Wenzel
Es ist Neujahrsabend, und wir befinden uns im Stadttheater zu Twann, einem schon von den Römern gegründeten Städtchen, gelegen am Fuße einer hohen Bergkette. Wir wollen uns indessen nicht über die Geographie verbreiten, sondern den »Räubern« von Schiller zusehen, denn diese werden gespielt, mit diesem Stück beginnt man gewöhnlich zu Twann die Saison. Es wird feurig gespielt, wenigstens findet das Wenzel, ein junger Drahtfabriklehrling von ungefähr siebzehn Jahren. Er steht oder sitzt oben auf der Galerie, von der es allgemein heißt, sie drohe nächstens zusammenzustürzen. Der Gemeinderatspräsident visitiert mit Spazierstock und Augenmerk die Galeriebrücke schnell und bündig, dann geht er in seine Loge hinunter, die Schaukel- und Hängebrücke wird für diese Nacht schon noch fest genug halten.
Wie herrlich aufregend diese »Räuber« sind, und wie gehagelt voll das Theater ist. Etwas Grünes hat man auf der Bühne gesehen, das ist der Amaliapark gewesen, ein Degen ist blitzend gezogen worden, und ein dünnbeiniger Schurke Franz hat sich auf seine Fersen gelegt, das heißt, er hat vor dem Weib in Schwarz die Flucht ergriffen. Hundertfach schön sind die Worte gewesen: »Könige sind Bettler, Bettler Könige!« — Wenzel hat gezittert.
Dann hat es eine Nachtszene gegeben, mittelalterlich angehaucht, Franz ist im Nachthemd hervorgedechlet, von Gespensterfurcht gejagt. Und wie er sich dann solchermaßen, wie es der Autor vorgeschrieben hat, benimmt, sich am Boden wälzt und ungeheuerliche Worte ausspricht, brüllt ein Uhrschalenmacher von der Galerie hinunter: il est fou! Daraufhin gibt es einen Tumult. Der betrunkene Neujahrsbruder wird hinunter- und hinausspediert, drei andere haben sich auf ihn geworfen, das gibt natürlich ein Getrampel und Gefluche, und der Franz-Mime wirft von unten her einen zündenden, edlen Blick auf die Höhenszene hinauf. »Wie wenig Verständnis gibt es doch in der Welt für die hohe Kunst«, denkt Wenzel.
Von da an ist sein heimlicher Entschluß gefaßt: er will Schauspieler werden. Zufolgedessen begibt er sich in die Buchhandlung Rüfenach an der Neuquartierstraße, um Klassikerwaren einzukaufen. Er gibt Geld aus, ziemlich viel sogar, Geld ist zwar rar bei einem Lehrling, aber was tut man nicht für eine erstmalig aufbrausende Begeisterung! Und so schleppt er denn Schiller, Goethe und den großen Engländer unter dem Arm in seine Dachkammer, ins elterliche Haus, und beginnt mit dem Rollenstudium.
Er liest auch die aufreizenden Biographien großer Bühnenkünstler in der »Gartenlaube« und in »Vom Fels zum Meer« und im »Buch für Alle«. Diese nachher berühmt gewordenen Leute haben vorher alle scheinbar auch kein Talent gehabt, gerade wie Wenzel, der vorläufig auch noch keins hat, der schüchtern ist, gerade wie jene Großen, der arm ist, auch gerade so, der Eltern hat, die ihn nicht verstehen, gerade so! Aber die Berühmtgewordenen haben sich frühzeitig auf die Beine gemacht, um einen Beschützer ihrer Pläne zu finden. Wenzel will das jetzt einstweilen ebenfalls tun.
In der Stadt Twann lebt ein reicher Herr, Bankier seines Zeichens und Wappens, eine Art Dandy, der in kostbarem Anzuge zu Pferd durch die Straßen der Stadt reitet. Eine Art Fürst, von dem es bekannt ist, daß er die Künste liebt und freigebig ist. In der Nacht des St. Niklaustages wirft besagter Herr jedes Jahr Kleingeld unter die notleidenden Schulkinder. Nun, ein notleidender Kunstbeflissener paßt ihm vielleicht nicht weniger als die darbende Jugend. Kunst ist auch eine Art Jugend, und der Kunsthunger peinigt nicht weniger als der tatsächliche Durst und Hunger.
