49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei.
a. Die Entstehung des Gewerbes.
Der Name Köhler gehört so recht dem Erzgebirge an, wo das Kohlenbrennen seit Jahrhunderten für zahlreiche Bewohner einen Erwerbszweig bildete, der noch in der Gegenwart, freilich bedeutend sparsamer, in den oberen Waldbezirken, bei Zöblitz, Hirschenstand, Carlsfeld und Morgenröte, bei Göttersdorf in Böhmen und anderwärts angetroffen wird.
In der Geschichte und in den Sagen treten wiederholt Köhler auf. Der Köhler Georg Schmidt befreite am Fürstenberge bei Schwarzenberg den Prinzen Albert aus den Händen des Kunz von Kaufungen; ein Köhler soll im Jahre 1458 im Walde beim Abräumen seines Meilers ausgeschmolzenes Zinn gefunden haben, was Veranlassung zur Gründung der Bergstadt Altenberg gab. Köhler haben sich nach der Sage zur Zeit der Hussitenkriege im Walde, da wo jetzt Crandorf liegt, ihren Kohlenkram, d. h. Hütten aufgebaut, weshalb man den daselbst entstandenen Ort zuerst Kram- und später Crandorf genannt habe.
Als im Gebirge an zahlreichen Orten Eisenhütten entstanden, brannte man auch überall in deren Nähe das Holz zu Kohlen, da diese zum Ausschmelzen der Erze nötig waren. In der 1697 erneuerten kurfürstlichen Holzordnung von 1560 wurde aber bestimmt, daß die Köhler das Holz nicht mehr selbst schlagen lassen durften und das Kohlenbrennen nur noch vom 25. März bis 16. Oktober zu gestatten sei.
In früherer Zeit wurden die Kohlen da und dort auch in muldenförmigen, ungefähr einen Meter tiefen Gruben gebrannt, in welche man Reisig und Holzabgänge warf, diese dann anzündete und mit Erde bedeckte. Man erhielt auf diese Weise die sogenannten Grubenkohlen. Das gebräuchlichste Verfahren bestand aber, wie noch jetzt, im Verkohlen aufgebauter Meiler. Die größeren Kohlen wurden zur Verwendung für die Zerrennfeuer, durch welche das Schmelzen des Eisens, um es weicher und geschmeidiger zu machen, wiederholt ward, mit Dreschflegeln in kleinere Stücke zerschlagen.
Es wird den Köhlern das Verdienst zugeschrieben, den Wald nach und nach urbar gemacht und das Dorf Ansprung, welches im 16. Jahrhundert Aschberg hieß, gegründet zu haben. Es haben aber gewiß auch die Aschebrenner ihren Anteil an der Besiedelung der Gegend; der Name dürfte auf das frühere Äschern, d. h. Aschebrennen zu Pottaschebereitung, zurückzuführen sein.
Ehemalige Meilerstätten trifft man noch häufig im Gebirge an; manche derselben stammen jedenfalls aus sehr alter Zeit. In der Mitte einer Meilerstätte ward eine Stange eingeschlagen. Unten hin legte man trockenes »Zünderholz«, dann wurden Stöcke rundum aufgeschichtet; obenauf legte man schräg Scheitholz, sodaß das Ganze wie ein gewölbter Backofen erschien. Die Eindeckung erfolgte mit Fichtenreisig, Erde und Rasen. Der Köhler hat mittels der Zündlöcher für Gleichmäßigkeit im Brande zu sorgen. Mit dem Schürbaum stößt er Löcher in die Decke, um nachzufüllen. 10 Tage dauert die Arbeit. Einfach ist die Köhlerhütte in seiner Nähe.
Nach Dr. Köhler.
b. Eine Köhlerwohnung in alter Zeit.
Umkränzt von riesigen Fichten rauchten und dampften kegelförmig gebildete Meiler, und an die gewaltigen Baumstämme lehnten sich niedrige, kunst- und schmucklos von eigner Hand erbaute Lehmhütten, vor den brausenden Waldstürmen der Höhe Schutz suchend, an.
Höchst einfach, nach unseren Begriffen mehr als ärmlich, sah es in diesen Hütten aus. Von Dielen erblickte man keine Spur, nur in der Mitte erhob sich ein Tisch von ungehobelten Brettern auf vier in die Erde eingeschlagenen Pfählen, umgeben von einigen gleichartigen Bänken und Holzschemeln.
In einer Ecke stand der Ofen, wenn man eine Vertiefung im steinigen Boden, von einigen Mauersteinen umgeben, so nennen will, in welchem fast beständig ein helles Feuer brannte, bei dem die einfachen Gerichte gekocht oder gebraten wurden. Einige rußige Töpfe und unförmliche Tiegel, sowie hölzerne Teller und Löffel waren das einzige Haus- und Küchengeräte. Schlösser an den Thüren wären unnötig gewesen; denn wer sollte aus jenen Lehmhütten in finsterer Nacht etwas Erhebliches stehlen? – Unter dem Dache standen die Betten, unter welchen man sich kunstlose Lagerstätten von Waldmoos, Heu oder Stroh auf rohen Dielen zu denken hat. Eine Esse hielt man ebenfalls für überflüssig, denn der Rauch fand durch die verschiedenen Ritze in der Thür und in den Wänden einen ganz gemütlichen Ausweg. Die Stelle der Fenster ersetzten einige viereckige Löcher in der Wand, durch die der goldene Sonnenstrahl die inneren Herrlichkeiten erleuchtete und welche bei stürmischem Schnee- und Regenwetter mit einem Brette verschlossen wurden.
Nach Müller.
c. Das Harzen in früherer Zeit.
Lehmann berichtet: »Es heißt insgemein der ganze böhmische gegen Meißen zu an der Zschopau und an dem Schwarzwasser bis über den Wiesenthalischen Fichtelberg Harz- oder Schwarzwald, davon jährlich 1000 Zentner Pech abgeharzt wurden.« Besonders die Crottendorfer harzten viel und zogen handelnd in die Fremde und blieben oft Jahre aus. Das Harzen erpachteten die Schwarzenberger im 16. Jahrhundert von den Tettaus. 1648 wurde das Zinspech in Geld verwandelt. Die Pechgewerken hatten 80 fl Zins abzustatten. Vor alters mußte der fünfzehnte Zentner Zinspech ins kurfürstliche Amt geliefert werden. 1666 waren die Hölzer so verhauen und verkohlt, daß man kaum zwei Zentner Pech herstellen konnte.
