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Gesammelte Werke in drei Bänden (2/3) cover

Gesammelte Werke in drei Bänden (2/3)

Chapter 124: Finale
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About This Book

The volume gathers lyric poems ranging from intimate love meditations and psychological monologues to mythic and religious scenes, often balancing sensual longing with ethical or spiritual reflection. Imagery of nature, celestial light, dreams, and bodily sensation recurs, and many pieces stage inner dialogues or visionary awakenings that probe desire, guilt, and consolation. Formal variety includes short lyrics, ballads, dramatic monologues, and occasional longer sequences; a distinct section presents verse for children with playful, narrative vignettes. Overall the collection maps shifting moods—erotic intensity, existential unrest, tenderness, and resignation—through dense, image-driven language and recurring motifs of ascent, fall, and renewal.

Was kannst du gegen Träume, Mensch, die tückisch
selbst auch den Männlichsten, mit Engelshänden
oder mit Teufelsfäusten, in den Himmel
samt Hölle seines Kinderglaubens führen?
In solchem Traum erschien mir heute Nacht
der böse Feind und sah mich furchtbar an.
Er hatte das Gesicht von einem Freunde,
dem ich sein Weib in aller Freundschaft nahm,
und setzte auf mein wehrlos Herz ein Messer
und sprach — nein, was er sprach, vergaß ich schon.
Er sah mit Wollust, wie die rostige Spitze
auf meiner Haut im Takte meiner Pulse
sich hob und senkte, sah mich gierig an.
Ich aber bohrte meine blauen Augen
in seine braunen tief empor und sagte:
Wenn du mich kenntest, zögertest du nicht.
Und als sein Blick ineins mit meinem sank
und bläulich wurde, dacht ich: Wärst du nicht
der böse Feind, so müßtest du mich lieben,
ich habe dich von einer Last erlöst.
Was ich dir nahm, ist niemals dein gewesen;
was du mir nehmen kannst, war niemals mein.
Drum, wenn du mußt, so töte mich! mein Tod
wird dir viel weher tun als je mein Leben,
das Keinem weher tat als Mir — „Wach auf!“ —

Leiser Besuch

Eine treue Seele lag
still zuhaus mit krankem Leibe;
zwischen ihren Fingern staken
zwei drei blühende Weidenzweige,
und die Sonne schien aufs Bett.
Zögernd rührte sich die Hand,
tastete nach meinem Haupt;
aus den sanften Blütenfasern
fiel der gelbe Samenstaub,
wie am Morgen unsrer Liebe.
Trat ein Mädchen blaß herein,
brachte eine blasse Rose,
legte die gebeugte Blume
nieder neben meinem Schooße,
wie zum Abend unsrer Liebe.
Folgte eine hohe Frau;
rot von Nelken eingefaßt
duftete in ihrem Arme
goldgelb eine Ananas,
wie der Mittag unsrer Liebe.
Und die treue Seele sprach:
Sieh, aus allen Himmelsstrichen
bringt mir heute deine Liebe
Frucht und Blüten und Gerüche.
Und ihr stiller Ausblick stach
uns ins Herz.

Der Strauß

Nun nimm drei weiße Nelken du,
mein Weib. Und du, Geliebte, nimm
diese drei roten noch dazu.
Und in die nickenden Nelken tu
ich eine dunkelgelbe Rose.
Seht: ist es nicht ein lockender Strauß,
ganz Eins aus diesem schwarzen Tuch?
Und sieht so farbenfriedsam aus.
Und nur von doppeltem Geruch:
die je drei Nelken und die Rose.
Nein, laßt! entzweit den Stengelbund
nicht! laßt! Sonst scheint so kalt und tot
blos Gelb zu Weiß, und glüht so heiß
und brennt so wild blos Gelb zu Rot;
dann, ja, dann hass ich wohl die Nelken!
Dann hass ich wild das zahme Weiß
und hasse kalt die rote Glut,
wohl bis zur Mordlust! Ja, es tut
mir weh, daß von Geruch und Blut
so reizend gleich sind alle Nelken!
Was willst du so entsetzt? Nein, bleib,
Geliebte, nimm, still seh ich zu:
nimm jetzt die weißen Nelken Du!
und die drei roten Du, mein Weib!
und ich die dunkelgelbe Rose.

Finale

Da hast du dich von meiner Brust gelöst.
Doch als ich fürchtete, das Fest sei aus,
hobst du mir meinen Kranz auf,
meinen Kranz auf.