Und Wenzel entwirft folgendes Schreiben: Hochverehrter Herr! Ich wage es, eine Bitte auszusprechen. Ich habe den Wunsch, Schauspieler zu werden, ich denke, ich werde einer tüchtigen Ausbildung bedürfen. Ich muß sprechen und mich benehmen lernen, das kostet Geld. Würden Sie mir welches vorstrecken? Es wird viel von Ihrer Güte und Menschenfreundlichkeit erzählt. Ich bin im Drahtzuge beschäftigt, und wenn Sie sich über meine geringe Person erkundigen wollen — aber wozu das? Ich bitte Sie, nicht zu denken, ich bettle. Der Seelenernst, der mich veranlaßt, Ihnen zu schreiben, bittet; er kann nicht betteln. Tausend Franken würden genügen, ich kann Entbehrungen ertragen. Meine Liebe zur Kunst ist eine offene, ich weiß nicht, wie groß sie ist, aber ich messe sie auch nicht, ich leide darunter, also wird sie groß sein müssen. Die Beschäftigung mit der Lektüre der Klassiker hat mich mutig gemacht. Verzeihen Sie, daß ich glauben kann, Sie seien bereit, mir Geld zu geben. Entschuldigen Sie die Kühnheit eines Herzens, das denkt, es gebe hilfsbereite Menschen. Nehmen Sie mir diesen Ton nicht übel, der junge Schiller hat auch so gesprochen.
Hochachtungsvoll und hoffnungsvoll
Wenzel.
Der Brief wird abgeschickt. Unterdessen werden Rollen auswendig gelernt. Der junge Frohmutige bekleidet sich mit einer Samtweste, die sein Vater zu Hochzeiten getragen hat. Über die Schulter wirft er einen alten Onkelsmantel, der in einer Stadt am Mississippi erhandelt worden ist, und um die Hüften wird eine Glarnerschärpe gewunden. Der Kopf bekommt eine zweckentsprechende Bedeckung, es ist dies eine Pfanne aus Filz, geziert mit einer Wildentenfeder. Die Hand hat sich eine gräuliche Pistole zu verschaffen gewußt, und den Beinen haften Waldhüterstiefel an. Also ausstaffiert wird »Karl« eingeübt.
Da fliegt auch schon aus der Villa des Kunstfürsten Antwort zurück: »Lieber, junger Freund, hüten Sie sich vor Bühnenlaufbahnen, das ist trügerisch. Glauben Sie mir, daß ich Ihr Bestes will, wenn ich Sie davon abzuhalten versuche, in die Welt der großen Worte, der schönen Gebärden und der glänzenden Kostüme hinüberzutreten. Der Schein hat Sie verführt. Bleiben Sie ein fleißiger und bescheidener Bürger, und lesen Sie nur die Klassiker, aber ruhig und ohne den Inhalt dieser schönen Bücher ernster zu nehmen, als gesund und vernünftig ist.« —
Gesund und vernünftig. Das sind keine Worte, die ein heißes Kunstherz trösten oder beruhigen. Wenzel macht dem Direktor des twanner Stadttheaters einen Besuch, um diesen Mann zu ersuchen, ihn auf die Tournees mitzunehmen. Er könne ja auch Körbe schleppen oder Zettel vertragen. Er würde gesagt haben, er könne ja möglicherweise auch Schuhe putzen, aber er hat nicht den Mut, das zu den Lippen herauszustoßen. Ein spanischer Schnurrbart antwortet ihm: »Junger Mann, ich kann unmöglich die Verantwortung übernehmen.«
Viele achtzehn Jahre alte Menschen gibt es auf der Welt, einige lassen sich Rat sagen, aber andere hören auf kein noch so kluges Wort. Wenzel will seinen Kopf durchsetzen. Er schreibt: »Edler Herr und Meister!« und richtet unter diesem Titel einen Brief an einen hauptstädtischen, beinahe ganz großen Schauspieler. Hierauf kommt es zur Talentprobe. Ein paar verstaubte Lorbeerkränze hören dem Vortrag zu, eine Frau, die wunderbar an Norddeutschland erinnert und an die Romane in der »Gartenlaube«, und er selber, der donnersschön dastehende Mime, der ein Gesicht hat, das an eine Abbildung denken läßt. Dieser Besuch endigt wehmütig.