Die Rinden der Bäume wurden mit dem Harzeisen der Länge nach aufgerissen. Im folgenden Jahre wurde das ausgetriebene Harz abgeschabt. In der Pechhütte ward es in Kesseln gesotten und dann in Formen gegossen.
50. Der ehemalige Zinnbergbau.
Gegenwärtig beobachtet man noch an manchen Orten unseres Obererzgebirges Raithalden, das sind Anhäufungen tauben Trümmergesteins, das nach dem Zinnseifen oder Auswaschen des Zinnerzes übrig geblieben ist. Diese Halden sind durchwühlt worden. Durch Zuführung von Wasser wurde aus ihnen nicht nur das Zinnerz, sondern auch die Feinerde ausgeschieden. Nach Mathesius in Joachimsthal führte der Zinnwäscher Wasser in zinnhaltige Gebiete und stach eine torfähnliche Masse. Grobe Stoffe und Steine warf man mit der Gabel heraus. Der gute Stein setzte sich dann zu Boden. Man reiniget ihn, um dann das Zinn zu gewinnen. Diese Seifen befanden sich besonders in flachen Thalmulden. Außer Zinnstein fand man auch Topas, Opal, Beryll, letzten besonders im Denitzgrunde bei Eibenstock. Auch Goldkörner fand man, so 1733 am Auersberge eins von 13 Aß Gewicht, das in demselben Jahre dem Kurfürsten bei der Huldigung in Freiberg überreicht wurde.
Sehr zahlreich waren die Seifenwerke im Gebiete von Schneeberg und Eibenstock. Zahlreich waren auch im 17. und 18. Jahrhundert die Seifen in der Umgegend des Dorfes Bockau. Da hat man in jedem Thälchen nach Zinnerzen gesucht. Das geschah im ganzen Gebirge bis nach Johanngeorgenstadt hinauf.
Besonders bemerkenswert sind die Seifen bei Geyer und Umgebung, die zu den ältesten gehören. Der jetzt durch seine Spielwaren weit bekannte Ort Seiffen verdankt seine Entstehung auch dem Zinnbergbau.
Nach Dr. Köhler.
51. Der ehemalige Silberbergbau.
a. Altes Berglied.
Ein Bergmann:
Fahrt und Sprossen wohlverwahrt,
Seil und Kübel eingehenket,
Ist des edlen Bergmanns Art,
Daß er mit Schlegel und Eisen
Mag seine Kunst erweisen!
Der volle Chor:
Mag seine Kunst erweisen!
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden,
Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech,
Dann wirst du wohl finden
Steiger, Häuer und die Knecht!
Chor:
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht,
Fahr ein die Schächtlein tief und lang,
Dann wirst du wohl finden
Einen schönen Silbergang.
Chor:
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
Da saßen die lieben Engelein und wachten dort.
Sie thun mich recht lehren und weisen,
Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen.
Schlag ich darauf mit allem Fleiß,
Daß von mir abdringt der Schweiß,
So bin ich doch derhalben nicht
Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah,
Das Herzlein darauf thät lachen.
Chor:
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ,
Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände.
Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
Chor:
In das himmlische Zelt.
Chor:
In das himmlische Zelt.
Hurra! – Glückauf!
b. Die Namen der Zechen.
Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen eigenen frommen Glauben an die göttliche Allmacht, zum Teil auch aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf, Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere. Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein. Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom »Eselein, streck' dich« zu erblicken.
Nach Dr. Bachmann.
c. Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.
Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12. Jahrhundert in unserem Sachsen zunächst der Freiberger Bergbau durch den Zuzug Goslaer Bergleute aus dem Harz begründet worden sei. Nach seinen ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz, heißt heute noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest, daß umgekehrt im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute aus dem Obererzgebirge und namentlich aus dem westlichen Teile desselben, der Gegend von Freiberg, Annaberg und Schneeberg, nach dem Oberharz gezogen sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich der Bergstädte Andreasberg, Clausthal, Zellerfeld, Wildemann, Lautenthal und Altenau gegeben haben. Zwar war schon im 13. Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, auch auf dem Oberharz um das Kloster Celle her der Bergbau in Blüte gekommen, aber dieser verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis bald kaum noch eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. Erst im Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung wieder herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus Goslar, das vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den im Oberharz gebietenden Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem Mansfeldischen, sondern man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich zu diesem Zweck nach dem Erzgebirge gewendet, daß von dort her die ohnedies stets wanderlustigen und auf jedes »neue Geschrei« hin leicht beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, das wird, soweit es nicht urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen.
Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf dem Oberharz um Stollenbau, auf welchen sich damals eigentlich nur »Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in aller Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg, Schneeberg, Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus diesen Gegenden nach allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin ihr Bergrecht mitgebracht hätten, ja selbst in Calcutta, im fernen Indien, finden wir solche und kaum 40 Jahre nach der Entdeckung Amerikas im Dienste der Welser auf dem fernen San Domingo. Die Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, Bergmeister etc. aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich bezeugt, und es versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, sondern zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch Sitte der Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat gefiel und daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen, und so entstand in dem Jahrhundert von 1520–1620 etwa eine größere Kolonie von aus dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit eine Sprachinsel mit oberdeutscher Mundart mitten in dem sonst niederdeutsch sprechenden Gebiet. Diese oberdeutsche Mundart aber ist die des Erzgebirges, und zwar des westlichen Teiles desselben, und das ist der Hauptbeweis für die Herkunft der ursprünglichen Bewohner jener Harzstädte aus unserem Erzgebirge.
Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und Obererzgebirgischen in der That ganz außerordentlich groß und gemeinsame Abstammung unabweisbar ist.
Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben Grubennamen im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich auch um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere häufig, die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge reiche Ausbeute gebracht hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der stolzesten Schneeberger Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber auf 40 Tonnen Goldes, d. i. 4 000 000 Thaler, geschätzt wurde, auch im Harz vorkommt, ebenso die »St. Anna«, die in Schneeberg schon 1478 gewaltig »schüttete« und 1528 von allen Gruben die größte Ausbeute gab.
Nach Dr. Bochmann.
d. Die bergmännischen Werkzeuge und sonstige Einrichtungen in früherer Zeit.
