die mîne gespilen wâren,   die sint træge und alt;
bereitet ist daz velt,   verhouwen ist der walt:
wan daz daz wazzer fliuzet   als ez wîlent flôz,
für wâr ich wânde, mîn   unglücke wurde grôz.
mich grüezet maneger trâge,   der mich bekande ê wol.
diu werlt ist allenthalben   ungenâden vol:
als ich gedenke an manegen   wünneclîchen tac,
die sint mir enpfallen gar   als in daz mer ein slac
iemer mêre, ouwê!
Owê wie jæmerlîche   junge liute tuont!
den unvil riuweclîche   ir gemüete ê stuont,
die kunnen nû wan sorgen:   ouwê wie tuont sie sô?
swar ich zer werlte kêre,   dâ ist nieman frô:
tanzen, lachen, singen   zergât mit sorgen gar
nie kristenman gesach   sô jæmerlîche schar.
nû merket, wie den frouwen   ir gebende stât;
die stolzen ritter tragent   dörperlîche wât.
uns sint unsenfte brieve   her von Rôme komen:
uns ist erloubet trûren   und freude gar benomen.
daz müet mich inneclîchen   (wir lebten ie vil wol),
daz ich nû für mîn lachen   weinen kiesen sol.
die wilden vogele   betrüebet unser klage:
waz wunders ist, ob ich   dâ von vil gar verzage?
waz spriche ich tumber man   durch mînen bœsen zorn?
swer dirre wünne volget, der   hât jene dort verlorn
iemer mêre, ouwê!
Owê wie uns mit süezen   dingen ist vergeben!
ich sihe die gallen mitten   in dem honege sweben.
diu werlt ist ûzen schœne   wîz, grüen' unde rôt
und innen swarzer varwe,   vinster sam der tôt.
swen si nû habe verleitet,   der schouwe sînen trôst:
er wirt mit swacher buoze   grôzer sünde erlôst.
dar an gedenket, ritter,   ez ist iuwer dinc:
ir traget die liehten helme   und manegen herten rinc,
dar zuo die vesten schilte   und diu gewîhten swert!
wolte got, wær' ich   der sigenünfte wert!
sô wolte ich nôtic man   verdienen rîchen solt.
joch meine ich niht die huoben   noch der hêrren golt:
ich wolte selbe krône   êweclîchen tragen;
die möhte ein soldenære   mit sîme sper bejagen.
sô wolte ich denne singen «wol»   und niemer mêre «ouwê»,
niemer mêre «ouwê!»

DER WAHLSTREIT

I

Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine,
dar ûf sast' ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
mîn kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wes man zer werlte solte leben.
dekeinen rât kond' ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
der keines niht verdurbe.
diu zwei sint êre und varnde guot,
daz dicke ein ander schaden tuot;
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.
die wolde ich gerne in einen schrîn.
jâ leider des'n mac niht gesîn,
daz guot und werltlich êre
und gotes hulde mêre
zesamene in ein herze komen.
stîg' unde wege sint in benomen:
untriuwe ist in der sâze,
gewalt vert ûf der strâze,
frid' unde reht sint sêre wunt:
diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden ê gesunt.

II

Ich hôrte ein wazzer diezen
und sach die vische fliezen;
ich sach swaz in der werlte was,
velt unde walt, loup, rôr und gras;
swaz kriuchet unde fliuget
und bein zer erden biuget,
daz sach ich unde sage iu daz:
der keinez lebet âne haz.
daz wilt und daz gewürme
die strîtent starke stürme,
sam tuont die vogel under in;
wan daz sie habent einen sin:
sie diuhten sich ze nihte,
sie schüefen starc gerihte:
sie kiesent künege unde reht,
sie setzent hêrren unde kneht.
sô wê dir, tiuschiu zunge,
wie stêt dîn ordenunge,
daz nû diu mucke ir künic hât
und daz dîn êre alsô zergât!
bekêrâ dich, bekêre!
die zirken sint ze hêre,
Philippe setze en weisen ûf und heiz sie treten hinder sich!

III

Ich sach mit mînen ougen
dâ ich gehôrte und gesach
swaz iemen tet, swaz iemen sprach.
ze Rôme hôrte ich liegen
und zwêne künege triegen.
dâ von huop sich der meiste strît,
der ê was oder iemer sît,
daz sich begonden zweien
die pfaffen unde leien.
daz was ein nôt vor aller nôt:
lîp unde sêle lac dâ tôt.
die pfaffen striten sêre:
doch wart der leien mêre.
diu swert sie legeten dernider
und griffen zuo der stôle wieder:
sie bienen die sie wolten
und niuwet den sie solten.
stôrte man diu goteshûs.
ich hôrte verre in einer klûs
vil michel ungebære:
dâ weinde ein klôsenære,
er klagete gote sîniu leit:
«ôwê, der bâbest ist ze junc: hilf, hêrre, dîner kristenheit!»

VORZEICHEN DES JÜNGSTEN TAGES

Nû wachet! uns gêt zuo der tac,
gein dem wol angest haben mac
ein ieglich kristen, juden unde heiden.
wir hân der zeichen vil gesehen,
dar an wir sîne kunft wol spehen,
als uns diu schrift mit wârheit hât bescheiden.
diu sunne hât ir schîn verkêret,
untriuwe ir sâmen ûz gerêret
allenthalben zuo den wegen:
der vater bî dem kinde untriuwe vindet,
der bruoder sînem bruoder liuget,
die uns ze himel solten stegen;
gewalt gêt ûf, reht vor gerihte swindet.
wol ûf! hie ist ze vil gelegen.

MORGENGEBET

Mit sælden müeze ich hiute ûf stên,
got hêrre, in dîner huote gên
und rîten, swar ich in dem lande kêre.
Krist hêrre, an mir werden schîn
die grôzen kraft der güete dîn
und pflic mîn wol durch dîner muoter êre.
als ir der heilig engel pflæge,
und dîn, dô du in der kripfen læge,
junger mensch und alter got,
dêmüetic vor dem esel und vor dem rinde,
und doch mit sældenrîcher huote
pflac dîn Gabriêl der guote
wol mit triuwen sunder spot:
als pflig ouch mîn, daz an mir iht erwinde
daz dîn vil götelîch gebot.

DER WAISE

Diu krône ist elter dan der künec Philippes sî:
dâ muget ir alle schouwen wol ein wunder bî,
wie s' ime der smitebene habe gemachet.
sîn keiserlîchez houbet zimt ir alsô wol,
daz sie ze rehte nieman guoter scheiden sol.
ir dewederez dâ daz ander niht enswachet.
sie liuhtent beide ein ander an,
daz edel gesteine wider den jungen süezen man:
die ougenweide sehent die fürsten gerne.
swer nû des rîches irre gê,
der schouwe, wem der weise ob sîme nacke stê:
der stein ist aller fürsten leitesterne.

NEUER LEBENSMUT

Dô Friderich ûz Ôsterrîche alsô gewarp,
dêr an der sêle genas und im der lîp erstarp,
dô fuorte er mînen kranechentrit in d' erde;
dô gieng ich slîchend' als ein pfâwe swar ich gie,
daz houbet hanhte ich nider unz ûf mîniu knie.
nû rihte ab ich ez ûf nâch vollem werde:
ich bin vil wol ze fiure komen,
mich hât daz rîche und ouch diu krône an sich genomen.
wol ûf, swer tanzen welle nâch der gîgen!
mir'st mîner swære worden buoz:
alrêrste wil ich ebene setzen mînen fuoz
und wider in ein hôchgemüete stîgen.

KÖNIG PHILIPPS KRÖNUNG