Zu Hause werden Maskenübungen vorgenommen. Wenzel versucht, Hamlet in der Dachkammer zu geben. Ferdinand in »Kabale und Liebe« geht wie von selber. Der Spiegel dient dazu, zu prüfen, ob man fähig sei, dem Gesicht verschiedene Züge und Charaktere zu verleihen. Oft wird das Haar in Unordnung geworfen, weil das malerischer ist und ein bißchen Trost vorschwindelt. Auch bindet Wenzel selbstgeschnittene Seidenreste um den Halskragen, das kleidet und versetzt um ein ganzes Jahrhundert in die Zeiten zurück. Die Berge werden bestiegen, und hübsche, runde Weidenplätze, die die Natur anmutig gebildet hat, müssen als Schaubühne dienen. Rundum sind Tannen, und oben ist Himmel, und mitten drin steht der angehende und anlaufende Schauspieler Wenzel. Eines Tages tritt er dem Dramatischen Verein von Twann und Umgebung bei.
Ein Doktor der Literatur und Redakteur des »Expreß« leitet die Unternehmung. Wenzel findet ihn trocken und anmaßend. In einem hellerleuchteten Saal werden Übungen abgehalten, und der Doktor korrigiert an den Sprachausdrücken herum. Eine Heroine ist auch da, sie heißt Fräulein Sturm, und eine komische Alte, diese ist zwanzig Jahre alt und hat eine Stumpfnase und heißt Fräulein Knuchel. Sie hätte auch lieber das tragische Fach genommen, aber man hat gelacht über ihre Schmerzen und hat sie ins Komische geworfen. Wenzel gibt man ein historisches Trauerspiel »Niklaus Leuenberger« zum in die einzelnen Rollen Abschreiben, er nimmt das Manuskript nach Hause.
Eines Abends nach dem Nachtessen will es der Vater ins Feuer werfen. Wenzel verteidigt das Manuskript, einem Löwen nicht unähnlich, bedeckt es mit der schützenden Hand und ruft aus: »Bist du ein Barbar, Vater, daß du Werke anerkannter Dichter zerreißen und in den Ofen werfen willst? Was haben diese schönen, armen Papiere dir zuleide getan? Gib lieber mir Prügel, wenn du zornig auf eine Beschäftigung bist, die du, wie es scheint, nicht zu würdigen, nur zu hassen imstande bist. Meinst du, mich von meinen Plänen abspenstig gemacht zu haben dadurch, daß es dir gelungen wäre, eine Tat der Wut und Unklugheit zu begehen? Was willst du? Ohrfeige mich, aber rühre diese schriftstellerische Arbeit, deren Wohlaufgehobenheit mir heilig ist, nicht mit der Hand an. Außerdem verdiene ich mit Abschreiben Geld. Wie kann man sich gegen eine unschuldige dramatische Dichtung derart ereifern, daß es einen gelüsten kann, sie zu vernichten. Du tätest besser daran, mir die Ideen, von denen es in meinem Kopfe wimmelt, aus demselben herauszuschlagen, aber wie ist das möglich, ohne mir diesen Kopf einzuschlagen? Wisse, Vater, Schauspieler habe ich werden wollen, und Schauspieler will ich auch heute noch werden. Was gilt mir die väterliche Zuneigung, wenn sie nicht anders kann, als dasjenige zu hassen, und bestrebt ist, dasjenige auszurotten, was mir das Liebste und Bedeutendste auf der Welt ist? Wie kann ich jemals von dem Fieber, das mich ergriffen hat, durch so unpassende Heilmethoden, wie die sind, die du dir anzuwenden erlaubst, geheilt werden, und wie ist es denkbar, daß Liebe zur Kunst nur ein Fieber ist? Und wenn! Deine Angriffe können mich niemals von der Schädlichkeit dieses Übels überzeugen, da müßtest du mir viel leidenschaftsloser begegnen. Leidenschaft gegen Leidenschaft, Krankheit gegen Krankheit! Ja, ich erlaube mir, das einen Fanatismus zu nennen, den Ungestüm, mit welchem du bemüht bist, die höhere Bildung, der ich mich hingegeben habe, mit Händen und Fäusten zu ersticken. Ist es ein Unsinn, wovon ich entflammt bin, nun gut, so wird er sich mir eines Tages in seiner wahren Gestalt und Stimme vorstellen, ich werde den Kunstgedanken dann aufgeben und trostlos sein. Dein Benehmen, lieber Vater, macht mich nicht unglücklich, sondern zornig, und jetzt erlaube mir, das Zimmer und den Schauplatz einer unschönen Szene zu verlassen und in meine Dachkammer hinaufzugehen.« So endet eine grimmige Attacke auf ein Bühnenmanuskript.