Im Jahre 1497 findet man schon Spuren von den Kunstgezeugen in der Schneeberger Gegend. 1504 bestand ebenda der erste bekannte Pferdegöpel. 1512 führte Sigismund von Maltitz auf Dippoldiswalde die nassen Pochwerke zuerst daselbst ein. Seit 1529 waren gedruckte Ausbeutebogen, seit 1533 sind Anschnittzettel statt der Kerbhölzer üblich. 1550 wurden die Stangenkünste eingeführt, 1551 die Bergquartale statt der vorherigen Drittale, mit Ausschluß des Obergebirges, wo man schon seit 1477 nach Quartalen rechnete. Im Jahre 1555 wurde das Rohschmelzen erfunden; in die Jahre 1540 bis 1560 fällt die Aufkunft der Blaufarbenwerke. Im Jahre 1561 nahm die Stollnmaurung ihren Anfang, 1567 die Grubenmaurung durch den Bergmeister Martin Plauer in Freiberg. Vom Jahre 1578 schreibt sich die Anordnung des Gebets auf den Gruben her. 1613 wurde das Sprengen mit Pulver eingeführt. Seit 1649 stiftete man Quartal-Bergpredigten. In den Jahren 1710–1717 wurde die General-Schmelz-Administration eingeführt. Mit dem Bergbohren machte damals man die ersten bekannten Versuche. 1731 schaffte man beim Rechnungswesen die Meißnischen Gülden ab. 1765 ist die Freiberger Bergakademie gegründet worden. Im Jahre 1768 ward das Tragen der Berguniform verordnet und 1788 die Entführung der Amalgamation versucht.
Der erzgebirgische Bergstaat zerfiel am Anfange unsern Jahrhunderts in das Oberbergamt und in das Oberhüttenamt zu Freiberg. Unter ersterem standen die Oberzehntner- und Austeilämter in Freiberg und im Obergebirge, wo wir finden die Bergämter Annaberg, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal.
Außer den Steigern giebt es: Kunstarbeiter, Ganghäuer, Helfersknechte, Zimmerlinge, Doppelhäuer, Lehrhäuer, Siebsetzer, Treibeleute, Haspelmeister, Nachtpocher, Gruben-, Wasch- und Scheidejungen. Eine Schicht umfaßt 4, 6 oder 8 Stunden. Im Annaberger Bergamte gab es 5 Schichten die Woche, weil Sonnabend frei war.
Die Häuerglocke forderte zum Anfange auf. Seit 1595 wurde im Hut- oder Zechenhause vor Beginn Betstunde gehalten. Im Huthause wohnt der Steiger, der das Werkzeug bewahrt.
Ist ein Arbeiter alt oder krank, so heißt er bergfertig. Die Büchsenpfennige fließen in die Knappschaftskasse.
Ehemals gab es in jedem Bergamte einen verpflichteten Rutengänger. Für die Bergleute sind auch Getreidemagazine angelegt worden. Sie sind frei von allen Abgaben.
Schon der Bergknabe vom 6. Jahre an kennt und übt den Fleiß als eine der ersten Tugenden, und dadurch wird sie dem Bergmanne gleichsam zur andern Natur. Die Poch- und Scheidejungen müssen bei Karbatschenstrafe oder Vogelbolzen täglich ihre bestimmte Zahl Körbe voll Erz pochen, ja sogar die Feiertage in den Wochentagen nach und nach mit einbringen. Sie treiben einander häufig durch Wetten an. Wer z. B. zum Johannisfeste am ersten mit der bestimmten Arbeit fertig ist oder Schicht hat, heißt König oder Staatslümmel und wird, mit Blumen oder Kränzen behangen, unter dem Vorantragen einer roten Fahne mit Ehrenbezeigungen nach Hause geführt. Den aber, der zuletzt Schicht hat, nennt man den faulen Lümmel und begleitet ihn, ihn mit diesem Namen neckend, nach seiner Wohnung.
Ein Schacht ist eine viereckige Öffnung, die senkrecht in die Erde führt. Dahinein führen Fahrten oder Leitern. Die Absätze zum Ruhen heißen Böhnen. Das Innere ist ausgezimmert oder ausgemauert. Die Stolln führen wagerecht ins Gebirge und dienen zum Wasserabfluß, zur Zuführung frischer Luft und Abfuhr des Erzes auf Hunden.
Gänge nennt der Bergmann nach ihrem Gehalte edel oder taub, mächtig oder leer.
Fäustel, Schlägel, Bohrer sind Werkzeuge des Bergmanns. Das Zutagefördern geschieht mit dem Haspel, an dem durch einen an dem Seile hängenden Kübel die Erze emporgewunden werden. Tiefe Gruben brauchen den Göpel, welchen Pferde oder Wasser treiben. Das Wasser heben die »Künste« empor, deren Pumpen durch Räder getrieben werden.
Bergbauanteilscheine heißen Kuxe.
Im Berggebiete war das Holz ein wichtiges Bedürfnis. Das Auszimmern der Schächte und Stolln, der Wasser- und Maschinenbau, die Schmelzöfen, Schmiedehammer, Siedewerke, Pechhütten und dergleichen verschlangen viel Holz. Schon im Anfange des 15. Jahrhunderts merkte man das. Der Bergbau, das damalige weit stärkere Brauwesen, die häufigen Brände nagten um die Wette an dem Kern der Waldungen. Hierdurch wurden die ersten Flößen aus holzreichen in holzärmere Gegenden veranlaßt.
Steinkohlen benutzte man erst in der Mitte des 16., Torf im Anfange des 17. Jahrhunderts.
Der erste sächsische Fürst, der vom Bergsegen den besten Gebrauch machte, war der Kurfürst August. Er ließ herrliche Schlösser bauen, kaufte große Güter an, richtete nützliche Anstalten ein, rief Künstler und Handwerker ins Land und sorgte bei alledem noch für seinen Schatz. Unter ihm erhielt das Bergwesen weit bessere Einrichtung, und er ist als der eigentliche Gesetzgeber des Bergwesens zu betrachten.
e. Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues.
1. In seiner Blütezeit.
Erwiesenermaßen ist der Freiberger Bergbau der älteste unseres Landes, und zwar fällt die Entdeckung der Freiberger Erzgänge in die Zeit zwischen 1162 und 1170. Die Sage von dem Goslarer Fuhrmann weist auf Bergleute aus dem Harze hin, von wo auch eine Einwanderung bergbaukundiger Sachsen in unser Erzgebirge in den Jahren 1167 und 1181 im Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen Heinrich dem Löwen und den niedersächsischen Fürsten und Städten erfolgte. Um diese Zeit regierte Otto der Reiche in Sachsen. Die beginnende Ausbreitung des Bergbaues tritt im ganzen in Wechselbeziehung zu der fortschreitenden Besiedelung unserer Gegend, das heißt, entweder begann man da, wo deutsche Niederlassungen auf dem Waldgebirge entstanden, nach Erz zu graben oder der Erzsucher schweifte mit seiner Wünschelrute durch die Bergwildnis, und da, wo er Erzgänge erschloß, entstanden neue Niederlassungen.
Im 13. Jahrhunderte finden wir die Herren von Waldenburg bereits im Besitze von Silberbergwerken zu Wolkenstein und von Zinn- und Silbergruben auf dem Sauberge bei Ehrenfriedersdorf. Mit dem Tode Heinrichs des Erlauchten, 1288, schließt die erste Glanzzeit des Freiberger Bergbaues. Dann kommt die Zeit, in welcher die Menschen in den Schoß der Erde eindringen müssen. Der beschwerliche Schacht- und Stollenbau ward nun erforderlich. Aus den Jahren 1335 und 1339 stammen dann die ersten Nachrichten über den Bergbau in dem unter die Burggrafen von Meißen gehörigen Gerichte Frauenstein, sowie in dem zur Grafschaft Hartenstein gehörigen Gebiete des Klosters Grünhain.
Im 15. Jahrhunderte kam neues Leben in den Bergbaubetrieb durch das Fündigwerden der mächtigen Erzgänge auf dem Schneeberg. Damit beginnt die zweite Blütezeit des erzgebirgischen Bergbaues. 1606 wurde eine neue Bergordnung von den Landesherren erlassen.
Im Gebiete der Herren von Waldenburg fand ein lebhafter Bergbaubetrieb um das Jahr 1407 bei Wolkenstein, Ehrenfriedersdorf, Thum, Geyer und Zschopau statt. Als 1470 bei Schneeberg das Hauptsilberlager erschlossen wurde, da verließ der Bauer Acker und Pflug, der Handwerker Werkstatt und Heimatsort; alles strömte hinauf nach dem Schneeberg, um dort das erträumte Glück zu erjagen. Einzelnen gelang es; Hunderte kehrten als Bettler, getäuscht und verspottet, nach Hause zurück. Am Schneeberg sanken die uralten Fichten- und Eichen-, Buchen- und Ahornwälder unter der Köhleraxt dahin; sie alle verschwanden in den gierigen Schloten zahlloser Schmelzhütten. Am Anfange des nächsten Jahrzehntes begann ein Herr von Schönburg-Glauchau in Beierfeld bei Schwarzenberg nach Silber zu graben und den schon früher betriebenen Bergbau am Galgenberge bei Elterlein fortzusetzen. Im Jahre 1484 sehen wir weiter ein Bergwerk, die »Mönchsgrube« bei Wüstenschletta, später Marienberg, in Betrieb, während ein Jahr später eine ältere, am Eisenberg bei Geyer gelegene Fundgrube wieder aufgethan wird. Schließlich werden in derselben Zeit noch die Orte Breitenbrunn, Breitenbach, Ober- und Niederjugel in Urkunden erwähnt. Nicht minder zahlreich sind endlich aber die Zeugnisse von einem lebhaften Bergbaubetriebe zu Ehrenfriedersdorf, Wolkenstein, Grünhain u. a.
Aber alle die genannten Bergwerke erlangten nicht die Bedeutung, wie der gleichfalls inzwischen erschlossene Annaberger Bergbau. Am Pöhlberge ist schon 1442 auf St. Briccius Silber gefunden worden. Die erste sichere Nachricht stammt aus dem Jahre 1483. Der eigentliche Annaberger Bergbau aber knüpft sich ja an den Schreckenberg. Erst vom 31. Juli 1492 hat sich eine Urkunde erhalten, in der den Gewerken am Schreckenberge eine Münzfreiheit auf 6 Jahre gewährt wird. Die entstehende Ansiedelung erhielt unterm 28. Oktober 1497 Stadt- und Bergrecht und am 22. März 1501 den Namen St. Annaberg. Es entstanden alsbald zahlreiche Zechen; allein in den Jahren 1496–1499 waren es 51; in der Zeit von 1496–1530 sind nicht weniger als 380 Zechen in Betrieb gewesen. Neben dem Schreckenberge werden aber auch schon 1497 Bergwerke zu Buchholz genannt.
Der Eisenbergbau blühte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, namentlich im Gebiete des Klosters Grünhain, sodaß sich der Abt dieses Klosters einen eigenen Bergmeister hielt und zu Elterlein und Waschleite seine Eisenhämmer besaß. Schließlich mag zum 15. Jahrhundert auch noch des beginnenden Kohlenbaues gedacht werden, insofern, als das schon genannte Kloster Grünhain um die Mitte dieses Jahrhunderts im Gemeindewald zu Bockwa bei Zwickau ein Kohlenbergwerk besaß, von dem es den Kohlenzehnten erhob.
Das darauffolgende, das 16. Jahrhundert, war der Entwickelung des erzgebirgischen Bergbaues im allgemeinen günstig, indem die Landesfürsten, wie Herzog Georg der Bärtige, Heinrich der Fromme und Moritz in den zuständigen Gebieten, nachmals aber Kurfürst August I., der große Volkswirt des 16. Jahrhunderts, im ganzen Lande dem Bergbau eine vorzügliche Pflege angedeihen ließen. 1515 wird das Bergstädtchen Brand gegründet, 1517 Gottesgab, Eibenstock, Jöhstadt, 1521 Marienberg; gleichzeitig wird Schlettau zur Bergstadt erhoben. 1522 ist Scheibenberg gegründet, 1526 Wiesenthal, 1532 Platten. 1534 werden wir durch eine landesherrliche Bergordnung mit dem Bergbau zu Schwarzenberg, Gottesgab und dem Zinnbau zu Platten bekannt gemacht; während in den Jahren 1515–1537 nach einem Annaberger Silberbuche zu Annaberg 86, Marienberg 17, Elterlein 4, Wiesenthal 2 und zu Scheibenberg 8 Zechen in Erzlieferung waren. Gleichzeitig deutet eine Urkunde vom Jahre 1538 auf den auch zu Olbernhau betriebenen Bergbau. In den 50er Jahren finden sich dann Zechen zu Lauterstein, zu Drehbach, zu Scharfenstein und 1556 der Zinnbau zu Eibenstock erwähnt. 1578 erfahren wir etwas vom Bergbau zu Wildenau, Dörfel und Jugel. Seit 1573 wird dann die Stahlfabrikation erwähnt, und 1561 schon begegnen wir zahlreichen Eisen- und Blechhämmern, namentlich in der Schwarzenberger und Eibenstocker Gegend. Seit 1561 finden wir die Torfstecherei im oberen Erzgebirge erwähnt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die Marmorbrüche bei Crottendorf, 1583 die Serpentinsteinbrüche zu Zöblitz begonnen. Auch hatte man im Jahre 1577 noch den Versuch gemacht, zu Wolkenstein ein Salzwerk anzulegen, ohne damit jedoch einen Erfolg zu erzielen.