Ein anderer Auftritt, der bald hierauf stattfindet, gestaltet sich viel weicher, aber dafür viel schmerzlicher. Der Ort der Handlung ist die Küche. Wenzel hilft seiner Schwester Mathilde beim Geschirrabtrocknen. Diese sagt: »O, Wenzel, ich glaube halt doch nicht so recht an dein Talent. Denke doch nur an den eleganten jugendlichen Liebhaber von Müller. Du mein Gott, was bist du für ein grobes, gewöhnliches Kräutchen dagegen. Was hast du für Manieren. Glaubst du, mit dem bißchen Begeisterung, das du hast, auf die Welt der Bretter hinaufgelangen zu können? Sieh dich doch an! Oder glaubst du, du kämest aus in der großen Welt mit deinen paar Maria-Stuart-Rollen, oder Mortimer, oder wie der Herr heißt, den du immer beim Schuhwichsen vor dich her deklamierst? Ich kann mir das nicht so recht denken. Hast du jemals Handschuhe getragen? Du bist ja doch zu so etwas viel, viel zu schüchtern. Du kannst nicht einmal den Mund auftun, wenn meine Freundinnen da sind, wieviel weniger auf offener Bühne vor aller versammelter Welt Augen. Das mag für andere das Leichteste sein, für dich aber ist es schwer, glaube mir das. Mach du lieber Gedichte.«
Wenzel erwidert: »Ich weiß wohl, wie unfertig und unbeholfen ich bin. Aber ich meine, es kommt in der Kunst allein auf das freche Maul auch nicht immer an. Was sind das für Künstler, deine jugendlichen und ältlichen Herren Liebhaber, von denen du mir da vorredest, diese von Beck und von Müller und von Almen. Soviel wie die kann ich bald auch noch. Aber freilich, ein glänzendes Auftreten, unverfroren wie nichts in der Welt sonst, das besitzen sie. Da kann ich ihnen lange nachspringen, bis ich sie nur eingeholt, geschweige denn überflügelt habe. Das ist allerdings traurig. Aber wenn du mir zumutest, statt an den schönen Schauspielen zu hängen, Gedichte zu machen, so muß ich dir meinerseits danken.«
Der Dramatische Verein führt ein Stück von Schönthan auf. Wenzel soll einen prinzlichen Lakaien spielen, der unter anderem eine Ohrfeige hinzunehmen hat. Nein, das kann er nicht spielen, das ist zu elend. Das verletzt zu sehr. Er flüchtet am Aufführungsnachmittag in die Berge. Der wilde, kalte Wind braust, die hohen Tannen biegen und beugen sich, wie gut und natürlich ist das, im Vergleiche zum ohrfeigengewärtigenden Lakaien. Er bleibt der Vorstellung fern, es ist zu dumm, zu vernichtend, zu nichtswürdig, er kann nicht. »Habe ich solchermaßen Liebe zur Bühne?« denkt Wenzel, »ist das Liebe?« Die Rolle ist ihm nicht gut genug, und da fragt er sich nun, ob das der Beweis seiner Unfähigkeit sei, auf der Bühne aufzutreten. Sein Gewissen sagt ihm: »Die Liebe und die Leidenschaften vertragen alles, auch eine Ohrfeige.«
Nach Verlauf zweier Monate befindet sich Wenzel in einer entfernten größeren Stadt, er verdient sich sein Leben in einem Speditionsgeschäft, er bezieht Gehalt, er spart, er nimmt Unterricht, regelrechten, bei einem anerkannt tüchtigen Heldenspieler. Jetzt wird die Sache doch wohl endlich vorwärtsgehen. Er macht Lungen-, Zungen-, Lippen- und Atemübungen und lernt Vokale und Konsonanten richtig und deutlich aussprechen. Es imponiert ihm, wie methodisch der Unterricht sich vorwärtsbewegt, und der Schauspieler sagt ihm: »Sie machen Fortschritte«. In diesem Moment erhält der Lehrer und Erzieher folgenden Brief vom Vater Wenzels:
An den Schauspieler Jank.