Im nächsten Jahrhunderte vernichtete der Dreißigjährige Krieg den Bergbau im Obererzgebirge fast ganz.
Nach W. Zöller.
2. In späteren Jahrhunderten.
Anfang des 19. Jahrhunderts zählte man auf dem Erzgebirge etwa 700 Gruben mit gegen 12 000 Bergleuten, während 50 000 Menschen vom Bergbau lebten.
Der Erzgebirgische Bergstaat bestand 1815 aus dem Oberbergamt und dem Oberhüttenamt zu Freiberg.
Unter dem Oberbergamt standen die beiden Oberzehntner- und Austeilerämter in Freiberg und im Obergebirge, die Bergakademie und die Bergämter Altenberg mit Berggießhübel und Glashütte, Annaberg, Freiberg, Geyer mit Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal und Hohenstein, Neugeysing, Bärenstein, Seiffen.
Unter dem Oberhüttenamte standen alle Schmelzhütten und das Halsbrücker Amalgamirwerk. Dagegen waren die Saigerhütte Grünthal, das doppelte Blaufarbenwerk in Oberschlema, die Blaufarben-Kommunfaktorei in Schneeberg, das Pfannenstieler, Zschopauthaler und Schindlersche Blaufarbenwerk unmittelbar unter dem Geheimen Finanz-Kollegium.
Unter der Verwaltung des Oberberghauptmanns Freiherr von Herder, 1821 Berghauptmann, 1826 Oberberghauptmann, entwickelte sich auf Grund der alten Verfassung und eines edlen Standesgeistes ein außerordentlich reges bergmännisches Leben. Neue Maschinen wurden in Anwendung gebracht, das Schmelzwesen bedeutend verbessert, besonders seit der Einführung der Koaks im Hüttenwesen 1820, und das Ausbringen bedeutend erhöht, wenn es auch noch nicht den Umfang der neuesten Zeit erreichte.
Im Freiberger Revier baute man auf Silber und Blei, im Altenberger auf Zinn und Eisen, im Glashütter auf Silber und Vitriol, schwefelsaure Metallsalze, im Marienberger auf Silber, etwas Arsenik und Zinn, in Geyer und Ehrenfriedersdorf auf Zinn, Vitriol und Arsenik, in Annaberg auf Silber und Kobalt, im Scheibenberger Revier, welches jedoch in dieser Zeit schon einging, auf Silber, Kobalt, Eisen, Arsenik, im Johanngeorgenstädter auf Silber, Eisen, Zinn, Vitriol, Schwefel, und im Schneeberger auf Silber, Kobalt, Wismut, Eisen, Vitriol, Schwefel und Arsenik.
Nach Süßmilch.
52. Die erzgebirgische Eisenindustrie.
a. Die Eisenhämmer.
Die Hammerschmiede gehörten in früherer Zeit zu den Besonderheiten des Erzgebirges. Heute noch ist der Beiname »Hammer« bei manchem Orte gang und gäbe. Die »Hämmer« schmiedeten das Eisen nicht nur, wenn es heiß, sondern auch, wo es zu Hause war; sie waren bodenwüchsig, diese Eisenhämmer. St. Johann am Rotenberge bei Schwarzenberg, Irrgang an der böhmischen Grenze, Rehhübel und Henneberger Zug bei Johanngeorgenstadt, Vier Gesellen und Altermann beim Auersberge, Urbanus, Spitzleite bei Eibenstock, Schwalbener Zug und Roter Kamm bei Schneeberg, das sind die mächtigsten Eisenerzgangzüge, auf denen die Gewinnung jahrhundertelang bergmännisch betrieben wurde. Vielfach sind diese Gänge zu Tage ausgegangen: Frühzeitig hat man schon das Erz verwertet. Es ist wahrscheinlich, daß der Aufschwung der Eisenhüttenwerke im 16. und 17. Jahrhundert zu suchen ist. Im 16. Jahrhundert entstanden Muldenhammer, Unter- und Oberblauenthal, Wildenthal, Breitenbach, die Hämmer von Pöhla und Raschau. Im 17. Jahrhundert sind gegründet Carlsfeld und Wittigsthal. Vom Jahre 1660 stammt ferner die »Hammerordnung« Kurfürst Johann Georgs II. für die Blechhämmer in den Ämtern Schwarzenberg, Wolkenstein und Lauterstein. 1775 sind im Bezirke des Kreisamtes Schwarzenberg allein 18 Eisenhämmer, ohne die Waffen- und Drahthämmer, im Gange gewesen. Heutzutage sind von den alten Eisenhämmern noch Pöhla, Obermittweida, Erlahammer, Morgenröte, Rautenkranz, Schönheiderhammer als Eisengießereien vorhanden. Der Hohofenbetrieb hat ganz und gar aufgehört.
Es muß in der Zeit der Blüte dieser Eisenhämmer ein gar reges Leben in den Gebirgsthälern gewesen sein. Da dampften die Hohöfen, die Gebläse pfauchten, und hell erklang der Schall der mit der Hand geschwungenen Hämmer zwischen den vereinzelteren dumpfen Schlägen des großen Hammers, den Wasserkraft in Hub setzte. In den niederen schwarzen Hütten rührten sie sich emsig, die rußigen Gestalten der Hammerschmiede, die um die Frischfeuer, die Ambosse und Gießstätten herum thätig waren. Sie bildeten eine echte und gerechte Zunft. Manche der ersten von ihnen im wilden Waldgebirge werden stellenweise ihr bißchen Eisenstein selbst erst gegraben haben, um es dann zu verschmelzen. Meist hatten sie jedoch nur sogenannte »Zerrennfeuer« und »Blauöfen«. Erstere sind Gebläseöfen gewesen, in denen nur Eisen geschmolzen werden konnte, auch in letzteren konnte nur Harteisen geschmolzen werden, doch sind die Blauöfen gewissermaßen als Vorstufe der Hohöfen anzusehen. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten Hohöfen gebaut worden zu sein. Hammerschmiede hießen die Gesellen dieser Hammermeister. Mitte des 18. Jahrhunderts stellte man schon eiserne Kessel, Öfen, Ofentöpfe und dergleichen Gußwerke her. Im 17. Jahrhundert, im Jahre 1683, hat man zu Carlsfeld ein Eisenschmiedewerk angerichtet. Auch ein Pfannenschmiedewerk erstand. Die Hauptsache war aber die Herstellung der Bleche. An die Blechhämmer schlossen sich die zahlreichen Löffelschmiedereien an. Von diesem Gewerbe hat sich noch ein bedeutender Rest erhalten.
Nach Dr. Jacobi.
b. In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren.
Jedes Hammerwerk hat wenigstens einen Leiter, welcher ein technisch gebildeter Mann sein muß, und einen Schichtmeister, dem das Rechnungswesen anvertraut ist, während ersterem die technische Leitung des Werkes obliegt. Zu dem Hohofen, in welchem der Eisenstein geschmolzen wird, gehören 1 Steinpocher, 2 Aufgeber, 2 Hohöfner und 1 Schlacken- oder Wascheisenpocher. Ehe der Hohofen angeht, wird durch den Leiter der untere Teil des Hohofens eingebaut, was man Zustellen nennt; früher besorgte dies der Hohofenmeister. Bei einem Stabhammer oder Frischfeuer, in welchem das rohe, durch den Hohofen gewonnene Eisen ausgeschmiedet wird, arbeiten der Meister oder Frischer, der Vorschmied, der Einschmelzer und ein Junge; zuweilen bei französischen Feuern noch ein Fröner, welcher Vorschmiedsstelle dann mit versehen muß. Die Arbeit der Hammerschmiede ist und bleibt wohl eine der schwersten und schweißvollsten. Der Aufgeber muß in die Mündung des Hohofens, wo die Flamme hoch in die Höhe schlägt, Kohlen und Eisenstein schütten. Der Arbeiter in dem Frischfeuer steht neben dem Feuer, wo das Roheisen gefrischt und geschmolzen wird, und muß das glühende Eisen, mehrere Zentner schwer, herausnehmen, auf dem Amboß teilen und die Teile ausschmieden. Während des Schmelzprozesses verdient ein Hohöfner wöchentlich 3 Thaler, ein Aufgeber und Steinpocher 2 Thaler. Der Meister erhält rohes Eisen und Kohlen und muß dafür eine bestimmte Anzahl Stabeisen liefern. Hat er Überschuß, so ist der Gewinn sein, allein er darf den Überschuß nur an den Hammerherrn verkaufen. Liefert der Frischer nicht so viel Eisen, als er sich verbindlich gemacht hat zu liefern, so muß er das Fehlende bezahlen. Seinen Arbeitslohn erhält er nach dem Gewichte des ausgebrachten Stabeisens. In dem Zainhammer wird das Arbeitslohn nach der Wage bezahlt, d. h. je mehr Wagen Eisen die Arbeiter auszainen, desto mehr erhalten sie. Sie können ebensoviel verdienen, als die Arbeiter beim Frischfeuer oder Stabhammer. Da die Hammerschmiede während ihrer Arbeit einer großen Hitze ausgesetzt sind, so ist ihre Kleidung sehr einfach. Sie gehen meist nur im blauen Hemde und in leichten Hosen, welche ein langes Schurzfell festhält; früher gingen sie meist nur im bloßen Hemde, weil der glühende Sinter, der während der Arbeit herumspringt und mithin dem Arbeiter sehr oft auf den Leib gerät, leichter auf die Erde fällt, wenn er das Schurzfell lüftet. Das Rohschmelzen im Hohofen, das Toben der Hämmer, das Heulen und Pfeifen der Gebläse und dabei das pausenweise Aufschlagen der Gichtflamme, welches zur Nachtzeit dem Wetterleuchten ähnlich ist, die von Kohlenstaub geschwärzten Arbeiter mit starken, ausdrucksvollen Gesichtszügen, Zähnen wie Elfenbein, das Innere der Hände mit hufartiger Rinde, an welche sich die krummen, wenig gelenkigen Finger anschließen, kann uns das Gemälde des Dichters versinnlichen, wenn er von der Werkstätte des Vulkans und seiner Cyclopen schreibt. Ein königlicher Hammer-Inspektor führt die Aufsicht über sämtliche sächsischen Hammerwerke, geht den Werksbesitzern mit Rat an die Hand, nimmt etwaige Beschwerden entgegen und sieht die Betriebstabellen ein.
Das Eisen, welches sich in 12stündiger Schicht im Hohofen angesammelt hat, fließt einem Feuerstrom gleich in einen trogartigen Sandgraben, welches Ablaufen, »Abstechen« heißt. Diese Masse erstarrt sehr bald und heißt eine »Ganz«, weil es eine ganze rohe Eisenmasse ist. Eine solche Ganz wiegt 3 bis 4 Zentner. Diese Gänze, sowie überhaupt das Roheisen, werden, wie erwähnt, verfrischt. Das Walzen der Stäbe geschieht, um aus den gefrischten, höchstens nur unter dem »Stirnhammer« etwas vorgeschmiedeten Eisenmassen die Stäbe herzustellen, oder um die schon unter dem »Aufwerfhammer« weiter ausgestreckten Kolben oder dicken Stöcke zu verfeinern. Im ersten Falle wendet man erst Präparierwalzen und nachher das eigentliche Stabwalzwerk an, im zweiten Falle gebraucht man letzteres allein. Die dünnsten Stäbe werden oft durch eine das Auswalzen an Schnelligkeit noch übertreffende Verfahrungsart dargestellt, indem man 3 bis 5 Zoll breite und 30 bis 40 Fuß lange gewalzte Schienen nach ihrer ganzen Länge in Streifen zerschneidet. Hierzu bedient man sich des Eisenspaltwerkes, der Schneidewalzen.
Nach Elfried v. Taura.
c. Die Blechlöffelfabrikation.