Sie geben meinem Sohn Unterricht. Diese Neuigkeit ist mir zu meinem großen Leidwesen durch dortige Verwandte, bei denen Wenzel, dieser, wie es scheint, höchst Ungeratene, in Kost und Logis lebt, zugegangen. Sie sollen das nicht tun, Sie sollen das schleunigst aufgeben. Der leidigen Affären habe ich mit meinem Sohne nun schon genug gehabt. Traurig ist, daß Sie, an den sich der Schlingel heranzumachen verstanden hat, denselben nicht augenblicklich fortgeschickt haben, sondern ihn, wie ich erfahre, unterstützen im Glauben und in der Vorliebe für Dinge, die in meinen und anderer gesetzt lebenden Menschen Augen von jeher als unanständig gegolten haben. Das fehlt noch, daß mein Sohn, als ein Sproß braver, bürgerlicher Eltern, zu den Lumpenkomödianten übertreten sollte und sich zu den Gesellen zählen müßte, die die Schande, in welcher sie herumlottern und leben, gar noch für etwas Gutes und Erlaubtes halten. Ich kann mir denken, daß es Ihnen willkommen ist, einen Nebenverdienst durch Unterrichtgeben zu gewinnen, aber der Unterricht, den Sie und die Leute Ihrer Verfassung und Umgebung erteilen, schadet, er ist etwas Sündhaftes, er wirkt verderblich auf Moral und Charakter. Wer Sie sind, weiß ich nicht, es genügt, daß ich das Gefühl habe, Sie gehören zu denjenigen Menschen, deren Stellung in der Welt keine, deren Tun unvertrauenswert und deren Lebensweise eine tief zerrüttete ist. Ich habe angedeutet, zu welcher Klasse von Leuten gehörig ich Sie vermute. Wenzel ist ein Taugenichts und verdiente, bei Ihnen gelassen zu werden. Vielleicht haben Sie soviel letzte Ehre, Herr Schauspieler und Bühnenkomödiant, auf diese Worte den Bengel die Treppe hinunterzuwerfen, anderenfalls steht mir die Hilfe der Polizei zur raschen Verfügung.
Achtungsvoll
der Vater von Wenzel.
Der gesegnete Unterricht hat damit ein Ende. Der Heldenspieler sagt zu Wenzel: »Sehen Sie, ein solcher Mensch ist Ihr Vater. Ich kann ihn verklagen, wenn ich will, aber ich tu's nicht. Seine Beleidigungen treffen mich nicht, und damit ist es gut. Er hat von uns Künstlern die Meinung eines borniert-bürgerlich denkenden Menschen, und es fragt sich, wer von uns beiden der bessere und gutwilligere Staatsbürger ist, ich oder Ihr Herr Vater.«
Wenzel geht nach Hause und macht seinen Tanten, bei denen er wohnt, Vorwürfe. Er sagt: »Was habt ihr euch in meine Kunstzwecke und -ziele einzumischen gehabt? So! Jetzt ziehe ich von euch weg, habt ihr verstanden? Die guten Konfitüreomeletten, die man hier ißt, sind kein genügender Grund, sich ruhig die Verbindungen mit so vortrefflichen Leuten, wie dem guten Heldenspieler, abknüpfen und abknipsen zu lassen. Meinetwegen eßt sie selber. Ich bin alt genug, daß ich im Restaurant essen und wohnen kann, wo es mir behagt. Zum Ersten ziehe ich aus. Und in dieser Stadt bleibe ich überhaupt nicht mehr sehr lange. Sie ist mir verleidet.«
In der Tat, Wenzel reist bald ab. Er packt seine Schauspielergedanken in seinen Handkoffer, auch die Klassiker vergißt er nicht. Er fährt nach dem Schwabenland. Dort hat man ihm aber eines Tages dann ganz gehörig die Meinung gesagt, es hat einfach geheißen: »Junger Mann, von wo Sie auch abstammen, gut oder minder gut bürgerlich, Ihnen fehlen die göttlichen Funken!«