Man darf nicht glauben, als würde der Löffel mit einem Male vollendet; es gehen da eine Masse Arbeiten voraus, ehe er als solcher verkauft werden kann. Zunächst bezieht die Fabrik das Eisen für alle Gattungen von Löffeln von den Hammerwerken, wo es unter dem Namen Löffeleisen in Stäbe geschmiedet und nach der Wage verkauft wird. Der Fabrikant liefert dasselbe nach dem Gewichte an die Plattenschmiede, welche zerstreut in nahen und entfernt liegenden Ortschaften wohnen; diese verfertigen daraus die Platten, d. h. die ebenen, plattausgehenden Eisenstücke, die noch keine Vertiefung haben. Zwei solche Plattenschmiede können täglich gegen 24 und aus einer Wage etwa 36 Dutzend Platten schmieden, die sie an den Fabrikanten wieder nach dem Gewichte abliefern. Nun kommen die Platten wieder in die Hände der zerstreut wohnenden Löffelmacher, welche sie austeufen, wozu sie einen Amboß, worauf die stählernen Modelle oder Formen befestigt und nach verschiedenen Größen und Gestalten eingelassen sind, und verschiedene Teufhämmer haben. Dann bringt man sie wieder zur Ablieferung. Täglich kann ein Löffelmacher 25 Dutzend abteufen. Endlich werden die Löffel ins Zinnhaus abgegeben, da verzinnt, dann mit Kleie gescheuert, sortiert und so vollendet aufs Lager und in den Handel gebracht.
Nach Elfried v. Taura.
53. Die Blaufarbenwerke.
a. Besuch eines alten Blaufarbenwerkes.
Elfried von Taura schildert den Besuch eines Blaufarbenwerkes zu seiner Zeit wie folgt. Bei den Gesamt-Blaufarbenwerken, dem Schlemaer und beiden gewerkschaftlichen zu Pfannenstiel und dem Schindlerschen zwischen Aue und Schwarzenberg, ist die Einrichtung getroffen gewesen, daß kein Werk seine gefertigten Farben für sich verkaufte, sondern solche in das gemeinschaftliche Lager nach Leipzig und Schneeberg lieferte. Diese Bestimmung der gleichen Absendung der Farben besorgte der in Schneeberg wohnende Kommunfaktor. Die Ablieferung geschieht demnach von allen Werken zu gleichen Teilen, sodaß das Ganze als ein ⁵/₅ betrachtet wird, wovon das königliche als Doppelwerk ⅖ und das Gesamt Privatwerk ⅗ abliefert. Die Werke haben das Recht, daß alle Kobalte, die im Lande gefunden werden, an sie verkauft werden müssen, und darum kommen in jedem Quartal Berg- und Blaufarbenwerk-Offizianten, zu welchen letztern die Faktore und Farbenmeister gehören, nach Schneeberg, um die Kobalte chemisch zu untersuchen und nach dem ausgefallenen Werte den Gruben die Kobalte zu bezahlen. Alle Kobalterze werden geröstet, gepocht, kalziniert und mit andern Materialien verschmolzen, um die blauen Farben zu bereiten. Jedes Farbenwerk hat seine nötigen Schürer oder Schmelzer, Gemengmacher, Kalzinierer, Waschstübner, Farbereiber, Oxydmacher u. s. w., die alle den gemeinschaftlichen Namen Farbearbeiter oder Farbebursche führen. Ihre Erzeugnisse sind Smalte, Safflor, Zaffers, Ultramarin. Zum Schmelzen des Kobaltglases dient ein besonders eingerichteter Ofen, in welchen Häfen aus festem, gutem Thon hineingebracht, in welche das Gemenge eingelegt wird, um dies eben darin zu Glas zu verschmelzen. Das Kobaltoxyd giebt mit Säure Salze, welche rot gefärbt sind. Die zur Herstellung der Farben nötigen Hauptmaterialien sind: die Kobalterze, Pottasche, Quarz, Arseniksäure als Zuschlag. Die Kobalterze sind entweder schon oxydiert oder müssen oxydiert werden. Dieselben werden zuvörderst gesaigert und dann geröstet, was in besondern Öfen geschieht; das geröstete Erz wird gesiebt und so zur weiteren Verarbeitung aufbewahrt. Der Quarz wird »gebrannt« und dann »gepocht«. Das Gemenge wird im Schmelzofen geschmolzen, was gewöhnlich 8 Stunden dauert. Ist die Masse flüssig, so schöpft man das Glas mit eisernen Löffeln und bringt es in einen daneben stehenden Trog mit Wasser zum »Abschrecken«. Unter dem Glase befindet sich im Schmelzhafen die leichter flüssige »Speise«, welche nicht »abgeschreckt«, sondern in eisernen Eingüssen, in Form von Schüsseln, hart an dem Ofen eingesenkt, aufgesammelt wird. Die abgeschreckten blanken Gläser werden aus dem Troge genommen und unter Pochstempeln gepocht, dann gesiebt, auf Mühlen mit Wasser vermahlen. Der so gewonnene Schlamm kommt in ein Waschfaß, wo die Abscheidung der Farben durch Niederschlagen erfolgt. Die über dem Niederschlage stehende Flüssigkeit wird in die »Eschelfässer« abgezapft, in denen man den »Eschel« gewinnt. Die gewonnene Farbe sowohl als der Eschel werden wiederholt von den Waschstübnern verwaschen, bis alles rein ist. Das trübe Wasser, vom Verwaschen der Eschel bläulichgrau aussehend, setzt zuletzt den schlechtesten Eschel in den »Sumpf« ab, d. i. »Sumpfeschel«, der den Glasgemengen wieder beigesetzt wird. Die Farben und Eschel werden getrocknet, sowohl in den geheizten Trockenstuben als auch von der Luft in Trockenhäusern, dann zerrieben und gesiebt.
Jedes Werk wird verwaltet vom Faktor, dem bei dem königlichen Werke noch ein Chemiker, bei dem Privatwerke zu Pfannenstiel noch ein technischer Faktor (zugleich mit für das Schindlersche Werk) beigegeben ist. Die Farbenbereitung leiten die Blaufarbenmeister. Sämtliche Blaufarbenwerker müssen beim Läuten des Hüttenglöckleins punkt 5 Uhr im Werke eintreffen: zuerst wird gebetet und gesungen, um 6 Uhr ist alles in voller Thätigkeit. Abends um 6 Uhr, nachdem wieder gebetet und gesungen worden, wird Schicht gemacht. Die Arbeiter haben bei Paraden ihre besondere Tracht, bestehend in einem weißen Leinwandbergkittel mit blauem Steh- und Hängekragen, weißen Leinwandhosen, blauem Schurz, schwarzem Schachthut, den die Sachsenkokarde ziert. Die Offizianten haben nach ihrem Range ganz die Uniform wie die Bergoffizianten. Ihr Gruß ist »Glück auf«, ihre Zeichen sind Krücke und Kratze. – Jeder Arbeiter beginnt seine Laufbahn als Taglöhner. Zeigt er sich als Taglöhner brav und brauchbar, so wird er »wirklicher Arbeiter« und darf nun als Auszeichnung die weiße Schürze bei der Arbeit tragen.
b. Sage von der Erfindung der Blaufarbenbereitung.
Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich sich verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber, so oder Kobold nannte man das taube Erz, welches das Silberausbringen erschwerte, sich erhob, da kam Christoph Schürer, eines Apothekers Sohn aus Westfalen, landesflüchtig seines evangelischen Glaubens wegen, nach Schneeberg, wo er, als ein in der Chemie und Naturlehre wohlerfahrener junger Mann, bald eine Anstellung bei den Hütten fand. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft gewann er die Liebe Annas, der Tochter des Hüttenmeisters Rauh, und bald auch durch sein einnehmendes Betragen das Jawort ihres Vaters, sodaß die Hochzeit auf das nächste Bergfest bestimmt wurde. Ehe aber das Bergfest kam, drohte Schürers Unstern alle seine Hoffnungen zu vernichten. Nämlich in seiner Forschgier war er auf den Gedanken geraten, den vielverrufenen Kobold, den verhaßten Silberräuber, durch chemische Zubereitungen zu etwas Nützlichem umzugestalten. Er machte demnach insgeheim in einer Schmelzhütte in Oberschlema vielfache Versuche, und trieb es damit oft die ganze Nacht hindurch, so eifrig, daß er bald in den Verdacht der Alchymisterei und Schwarzkünstelei geriet. Als daher aus Platten in Böhmen, wo er sich bei seinem früheren Aufenthalte daselbst durch seinen Glauben Feinde und durch seine Kenntnisse und sein Ansehen Neider gemacht hatte, mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb und Glaspartierer gewesen sei und man seine Auslieferung forderte, gebot der Bürgermeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der Schmelzhütte mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Fron, ihn festzunehmen, fand aber die äußere Thür verschlossen und meldete es dem Bergmeister. Diesen, sowie den Hüttenmeister Rauh und einige Geschworne trieb jetzt die Neugier, mitzugehen. Die Thür wurde aufgesprengt, und mit freudefunkelnden Augen trat der gesuchte Verbrecher den Eintretenden entgegen. Aber wie staunte er, als der Fron ihn griff und ihn einen Zauberer, Dieb und Partierer schalt! »Männer,« rief er, schnell sich fassend, mit fester Stimme, »Männer, prüfet, ehe Ihr entscheidet! Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug hier mit schwarzer Kunst, so tretet her! Seht, dies wollte ich gewinnen und, Gott sei Dank, endlich ist's gelungen! Ich meine, es soll dem Lande von großem Nutzen sein!« Somit reichte er ihnen eine Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehles hin. Die Bergherren staunten und begehrten zu wissen, wie und woraus er solche schöne Farbe bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig und reinigte sich so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler sei. Auch machte es dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe versprach, alles zu thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen der Böhmen zu erweisen. Dies gelang auch dem wackern Manne bald, und Schürer erhielt nun seine Freiheit wieder und kam durch die Erfindung der schönen blauen Farbe, die man anfangs nur blaues Wunder nannte, zu großen Ehren, und als das Bergfest gekommen war, wurde er des Hüttenmeisters glücklicher Eidam!
54. Torfstecherei im Erzgebirge.
Neben dem Filzteiche befindet sich eine beträchtliche Torfstecherei. Man hat schon ums Jahr 1708 im obern Erzgebirge Versuche mit Torfgraben gemacht, z. B. am Kranichsee bei Carlsfeld, bei Scheibenberg und Schneeberg. Aber kein Mensch wollte Torf kaufen, denn man hatte des Holzes genug; und so blieb es bei dem Versuche, der im Jahre 1756 fast ebenso erfolglos wiederholt wurde. Man gab da für 1000 Torfziegel zu stechen 10½ Groschen und verkaufte solche zu 21 Groschen. Aber die Macht des Vorurteils war so groß, daß man den Torf nicht einmal umsonst haben wollte, sodaß viele hunderttausend Stück Ziegel verdarben und zerfielen. Erst seit dem Jahre 1789 wurde auf wiederholte Anordnung des Finanzkollegiums die Torfstecherei am Filzteiche ordentlich in Gang gebracht, und im Jahre 1790 wurden auch Trockenhäuser und Kohlenschauer angelegt. Ein einziger Arbeiter konnte täglich über 1000 Stück stechen; sogar Kinder verdienten dabei ihr Brot, denn man bediente sich ihrer zum Zählen und Aufschlichten der Ziegel. Der Torf, ein aus Wurzeln bestehender Filz, ist schwarzbraun. Die Ziegel wurden in den 4 großen Trockenhäusern gedörrt und dann nach Schneeberg ins Torfmagazin geschafft. Man verkohlte deren viele Hunderttausende in Meilern zu 36 000 Stück. Im Jahre 1795 wurden 1000 Stück zu 8 Groschen verkauft. – Nicht weit vom Filzteiche ist auf Johannisgrüner Revier im Jahre 1791 eine zweite Torfstecherei angelegt worden. Die Torffeuerung ist in Sachsen schon seit dem Jahre 1560 bekannt.
Nach Schumann.
55. Die Auer Porzellanerde.
Bei Aue wurde noch am Anfange dieses Jahrhunderts in der Fundgrube des Weißen St. Andreas weiße Thonerde bergwerksmäßig gewonnen und zur Verfertigung des Meißener Porzellans verwendet. Es fuhren außer dem Steiger täglich 32 Bergleute an. Die Erde oder das »Weiße Zeug« wurde getrocknet, von wilden Arten oder Beimischungen geschieden, und fässerweise wurden aller 14 Tage gegen 120 Zentner durch zwei verpflichtete Fuhrleute nach Meißen geschafft. Die Fässer waren umschnürt und wohlversiegelt. Die Erde durfte nicht außer Lande geschafft werden, ja auf der Zeche selbst bekam man sie kaum zu sehen. In die Gruben, Trocken- und Vorratshäuser durfte niemand ohne Erlaubnis. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Ausfuhr des weißen Thons der Auer Gegend anfänglich bei großer Geldstrafe und im Jahre 1745 sogar beim Strange verboten. Im 7jährigen Kriege ließ Friedrich der Große mehrere Wagen voll Auer Erde nach Berlin schaffen, um sie untersuchen zu lassen, damit er in seinen Ländern nach ähnlicher graben lasse. Es entstand auch daraufhin die Berliner Porzellanfabrik.
Nach Schumann.